Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 3 (12.1.1903)
- Date
- 1903-01-12
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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59 Nachte auf den Gräbern der theüren Todten verbrachten; getrocknet die Lhränen, geheilt der Schmerz, der alles Daseins letzter Sinn ist. Eine neue Stadt wird auf. diesem ehrwürdigen Boden erstehen, frei und lickt, ein Emporium neuer Zeit, im Herzen den alten Fried hof wie eine stumme Erinnerung, die nicht mehr schmerzt, ein steinernes Memento an irdische Vergänglichkeit. Hans Liebstoeckl. Zeitungsnachrichten und Eorrespandeuze«. Deutschland. Aus der Qberpfatz. Der „Israelit", der nun schon seit mehr denn vier Dezennien seine für Synagoge und Schule, für Gemeinde und Familie heilsame und zweckfördernde Runde macht, und so manches edle Wirken, das sonst in bescheidener Stille der Oefsentlickkcit unbekannt geblieben wäre, unparteiisch weiten Kreisen mittheilt, möge auch Nachstehendes in seinen Spalten einer Aufnahme würdigen: In Neumarkt — seit 1- Januar 1903 eine unmittelbare Stadt geworden — ist bei den jüngsten Gemeindewahlen der Vorstand der Kuttusgemeinde, Herr Jfaac Wolf, mit großer Majorstät Zum Gemeindebevollmächtigten gewählt worden. Es ist dies nicht allein für ihn ehrend, sondern auch für die ganze Gemeinde, deren Mitglieder mit den übrigen Einwohnern in bestem Einvernehmen leben. Gleichzeitig erwähne ich, daß sich in der Forderung der Gemeindeinstitutionen in genannter Stadt eine sehr erfreuliche Regsamkeit kund gibt. Während dieselben vor einigen Jahren noch sehr im Argen lagen, hat der jetzige Distriktsrabbiner, Herr Dr. M. W e i n - b e r g •*: im Einverständniß mit genanntem Vorstand, Anordnungen getroffen, welche jeden religiös denkenden Jehudi intereffiren werden. Es wurde die Sckechita in zuverlässige Hände gegeben, die Mikwe wieder hergerichtet, und in gottesdienstlicher Beziehung viele Institutionen getroffen, die früher in hiesiger Gemeinde nicht gepflogen worden sind. Durch all diese Verbesserungen ist die Gemeinde sehr belastet worden. Doch gereicht es ihr nur zur Ehre, daß sie nicht, wie so viele andere Gemeinden, in religiösen Dingen eine falsche Sparsamkeit walten läßt. Neumarkt konnte in dieser Beziehung vielen anderen Gemeinden vorbildlich sein. Da nach dem Spruch: Rabbiner. Vorsteher und Judenthum in einer unzertrennlichen Wechselwirkung zu einander stehen, und erstere auf das Gedeihen wie auf den Verfall des letzteren von entscheidendem Einflüsse sind, so kann man zuversichtlich die Hoffnung hegen, daß die Gemeinde auf dem betretenen Wege weiter schreiten wird. Königsberg, 6. Jan. Die Religionsschule der „Adaß Jisroel" veranstaltete am 28. v. Mts. eine Chanukahfeier. Um 4 Uhr wurde die Feier durch Gebet eingeleitet, und nachdem Herr Dr. Silberberg, der Leiter der Schule, in der Festrede auf Zweck und Bedeutung der Feier hingewiesen, die anwesenden zahlreichen Gäste begrüßt und den Damen und Herren für die Mühewaltung für das Zustandekommen des Festes gedankt hatte, begann die eigentliche Feier in der Vorführung von Theaterstücken, lebender Bilder, in Deklamationen und Gesangsvörträgen, an denen alle Zuhörer und namentlich die Kleinen, ihre hellste Freude hatten. In bester Stimmung wurde das Fest gefeiert. Züm Schlüsse fand noch eine Berloosung statt, «und erst in später Abendstunde endete die schöne Feier. Saucrschwabcnhcin, (b. Mainz), 1. Jan. Tiefe Trailer ist in die weitesten Kreise der hiesigen Gegend eingezogen. Frau Sophie S a u e r b a ch geb. Keller ist nach kurzem Krankenlager, im Alter von 69 Jahren, verblichen. Mit ihr ist eine der edelsten Frauen, ein Biederweib in des Wortes wahrster Bedeutung, dahingeganaen. Das Leichenbegängniß, an dem sich auch zahlreiche Christen betheiligen, legte beredtes Zeugniß ab von der Liebe uild Verehrung, welche die Verblichene weit und breit genoß. In tiefergreifender, treffender Weise schilderte im Traucrhause Herr Rabbiner Dr. Neuwirth -Bingen den schweren Verlust, den ganz Israel beklagen müsse; denn eine Frau, geschmückt mit den vornehmsten Tugenden, das Musterbild eines, echtjüdischen Weibes, ist aus unserer Mitte geschieden. „Gefallen ist die Krone von unserem Haupt!" Was.die Selige gewesen, ihre tiefinnige Frömmigkeit, ihre Herzensgüte und ihre edle Bescheidenheit, läßt sich kaum in Worten ausdrücken. Es ist schwer zu sagen, ob ihre seltene, aufopferungsvolle Mutterliebe von ihrem innigen Wohlthätigkeitssinn, oder dieser von ihrer großen Gottergebenheit und Demuth iibertroffen wurde. Es ist bekannt, daß ihr Haus allezeit eine gastliche Raststätte bot jenen armen Juden, welche oft in größeren Schaaren durch die hiesige Gegend zogen. Es war rührend zu sehen, mit welcher Liebe und Bereitwilligkeit sie diesen — selbst am frühesten Morgen, oder zu später Nachtstunde — Speise und Trank zubereitete und ihnen noch ein Geldgeschenk auf den Weg mitgab. Dabei bildete ein schlichter, bescheidener, geradezu demuthsvoller Sinn den Grundzug ihres edlen Charakters. Ueber ihre Lippen kam nie ein böses Wort, irgend ein kränkender Ausdruck gegen Jemand; sie vermied es in gewissenhafter Weise, üher abwesende Personen zu sprechen oder Unterhaltungen zu führen. Darum erfreute sich ja auch die Verblichene allenthalben der größten Verehrung und Hochachtung.' Möge der Allgütige die trauernden Hinterbliebe-