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Der Israelit · 1903-01-12 · Heft 3 (12.1.1903) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 3 (12.1.1903)
Date
1903-01-12
Page
– (sequence 17)
Language
German
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ST mm ‘ifür das lÄrthodoxe «MuderrthumÄ A tTO N>3^f» 12.Jatt.LW31 Mr. 3!viM4 Wer Rtt8e. Zeitgemälde von I. F. Krsszewski in autorisirter Uebertragung. Das war nicht italienische Musik. Es sang Jemand, der sich auf dem Fortepiano begleitete. Eine sanfte, jugendliche, sympathische Stimme, von guter Schule und Fertigkeit sang irgend eine große Sehnsuchtsarie irgend eines genialen Meisters. Der Italiener erkannte in ihr ein bezauberndes Lied von Mendelssohn. Er nahm den Hut ab; sein Antlitz strahlte; er staunte, ging ein Paar Schritte und winkte mit der Hand, daß man schweige. Die Melodie wurde immer erhabener und floß traurig ernst und sehnsuchtsvoll dahin, originell aber majestätisch in künstlerisches Gewand gekleidet. Im Vergleiche zu den leichten italienischen Liedchen. die ungezwungen hingeworfen werden mit kaum einem Flickchen von Harmonie, sah dieses Lied wie eine große Dame aus. Der Italiener, der noch nicht viel deutsche Musik, namentlich Gesang, gehört, suhlte sich von ihm so hingerissen, wie von irgend einer Offenbarung. Das geheimnißvolle dieses Gesanges, der aus einem Fenster von unbekannten Lippen herüberflog, der Zauber einer weiblichen und jugendlichen Stimme, und die sehnsuchtsvolle Melodie, verliehen ihm einen unbeschreiblichen Reiz. Hinter den Jalousien eines Hauses neben der Akademie der Medici, erschallte dies« Gesang, offenbar nur für die Sängerin! Die Lust aber war indiskret genug, ihn zu den Ohren der Spaziergänger herüberzutragen. „Wie reizend dies ist!" sagte der Däne. „Aber eine Art von Zukunftsmusik!" „Aber, bitte, schweigen Sie, mein Herr!" unterbrach ihn Lucia ärgerlich. „Das ist ja wundervoll!" In diesem Moment ging der Gesang langsam zu Ende, wurde immer leiser, bis er endlich verstummte. Einige Akkorde des Fortepiano klangen ihm nach, wie zum Abschiede am Grabe. Alle standen dicht zusammen, dem Haufe zugewandt, aus dem er erschallt war. Das Lied hatte sie so hingerissen, daß sie nicht bemerkten, wie Jakob im ersten Momente, als es zu ihnen herüberschallte, erbleichte, nachdem er die Stimme erkannt. Seitdem stand er, wie angewurzelt, die Hand auf die Brust haltend, verwirrt und fast erschreckt. Sein Antlitz veränderte sich bis zur Unkenntlichkeit durch irgend einen geheimen Schmerzt Zuerst bemerkte Jwas diese Veränderung und näherte sich daher dem Juden. „Was ist Ihnen?" fragte er. „Ich sehe. Sie sind so aufgeregt, daß unmöglich die Musik allein die Ursache sein kann!" Der Jude sah ihn zerstreut an, erwiederte nichts, und dankte nur für die Besorgtheit mit erzwungenem Lächeln.. l. 5

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