Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 7 (26.1.1903)
- Date
- 1903-01-26
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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151 " ten den neunzehnten ebenso wie den 7., 14., 12. und 28.; ... des Monats, jä noch strenger. Es wurdm also fünf 7 , Tage des Monats, und zwar nicht in siebentägigem l . Abstand, begangen. Sie haben diese Tage als Unglückstage, den 19. als Tag des Zornes bezeichnet, i während Lei den Israeliten der Sabbat ein Tage der \- Freude und Erhebung ist. Von einer Ruhe des Volkes, der Sklaven, Thiere, dem Einstellen der Arbeit und des f ~~ Handels, die gerade das Wesen des israelitischen Sabbats bildet, ist bei den Babyloniern nicht die Rede. ' Als genau so hinfällig weist Professor Barth die Hypothese von Delitzsch über den Gottesnamen und Gottesi begriff nach. Was von dem Inhalt der Keilschriften ' des babylonischen Königs Hammurabi und feines Va- °... ters (ca. 2200 v. d. g. Z.) behauptet wird, daß nämlich;in jener alten Zeit Gott von Kanaanäern verehrt worden sei, hält der Gelehrte zwar für sehr unwahrscheinlich, da andere Lesarten garnicht berücksichtigt sind; aber selbst wenn es den Thatsachen entsprechen i würde, hätte es recht wenig zu bedeuten: denn nicht auf den Namen, sondern auf die Vorstellung, die man mit; ihm verband, komme es an; „hätten wirklich die alten . Kanaanäer diesen alten Gottesnamen gekannt, so hätte er bei ihnen ein Idol neben 20 oder 30 andern bezeichnet, eng und begrenzt in seiner Kraft und ohne tiefere sittlich-religiöse Einwirkung auf seine Bekenner; das lehren die Angaben über den kanaanäischen Kultus in der Bibel mit voller Sicherheit. Es würde also nichts als der äußere Schall mit dem Namen des Gottes Jsf raels gleich gewesen sein." Aber diese Thatsache selbst sei äußerst unwahrscheinlich. Gegen sie sprechen einmal eine Anzahl schwerwiegender, alter, biblischer Bezeugungen über den kanaanäischen Kult. Weiter aus späterer Zeit Hunderte von Zuschriften der Phönizier, die doch Kannaanäer waren, aus deren verschiedensten Niederlassungen, Sie enthalten alle Götternamen der Ka- J naanäer, aber von dem heil. Gottesnamen keine Spur. - auch nicht als Element von Eigennamen. Hätte, so fragt Prof. Dr. Barth, dieser Gottesname, wenn sie ihn je besessen hätten, so bis auf den letzten Rest verschwinden können? Der Gelehrte beruft sich vor allem auch auf das als authentisch anerkannte Lied der Debora, : die selbst am - Kampfe gegen den Kanaanäer Sisera theilgenommen hat. Nach diesem klassischen, zeitgenössischen Zeugniß aber muß die Verehrung Gottes bei Kannaanäern als ausgeschlossen gelten. Denn nach dem Lied kommt er zum Krieg gegen die Kana- [ anäer heran, sie stehen ihm also feindlich gegenüber. Damit fallen allein schon jegliche Hypothesen über eine s kanaanaische Verehrung Gottes, die man auf vieldeu- | Ligen, durchaus unsicheren Keilschriftlesungen aufbaut. ■. Sehr überzeugend wirkt auch die Ueberlieferung von j dem Kampfe, der unter dem israelitischen König Ahab mit seiner phönizischen Gemahlin Jsebel zwischen dem von ihr beschützten kanaanäischen Baalsdienst und dem vom Propheten Eljahu feurig vertheidigien Kultus ' Gottes entbrannt war. Hätte die Verehrung Gottes- Lei den kanaanäischen Stämmen jemals existirt, so wäre, — wie Barth meint — sie nicht später so gänzlich der-' . 7 gessen worden und hätte nicht mit solcher Todesfeind- . schaft verfolgt werden können. Die gleiche scharfe :; Kritik übt der Gelehrte auch in Bezug auf den - Schöpfungsbericht, bei dem ebenfalls eine Abhängigkeit? . von der babylonischen Darstellung behauptet worden ' ist, ferner in Bezug auf die Sintfluth-Erzählung. Sicherlich — so sagt Prof. Barth am Schluß — haben ■ die kulturellen Leistungen Babylons auf vielen Gebieten, so in der Kunde der Astronomie, in der Baukunst,, im Rechts- und Verkehrs-, im Münz- und Maßwesen-. ' etc. großen Einfluß auf ganz Vorderasien gehabt.. . 7 :. Zwischen den Lehren des reinen, ethischen Monotheis- . mus und der grobsinnlichen Vielgötterei der Babylonier ~ aber gähnte für das israelitische Religionsbewußtsein . nothwendig eine abgrundtiefe Kluft, über die kein Steg ' hinüberführen konnte. V R. 7" Fulda, 20. Jan. Gestern sprach bei mir ein etwa 28—30 Jahre alter, kräftiger Jehudi, um irgend welche Arbeit bittend, vor. Dasselbe Ersuchen habe er : schon in verschiedenen ihm von mir genannten, hiesigen - Häusern, jedoch erfolglos gestellt. In Hersfeld habe er einige Tage Beschäftigung — wie auch ims gut lautende Zeugniß bewies — gehabt. Sein etwas scheüer Blick' und niedergedrücktes Wesen, welches einen inneren - Kummer nicht verbergen konnte, •; schwand ein wenig, als er meine Absicht, ihm Rath zu ertheilen, wo er viel-'. leicht doch Arbeit finde, merkte. Zagend stellte er mir nun die Frage: „Würden Sie das mir bewiesene Mitgefühl nicht bereuen, wenn ich Ihnen sage, daß ich erst vorige Woche von einer IVLlährlichen Zuchthausstrafe ' . aus Wehlheiden entlassen worden bin und mich, da . ich 7 unter Polizeiaufsicht stehe, hier bei dem mich iü so liebevoller Weise zur Arbeit ermahnenden Polizeikommissar , gemeldet habe?" Dabei konnte der anscheinend starke. Mann die Thränen nicht unterdrücken. Er fügte hinzu: < „Niemand arbeitet so gern, als ich, möge es sein, was.’• es wolle, da ich zum Betteln nicht geboren, aber" wo ich.. V so wie bei Ihnen die volle Wahrheit sage, verschließt ssch. mir bis jetzt fast jede Aussicht, und da ich außerdem ' euch keine Angehörige habe, an die ich mich jetzt wenden^ könnte, so bringt mich meine trostlose Lage fast der^ Verzweiflung nahe." - , - 7 Ich gab ihm den Rath, nach Frankfurt.a..M. zu^ , gehen und bei. dem dortigen Unterstützungsverein seine . Lage zu schildern, und würbe er auch Arbeit finden.7 Was ihn in's Zuchthaus gebracht hatte, habe ich nicht , fragen wollen. . 7: .’7.'',.757 Seit diesem Vorgänge ist mir der mehr als: jeder 7 / Arme zu bemitleidende Mensch, dem man es. ansah, daß;.. - er gerne wieder ein braver Mensch und Jehudi sein ■ möchte, ihm aber jetzt durch den Makel so schwer gemacht 7 . '