Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 11 (9.2.1903)
- Date
- 1903-02-09
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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44. Jahrgang. Mimljuknthm (in Sainjiikntlura! €tn Wort zur Verständigung. Bon Raphael Breuer. (Fortsetzung.) Man komme aber nun nicht und spreche kopfschüttelnd: Es ließe sich die Sache nicht auf andere Weise machen, und wenn die Orthodoxen für einen guten Zweck Sammlungen veranstalten, so frage man ja auch nicht nach der religiösen Ueberzeugung des Gebers. Als ob der Zionismus weiter nichts erstrebte, als in großem Maßstabe Wohlthatigkeit zu üben an Gliedern des jüdischen Volkes, die in unerträglicher Noth ein elendes Dasein fristen — als ob er nicht das jüdische Selbstbewnßtsein heben, dem jüdischen Volke seine idealen Güter, deren es sich selber in unverzeihlicher Verblendung beraubt, wieder geben wollte. Der Zionismus hat es, wenn wir seine Absichten recht verstehen, mit der Regenerirung des Judenthums oder bester gesagt, mit der Wiederbelebung der I u den heit, des jüdischen Volkes zu thun, — er will dieses zum Judenthum zurückführen. Wenn der Zionismus nun einerseits erklärt, Religion sei Privatsache, und andererseits doch mit vieler Emphase das Wort Judenthum im Munde führt, so folgt daraus, daß er ein Judenthum ohne Religion als Judenthüm anerkennt, daß man ohne Religion Jude sein kann — ja. daß man als religiöser Jude nicht einmal ein besserer Jude ist, als ein im und fiir's Judenthum Geborener, der statt an Gott an — Darwin glaubt. Das ist so klar und unwiderleglich, daß man schaudernd vor dein Abgrunde zurückweicht, der sich da zwischen unserer „orthodoxen" Anschauung und der zionistisch-nationaljüdischen aufthut. Wir verstehen unter Judenthum das. was man all die Jahrhunderte hindurch bis zum Tage verstanden, da man das Wort „Zionismus" geprägt: Thauroh. Wir verstehen unter einem Juden einen von jüdischen Eltern geborenen Menschen, der die T h a u r o h hält. Wir' erklären Religion nicht nur nicht als Privaisache, vielmehr als das einzige Merkmal eines wahrhaften Juden, mit dessen Verlust er aufhört, Jude zu sein. Uns bedeutet Judenthum das Gottes wort. wie es schriftlich und mündlich vom Sinai zu uns gelangt ist und in dem Gott Uns unsere Lebensbestimmung offenbart, In welcher Zeit wir auch leben, wie sich auch unsere Verhältnisse gestalten mögen — Thauroh muß uns den Lebensweg bestimmet Für uns kann das Wort in der Bibel: „Alles das, was Ich euch gebiete, das e r f ü l l e t g e wissenhaft; du darfst nichts daran.Hinzuthun und nichts davon Massen!" niemals seine. Geltung. - verlieren. Uns ist Gott Schöpfer, Gesetzgeber, Pich-' ter. Was wir denken, muß sein letztes Ziel,in Gott',.,, haben, was wir fühlen, muß ausgehen von. Gott und ... enden in Gott. Er ist der Leiter unserer. Worte /und / unserer Thaten. Sind .wir reich an materiellen Gm.// tern, sind wir geistig hoch veranlagt, genial ^-/wir / haben es von Gott, aus Sein e r Hand''ist. es uns , , gekommen. Daß wir in diesem Augenblick.leben, daß,! wir morgen, wenn der Tag 'anbricht, zu"nepem, Leben/.'/- erwachen, das haben wir Gott zu verdanken. Was wir. rings um unS an Kräften und Elementen sehen, das,.ist . nicht aus sich selber hervorgegangen, es sinh Geschöpfe / Gottes. Wir suchen die Erscheinungen der Patur / kennen und verstehen zu lernen, wir begreifen die, .Art / und den Zweck ihres Wirkens, doch nach dem Me und./ Warum ihres Wirkens fragen wir nicht:, es ist Gottes. Gesetz.. Wir suchen die Thätsachen der Geschichte kennen und verstehen zu lernen, wir sehen, .Menschen,.., die erzogen, belehrt und gezüchtigt werden -7 die einen/, glücklich, die anderen unglücklich, die einen arm,..die an/ / deren reich, gesund die einen, krank die änderen. / lachende, weinende, selbstständige,, inewiger,..StlaverfaA'. befindliche Menschen —: wir sehen Völker und Staaten,/.' wie sie entstehen, wie sie blühen und untergehen — und., unter ihnen ein Volk, ewig, unzerstörbar — Israel --/-./ und in all' diesen Vorgängen und Erscheinungen sehen , und erkennen wir das mächtige Walten der göttlichen ). Vorsehung. Und unsere Weltanschauung — wie grund- / verschieden von der allgemeinen. Da ist .es nicht das// körperliche Auge, der sinnliche Verstand, die uns zum/'. Begreifen alles Weltgeschehens fähig machen, denn beide, führen, wie die . Weisen lehren, zur Gottverkennung,./ zum Schwelgen im Genuß und zur Abgötterei.. Picht/.: zur Erkenntniß Gottes soll uns das Erfassen der Welt und unseres eigenen Wesens führen, sondern, umgekehrt, die Erkenntniß Gottes zum Erfassen der Welt undun-.. serer Lebensbestimmung. /’\:i-T Gott und Thauroh, beides sind Thätsachen, ebenso " wie Himmel und Erde. Die Welt, | hervorgegangen /' aus Gott, und jeder Trieb Seinem Gesetze, sich.unser-' ) ordnend. Und wir: erste Diener in dem großen/gott-./ ' dienenden Kreise der Wesen und.. wirkenden,- Kräfte./)' Das ist u n,s e r e Westänschauung,'u n f.e r e. Phiso/,'; sophie. Und.. wer und wasund . wie . ist. Gott? fragen's nicht.. Denn /es ist. .etwas Uebersinnliches/)// U ebermenschliches. Wir fönnien's doch ^icht/ber stehen/../ Rur was Gott u n s ist, was die Welf u n s, und!/. ihr sein .sollen, das" wissen wir".durch.Offenbärnng und Gesetz, durch Thauroh. Diese Thauroh kann . stch weiter nicht entwickeln. Sie ist abgeschlossen und