Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 10 (5.2.1903)
- Date
- 1903-02-05
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Tan knüpfte sich noch eine Reihe anderer Fragen, o- und in wie weit man die Kinder und den Hauslehrer in die Sache einweihen solle. Auf diese Weise war. schon die erbetene Bedenkzeit verstrichen, bis sich Feiwel und seine Frau für folgenden Weg entschieden. Einen Tag vor der festgesetzten. Frist sagte Feiwel beim Frühstück in Gegenwart der versammelten Familie: „Heute oder morgen muß ich mit Abraham wieder zum Grafen fahren. Der Graf hat mir gesagt, daß er für Deine Zukunft, lieber Abraham, sorgen will. Du sollst etwas Tüchtiges lernen, in allen Sprachen, Wissenschaften und Künsten; hattest Du Lust dazu?" „O, wie hätte ich meine Freude daran, wenn ich recht viel lernen könnte, wer würde nicht gern ein solches Anerbieten dankbar annehmen?" „Ja," entgegnete der Vater, „Du stellst Dir das doch wohl leichter vor, als es in Wirklichkeit ist. Lernen ist ja gewiß etwas schönes, aber Du mußt dann mehrere Jahre hintereinander fortbleiben, ohne inzwischen nach Hause zu kommen. Dann wirst Du weit fortgeschickt, es ist ein Freund des Grafen, tief im Russischen, der Deine Ausbildung übernehmen will. Das muß man sich doch überlegen." „Wenn ich mehrere Jahre nicht heimkommen darf, so dürft Ihr doch zu mir kommen; oder kann vielleicht Joseph mitreisen, so daß wir zusammen wie bisher lernen könnten? Das wäre schön!" „Das wird nicht so leicht gehen. Es handelt sich zunächst um eine Probe, und die wird man nicht mit zwei Knaben auf einmal machen wollen. Wenn Du gehen willst, so mußt Du allein gehen, ohne Joseph." „Wenn Abraham nicht gehen will, ich gehe gern," sagte Joseph. , „Wer sa'gt denn, daß ich nicht gehen will?" entgegnete Abraham. „Ich dachte nur, es wäre schöner, wenn wir beide zusammen gingen; aber wenn das nicht möglich ist, gehe ich auch allein. Me machen wir es aber mit unseren Büchern, die gehören Joseph und mir zusammen? Nur eine Gemoro hat jeder besonders, die kann ich mitnehmen." ----- „Bücher," sagte der Vater, „brauchst Du gar nicht mitzunehmen, und auch keine Kleider, Du wirst dort alles neu bekommen, und nun mache Dich fertig. Wenn es der Mutter recht ist, reisen wir noch heute Mittag." Wenige Stunden später verabschiedete sich Abraham von der ganzen Familie, um mit dem Vater zum Grafen zu fahren.,, Abraham, der vor Verlangen brannte, nun recht viel lernen zu können, und den Geschwistern, die dieses Glück.sehr wohl zu würdigen wußten, wäre dieser Abschied nicht so schwer gefallen, wenn die Mutter nicht ganz in Thränen aufgelöst gewesen wäre. Mit sanfter Gewalt mußte der.Vater den Knaben den Umarmungen der Mutter entziehen. 'Die Familie begleitete dm Wagen bis an's Hosthor, und sahen ihm noch so lange als möglich nach, dann gingen sie in die Wohnung zurück. Am längsten blieb Joseph am Thore stehen, und als er eben zwei große Thränen aus den Augen wischen wollte, trat ihm der Großknecht Casimir in den Weg. „Warum weinst Du, Joseph?" fragte er. es ist nichts, weil der Abraham eben mit dem Vater fortgefahren ist," entgegnete Joseph. * „Da brauchst Du doch nicht zu weinen. Dein Vater ist ja vorige Woche auch mit Abraham fortgefahren, ohne daß Du geweint hast?" „Ja, dieses Mal ist's was anderes, er kommt lange Jahre nicht wieder; er kommt weit fort nach Rußland." „So, so," sagte Casimir und trat in den Stall. „Wie schade für den Jungen, jetzt wird er also doch geschlachtet; wie hatte doch meine Großmutter so Recht; die Juden haben kein Mitleid." (Fortsetzung folgt.) .. Der „Israelit" erscheint wöchentlich zweimal. Slonlngä und Donnerstags, jedesmal in mindestens zwei Bogen. Preis pro Vierteljahr bei der Post 3 Mark ohne Bestellgeld. Ausland entsprechend hoher. Man abonnirt ganzjährlich, halbjährlich oder vierteljährlich. 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Inhalt (Harrvtblatt): Ein Schüler des Professor Delitzsch über Babel und Bibel. — Zeitungsnachrichten und Correfprndenzen: Deutschland: Frankfurt a. M. Hirschberg. Mönchsroth. Oesterreich: Wien. Italien: Abbazia. Bon der Riviera. Rußland: Kiew. China: ZeitungLuachrichrrn und Correspondcnzcn: Shangai. — Feuilleton: Der Findling. (Fortsetzung). _ . Inhalt der ersten Deilaae: Nationaljudentynm ein Wahinudenthum! (Fortsetzung.) Deutschland: Berlin. — Vermischtes. . . . . „ „ . . Inhalt der rwcltrn Bellaae: Zeitungsnachrichten u. Corrcsp.'ndenzen: Deutschland: Breslau. Emden. Oesterreich: Karlsbad. Ungarn: Budapest. Berefno. Neutra. . ' . Ertra-Bettagr: „Binjamin" von Dr. M. Lehmann. : Verantwortliche Redaction: OScar Lehmann tu Mainz. — Expedition des .FSraelit". Schottstraße Nr. 2. Mainz. Druck und Vertag der Job. Wirth'schen Hofbuchdruckerei Aetien^Leselllchast in Mainz. Hierr« drei Vellage«.