Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 2 (8.1.1903)
- Date
- 1903-01-08
- Page
- – (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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ev ♦ " Zeitgemälde von I. I. Krsszewski in autorisirter Uebertraguna. m ’ . . . ' „Der Galizier im Allgemeinen/ sagte Jwas, „pflegt Graf zu sein. Fast alle Reisenden gehören zu dieser Gattung. Sie pflegen auch reich zu sein, aber seit dem Jahre 1848 meist nur scheinbar. Ich halte ihn nicht für gefährlich, es sei denn, daß seine Eigenliebe aufgestachelt würde!" „Ah! Sieh da! Da kommt Sie!" schrie der Dänen-Franzos, indem er nach der Straße sah und die heut noch schönere Brünette bemerkte. „Aber was sehe ich?" fügte er hinzu. „Sie allein mit dem Russen! Ein böses Zeichen! Der Galizier also war nur ein Zufall! Die Beiden allein, bee L bee! Die Sache wird komplizirter! Wo. Zwei sind, können auch Drei sein. Aber wo nur Einer ist, pflegt es einem Zweiten schwerer zu werden, sich anzuhäkeln." Alle lächelten sich zu. „Stark ist er in der Theorie der Kunst!" sagte mit Kopfschütteln der Zigeuner. Rur einen Augenblick währte das Schweigen. Die bezaubernde Lucia Colomi näherte sich. Sie war in der That hundertmal schöner, als gestern. Sie hatte Zeit, sich zu erfrischen, zu verjüngen, zu verschönern. Ihre Augen schwammen in ungeweinten Thränen und ein Lächeln irrte auf ihren Lippen. Der Russe Aritt ihr nach, etwas betrübt, wohl. weil sie so fröhlich war. Die ergänzende Farbe liegt in der Natur der Sache. . Die Italienerin trat direkt aus Jwas zu, bot ihm das kleine Händchen. - mit den noch kleineren,' hellen Glacehandschuhen und fragte ihn voll Theilnahme: ..Va bene?4* „Ich danke," erwiederte Jwas. „Keine Spur mehr ist da von meiner gestrigen Krankheit! Die Narbe auf der Stirne ist mir nur ein liebes Andenken Ihrer Güte gegen mich!" „O. o!" Die Italienerin zuckte mit den Achseln. „Schmeichler!" Der Russe grüßte mit übertriebener Höflichkeit nach allen Seiten hin, sichtlich bemüht, zu beweisen, daß er kein Bär sei. „Aber es sind nicht Alle hier!" „Ja, Einer fehlt uns," sagte Jakob, „welcher auch nicht mehr kommen wird — ,der Deutsche. Er fand eine Gelegenheit nach Pisa, bei der er etwas ersparte, und als Zugabe noch einen Geheimen-Rath von Soundso. Deßhalb war er gezwungen, uns zu verlassen. Man reist nicht alle Tage mit Geheimen Rathen, denen das „von" für ihre Verdienste frisch verliehen wurde. Aber auch Sie, gnädige Frau," warf Jakob leicht hin» „verloren irgendwo den Einen Ihrer Begleiter?" „Ah! Das ist wahr!" entgegnete Lucia. „Jl Conte!" „Errieth ich's doch!" sprach Jwas leise. „Jl Conte — Mir scheint, er sollte Mittags aufbrechen nach Spezia!" „Gestern erwähnte er aber gegen uns nichts von dieser Absicht!" Der Russe drehte sich um und schaute auf das Meer, welches von da nur wenig zu sehen war. Die Italienerin lächelte eigenthümlich und verbarg die Lippen hinter dem Fächer, damit ihr Lächeln nicht auffalle. „Ich weiß wirklich nicht . .#. Ich weiß es nicht, was aus ihm wurde. Er wollte abreisen. Ich wäre bereit, ihn zu verdächtigen — wenn ich die Wahrheit sagen soll, daß er sich ein wenig vor seinen Landsleuten erschreckte. Denn gestern beklagte er sich schmerzlich über dies zufällige Zusammentreffen. Vielleicht sagen es mir die Herren," fügte sie hinzu. „Was ist dies für ein Land, dieses Galizien? Der junge Mann wiederholte stets, er sei kein Pole, auch kein Oesterreicher, sondern Galizier." Jwas und Jakob lächelten sich zu, ohne etwas zu erwiedern. „Er macht uns durchaus nicht zu Waisenknaben," sagte Jwas nach einer Pause. „Trauer werden wir um ihn nicht anlegen!": „Aber ich bedauere ihn," sprach Lucia. „Man könnte leicht aus ihm einen ganz erträglichen Menschen machen. Nur steckt er noch wie eine Wallnuß in zu junger, bitterer Schale." „Signora." unterbrach sie Jakob, «diese Schale beschmutzt die Hände. Mag ihn sich jemand anders herausschälen." Alle begannen zu lachen. Der Russe summte vor sich hin. „Aqua Sola! Wie reizend dies klingt!" rief die Italienerin, indem sie die Uebrigen nach dem Hauptwege führte. „Und wie klein und bescheiden, und. sagen wir die Wahrheit, wie langweilig es ist!" Ein Paar Bäume, ein wenig Wasser, großes Gedränge, Staub — und vom Meere sieht man kaum ein Eckchen. Povera Genova!"