Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 8 (29.1.1903)
- Date
- 1903-01-29
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Interessen des Baron Korff naher liegen sollten, als die Eurigen. Jchiheile Euch daher unter Diskretion mit, daß mir der Baron Vollmacht bis zu 40,600 Rubel gegeben hat, die offerire ich Euch sofort, weil ich das Markten und Feilschen in einer so delikaten Sache nicht am Platze halte. Mein Freund knüpfte an die Zahlung dieser Summe einige Bedingungen. Zunächst muß ihm der Knabe, seine Führung und sein Charakter'die Anlage seines Geistes und Herzens, vollkommen zusagen. Zu diesem Zwecke soll der Knabe etwa 3—4 Wochen auf dem Schlosse des Barons zubringen. Nach Ablauf dieser Zeit wird die Summe Euch ausgezahlt, wenn, woran ich nicht zweifle, der Junge meinem Freunde entspricht. Der Baron stellt aber dann noch die'Bedingung, daß der Knabe jeden Verkehr mit. Euch und Eurer Familie aufgibt, daß Ihr Euch gegenseitig nicht besucht And nicht einmal , schreibt, Ihr werdet das begreifen. . Und nun werdet Ihr mir doch selber zugestehen,, daß Ihr ein Glückskind frib!" --i; v >,Herr Graf," entgegnete der Verwalter, „ich danke herzlich für das Interesse, das Ew. Excellenz dem Kinde und meiner Familie zuwenden. Aber wenn die Sache seitens des Herrn Baron Korff fertig ist,-soist sie es doch noch nicht meinerseits. Als ich das 5Änd vor neun Jahren in mein Haus aufnahm, habe ich es mit Einwilligung meiner Frau gethan, die ihm eine zweite Mutter geworden ist; wenn ich es wieder fortgeben soll, so kann ich es nicht ohne Zustimmung meiner Frau „Aber bedenkt,, Feiwel, 40,000 Rubel!" bemerkte der Graf.. - > . „Ich kann nicht mit Bestimmtheit sagen," entgcgnete Feiwel, „wie meine Frau über die Sache denkt. Aber das kann ich, Ew. Excellenz, jetzt schon erklären, Geld nehmen wir für unser Kind nicht. Auch glaube ich nicht, daß meine Frau auf die Bedingung, jede Beziehung zu dem Kinde aLzubrechen, eingehen wird. Wenn es den Herrn Baron genirt, ein Kind zu adoptiren, das Juden im Walde aufgefunden und großgezogen haben, sobald diese Juden die Anhänglichkeit an dieses Kind weiter bewahren, so genirt es uns ebensosehr, unser Kinh einem Manne solcher Gesinnung anzuvertrauem Das ist meine Ansicht, und ich glaube nicht, daß meine Frau hierin anderer Ansicht ist." . Der Verwalter sprach dies mit einem Tone entschiedener Festigkeit, wie er ihn sonst seinem Herrn gegenüber.nicht anschlug. -/ '' Der Graf war davon ganz verblüfft, sowohl über die Entschiedenheit, mit welcher der Jude das Geld zurückwies, als über die Anhangüchkeit, die ser für sein PflegekinRhrkuNdete. ' 4: 'fJK XX X :.,4; 774 ^Glauben Sie? denn," fuhr der Grgf fort,!?„derl Baron v. Korff läßt sich von Euch ein Kind'schenken?" ^Verzeiht, Excellenz,7 Mtgegneke Feiwes in aller Ruhe, „aber ich habe ja Niemanden etivaL Derartiges zugemuthet. Hatte ich aber dem Baron-wirklich.eine, solche Offerte gemacht, Iso Ware sie doch bKi/weLemMiW so verletzend, als es sein Ansinnen ist, ihm das Kind ^ü. verkaufen,, und gar unter sokchsrt-.WMgüMnsM^M^ Der Gras, welcher.gegkäubt'.^ilte^skÄE^^er^ werde mit allen tzandm nachdiesem Handet greifen^ sah, daß er kein leichtes Spiel habe...'.J. 4 ... X- 7; i? X. „Feiwel," sagte er mit gemessenem.-ErnO.'^-^JTr-'.-' dürft nicht vergessen^ was ich Euch sofortvorige. Woche: sagte, daß es ein Christenkind ist, das Jhr?im Häufehabt, und das Ihr seiner Religion entziehWJhr Habs mir erklärt, daß Ihr das Kind nur d'eßhalL-jüdisch erzogen habt, weil dies in Eurer Familie nichts anders. möglich war; jetzt aber, wo die' Möglichkeit in so gsan- - zender Weise geboten ist, kann es keine Ausflucht geben, Euch dieser Verpflichtung zu entziehen.. 7^Für 'die gen, die aus einer Weigerung für Euch entstehU Ikönn-.'. ien, tragt Ihr allein die Verantwortung; <Mrkt. Euch das." — ■ - . •"t- .<• Die letzten Worte waren mih soscharferBetonung gesprochen, daß Feiwel nicht darüber' im Zcheifel sein, konnte, der.Graf werde alles^aufbieten;4nm^ seinen- Willen durchzusetzen. _ „Gestatten Ew. Excellenz, mir - zu bemerken,, daß: von einer Weigerung meinerseits, das Kinhl seiner Religion züruckzugeb'en, nie die Rede war, und. daß dies 7 in Wirklichkeit völlig außer meiner AbsiD Hetzt.'^Geweigert habe ich mich nur, , einen Schritt ohne Wissen der Pflegemutter des Kindes zu thun, die es.erzögen hat. geweigert habe ich mich, Geld dafür Izu nehmen^^ und geweigert habe ich mich, - das Kind - Jemanden zu übergeben, der ihm jede Beziehung zuseinen. Pflegeeltern verbieten möchte."- . .7;XXXXXj-X' „Ich kann es mir denken,"- erwiedertegereizt der Graf, „daß Ihr auf den letzten Punkt besonders Gewicht legt, weil Ihr glaubt, daß das Kind "nie 'zum Chnstenthum übergeht, so lange es., mit - sejnenMflegeeltern in Verbindung, bleibt, umsomehr wird-aberJedermann hierauf bestehen, der das Mndl wirklich seinem. Seelenheil zuführen will." „Wenn ich das -Kind seiner Religion hätte entziehen wollen, so hatte ich es sofort' in däsAbrahamsbündniß ausgenommen. Ich habe Ew., Excellenz - aber sogar ausdrücklich betont, daß -ich dann gegen.unser Religionsgesek gehandelt hatte- 7 undchdß/fch' derWeisung meines RabLinerS7fokgte,-/es.nicht^uMIudD^ Machen., .Wenn. .Ew.. Eircellettz in. meine- Worteirgend welchen Zweifel.setzen, so läßt' sich büsl fadurch/ZMeN „Wer.Ispnch't'. denn hon^weikick^Mrk^r 7Grgs httrütigend eiin 7>.Wenn.Ihr- Cüre Person 'einverstanden seid, - so gehören Euch für den 'Knahen Mit Fug und Recht Re M',600 .Rüml;^^ schlagt ein!" - -7 v; 7? .7 4 - 4''v