Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 9 (2.2.1903)
- Date
- 1903-02-02
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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■Vf*** G 44. Jahrgang. M « Kentrat-Organ für das orthodoxe Zudenthum. i Begründet von ’ " f" . t, B. Begründet von Dr Xtfftnunn in Ul «ins i v Mo n tag, de«;!»r üngt Stt «W AMMk« Sranttn.1 Bo» K. O., Frankfurt a. M. I nein naht und damit auch die Zeit, wo so Biele in den Üginpf des Lebens eintreten, zu dem -sie auf der Tchu'.e und imHause.b'on Eltern und Erziehern vorbereitet werden. Wenn heutzutage ein jüdischer junger Mann die Schute verläßt^Ml einen, Beruf zu ergreife», sc bai er in der Regel keine,groß« Wahl. Entweder siudirl er, dann wirrer Arz.t oder Rechtsanwalt, oder er wird Kaufmann; denn zu den öffentlichen Äemtern wird er nicht zugelaffen, und in einem technischen Beruf, dring! er es, ohne seinen Glauben zu.verleugnen, buch nur höwst selten zu. einer' angesehenen Stellung. Auch Hai nicht Jeder die Mittel oder die Fähigkeiten zu einem langwierigen unkt kostspieligen Studium. Biele ' der au-" den niederen . Schulen entlassenen jungen Leute werden ivohl Handwerker,-aber die Meisten, namentlich tue Zöglinge höheres Lehranstalten,- wenden sich dem tuuswäiinischen Berufe zu. ' . \ ■ i Wurde der Schüler bisher von Seiten der Lehrer und in vielen Fällen auch von Seiten der Ettern und briu-der zur- Heiligung des Sabbats und der Feierwae ohne Schwierigkeit angehalt'en, so befindet er sich schon beim Austritt aus der Schule in einer Zwangslage. Tchon/die Erlangung einer Lehrstelle, die doch in ^•*■^11 meiffen/Fällen gaf nicht besoldet wird, ist außerordriillich schwer für einen jungen Mann, der seinen ^a»nal /halten will. Denn nur in wenigen, großen eWädlcii, wie Berlin, Hamburg, Frankfurt a. M., gibt ec Di.schbfie, die am Sabbat geschloffen sind, und ü bergan! Handlungsgehülfen beschäftigen, Religiöse Jn- Habcr von Ladengeschäften gibt es selbst in Frankfurt das man für eine der orthodoxesten Städte des Reiches hält, leider nur in verschwindend kleiner Zahl. Zu dieser Kalamität' kommt noch, daß viele auf dem Lande wohnende Handelsleute, die gleichfalls den Ehrgeiz ySbrn, aus ihren Kindern zukünftige Kommerzienrat he zu machen, ihre Söhne in er ne Lehre in, die Großstadt schicken, obwohl Letztere gar nicht die nöthigen Kenntnisse besitzen. Grade diese jungen Leute, die sich, nun vom einfachenÜandleben mitten in hie Versuchungen der Großstadt versetzt sehen, vergessen bereits nach kurzer Zeit die guien Lehren ihrer Eltern und die ortho- ° doxe Erziehung, um die durch die Sabbatruhe vermehrte freie Zeit mit Vergnügungen und Zerstreuungen auszusüllen, - die mit der Heiligung des Sabbat" in grellstem Widerspruch stehen.. Diese, wie überhaupt die meisten Lehrlinge mit geringerer Schulbildung, die Vielleicht in einem kleinen, ländlichen Geschäfte und in der.Familie der Chefs ganz brauchbare Kaufleute geworden waren, werden iWden meisten Geschäften nur zu Handletstungrw;und -.mechanischen Arbeiten herange- ' zpgen. Wenn diese jungen Leute Hann ausgelernt haben, dann sind sie oftmals geschickte Packer oder Ausläufer, von-kaufmännischen Arbeiten staben sie aber in vielen.Fällen keine blaffe Ahnung. Denn nicht gerade zur Ehre mancher religiöser Chefs, und ich habe hier einige sehr bekannte, große und reiche Handlungshäuser im Auge, muß es gesagt sein, daß sie gerade das große, Angebot orthodoxer Lehrlinge dazu benutzen, um ihr * Packer-, Ausläufer- und Arbeiterpersonal, soweit /dies nur irgend, thünlich, durch solche billige, junge Kräfte zu ersetzen und zu ergänzen. Hat nun rin derartiger junger Mann nach zwei oder drei Fahren diese sog. kaufmännische Lehre beendet, dann wird er gewöhnlich vor die Thüre gesetzt, und er kann nun zusehen, wie er . mit seinen Kenntnissen in irgend einem anderen Geschäft als Kommis oder Volontär unterkommt. Hat er aber das Glück, dgß ihn sein Chef nach beendeter LHre als Kommis weiterbehält, dann muß er sich mit eii«m Gehalt begnügen, der noch bei weitem nicht an bas Gewiß nicht bedeutende Einkommen.eines Dienstmädchens