Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 2 (8.1.1903)
- Date
- 1903-01-08
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Jahre genöthigt, mit der innigen Bitte zu schließen, daß die vielen Freunde der Anstalt treu bleiben, und den Kreis der Gönner durch Anwerbung neuer Freunde vergrößern möchten. Denn die Anforderungen, die an die Anstalt gestellt werden, sind fortdauernd sehr große. Viele Vater von Söhnen, die die Neigung und die Fähigkeit in sich fühlen, sich dem Lehrerberufe zu widmen, wenden sich an die Verwaltung, durch ihre Vermögenslage gezwungen, mft der Bitte um Gewährung von ganzen oder theilweisen Freiplätzen. Aus der Grabfelder Schulstifiung können diese Wünsche nur theilweise erfüllt werden. Es ist deßhalb wunschenswerth, daß die Beiträge so reichlich fließen, daß die Unterstützungen solcher Schüler möglichst hoch bemessen werden können. Außerdem muß aber der Pensionsfonds, der jetzt 8000 Mk. beträgt, noch eine sehr wesentliche Erhöhung erfahren, um lebenskräftig zu werden. Das Gesamultvermögen beträgt 80,000 Mk. Die Schule wurde im Berichtsjahre von 51 Schülern besucht. Dessau, 5. Jan. Die Baronin Julie v. Cohn- Oppenheim, deren in Berlin erfolgter Tod gemeldet wlrd, war die Tochter des Barons v. Cohn-Dessau, des bekannten Hofbankiers des Kaisers Wilhelm 1., der ,m April 1900 in hohem Alter gestorben ist. Sie wollte in einigen Tagen ihr neuerbautes Palais in Dessau beziehen, wurde aber plötzlich von einer schweren Lungenentzündung befallen, der sie erlegen ist. Die Verstorbene hat sich durch große Aufwendungen für philantroyische Bestrebungen und für rege Förderung der Kunst einen guten Namen gemacht; ihr Dessauer Palais hat sie dem Staate Anhalt zu einem Landesmuseum vermacht. — Der Kaiser hat durch seinen Flügeladjutanten, Korvetten-Kapitän v. Grumme, ein Blumenarrangement überreichen lassen. (Vergl. auch Hauptblatt d. heut. Nummer.) Dettelbach, 31. Dez. Am Chanukahfeste wurde durch Herrn Kultusvorstand Moritz Wiesengrund in hiesiger Gemeinde eine Kollekte veranstaltet für die unter Verwaltung des Herrn Dr. P. Münz-Nürnberg stehende Kinderheilstätte in Kiffingen. Die Sammlung hatte das erfreuliche Resultat, daß 120 Mk. an den Rendanten des Unternehmens, Herrn Bankier Ottensoßer-NLrnberg, abgeführt werden konnten. Dicdcnbofcn. lieber Glauben und Sittenlehre der Juden sprach dieser Tage im „Verein für jüdische Geschichte" Herr Professor Dr. Cohn aus Marburg. Der Stadthaussaal war dicht besetzt und die Zuhörer waren gewiß im Laufe des Abends erbaut von dem in wissenschaftlich wie rein menschlicher Beziehung interessanten Vortrage. In einem tiefdurchdachten, oft von Begeisterung gehobenen Vortrage, in dem sich der Philosoph, Wellweise, Religionslehrer, und der Kenner der Schwachen und Starken seiner Glaubensgenossen die Hand reichten, erging sich der Redner über das Thema: das Sittcnleben des jüdischen Volkes ist seine Glaubenslehre, und seine Glaubenslehre ist zugleich seine Sittenlehre. Hierin herrscht kein Zwiespalt, kein Unterschied. Die jüdische Religion hat den Werth einer Weltanschauung, denn die Ideen von der sittlichen Welt bilden den Grundbegriff des Judenthums als Wettrcligion. Er ging ein auf die traurige Lage des Judenthums in unserem Vaterlande, auf die Anfechtungen, den Haß, der gegen die Juden entwickelt wurde, und daß der Fortbestand der jüdischen Religion nicht als Religion selbst, sondern als der einer Rasse betrachtet werde. Unsere Haltung dient jedoch dem Weltbesten, daß dies nicht vergessen wird, muß dafür das geschichtliche Verständniß erzogen werden. In leidenschaftlicher Selbstenklage betont er. allerdings hervorhebend, daß auch andere Religionen unter denselben Erscheinungen litten, die religiöse Indifferenz und das Verlorengehen der tiefen Anschauung, den Muth, seine Religion nicht zu verleugnen, sobald Nation und Staat die Kraft des Juden für sich beanspruchten. Pflicht jedes Juden, bei welchen fast gar keine Analphabeten vorhanden sind, ist es, Klarheit zu verbreiten über die Weltanschauung des Judenthums, und die lebenswahre und lebenskräftige Weltanschauung unserer Sittenlehre. Mit einer Aufforderung, die sittlichen und geistigen Forderungen des Judenthums, welche keinen Verstoß gegen unser deutsches Volk bilden, hoch zu halten, und die das Wort Treue ebenso ihr Eigen nennten, wie das deutsche Volk, schließt der Vortrag. Nach einem weiteren Dank des Oberrabbiners Dr. Netter löste sich die Versammlung auf. Herr Religion sichrer K o h n aus Diedenhofen hielt kürzlich in demselben Verein auch einen interessanten Vortrag. Hannover, 4. Jan. Unter Leitung des Landrabbiners Dr. Grone mann und Förderung angesehener vermögender Mitglieder der hiesigen Synogogen-Gemeinde hat sich Hierselbst ein Verein ehemaliger Religionsschülerinnen der genannten Gemeinde gebildet, dessen Hauptziel die Fürsorge für hilfsbedürftige und unbeaufsichtigte jüdische Kinder ist. Namentlich die jungen Damen der Gemeinde nahmen sich der Kleinen in liebevoller, werkthätiger Weise an und stiften dadurch viel Gutes. Der Verein veranstaltete nun im Konzerthause ein Kinderfest, das ganz reizend verlief. Es begann mit dem mehrstimmigen Gesang eines Kinderchores, worauf Landrabbiner Dr. Gronemann die soziale Liebesarbeit des Vereins schilderte, und an die erwachsenen Gemeindemitglieder den warmen Appell richtete, noch mehr als bisher die edlen Bestrebungen des Vereins zu unterstützen. Nachdem noch einige passende Gedichte deklamirt worden, führten die Damen ihre Schutzbefohlenen in den oberen Saal, wo die Kleinen mit Kaffee und Kuchen bewirthet wurden. Lieder und Spiele, letztere von einer Vereinsdame vortrefflich arrangirt, bildeten den Schluß des Kinderfestes. Kaiserslautern. 7. Jan. Hierselbst hat bekanntlich das Rabbinat Einspruch erhoben gegen die Anbringung eines Kreuzes auf der Leichenhalle^ Dieser