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Der Israelit · 1903-01-05 · Heft 1 (5.1.1903) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 1 (5.1.1903)
Date
1903-01-05
Page
– (sequence 17)
Language
German
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mm öa&Q% Mrthsdoxe MuderrthumM "•rT 1 --- 3|~C^M OSE Sv^l| zi^jS 5. Jan. 1903.] <2^ Wer Äuoe. Zeitgemälde von I. I. Kxsszkwski in arUorisirter Uebertragnng. Abraham hörte ihn an, erwiederte gar nichts, war aber sehr betrübt. Die Andern sagten mit großer Freude zu Allem: „Ja!" Mir schien, als ob mein Verwandter seine Beweisführung auf das Ansehen irgend eines bedeutenden Namens stützte. Die älteren Juden, da ihnen an der strengen Befolgung ihrer Gebräuche lag, welche durch beständigen Verkehr mit Christen erschwert wurde, schwiegen still. Dieser Besuch unseres Magnaten bei meiner Mutter machte Epoche im Städtchen, trug eine neue Idee hinein und rief eine Bewegung wach, welcher nur die Fanatischeren und Furchtsameren entgegen traten, während der Rest an ihr großen Gefallen fand. Ein Jahr noch bereitete ich mich im Hause vor, ehe ich auf Schulen zog. Das war ein über die Maßen staunenerregendes, vielbesprochenes Ereigniß, daß ein Jude, vielleicht der erste, seit die Schule bestand, auf einer Bank mit christlichen Studenten saß. Im Voraus war ich schon gut vorbereitet auf dasjenige, was mich dort erwartete. Aber ich muß gestehen, daß. was ich dort fand, all' meine Furcht und Erwartung überschritt. Die Studenten waren meist Söhne des kleinen Adels, kleiner Besitzer oder niederer Beamten und ziemlich einfach erzogen. Nichts aber ist oft. roher, als kindlicher Instinkt. Es war dies ein wahres, oft unaufhörliches Martyrium. Als Jude erbat ich mir kaum den letzten Platz auf einer abgesonderten Bank. Von Prügeln mußte ich mich loskaufen und schweigen zu al? den Schimpfreden, mit denen man mich überschüttete. Unaufhörliche Anspielungen und Spottlieder auf Schweinefleisch und andere uns unangenehme Dinge trafen mich oft sogar vom Munde der Lehrer! Was soll ich erst von den Mitschülern sagen. Mich schützten nur Demuth und Schweigen. Die ersten Tage zumal waren schreckliche. Später gewöhnte ich mich so viel an die Anderen, als auch sie sich an mich, so daß ich dann auf meiner' abgesonderten Bank fast vergessen und in Ruhe gelassen wurde. Aber im Unterrichte selbst, wie viel Schwierigkeiten gab es da für mich zu überwinden. Ich betrat da urplötzlich einen ganz neuen und verschiedenen Standpunkt, und begegneten einer neuen, wunderbaren Anschauung, die mit der von mir bisher für die einzig wahre ' gehaltenen im Widerspruch stand. Alles, was ich.so mühsam erworben, wurde umgestoßen und stürzte zusammen. Ich fühlte mich innerlich empört und beunruhigt, im Kopfe wie verdreht. Der erste __ Unterricht rang mit dem zweiten und konnte sich nicht mit ihm einigen. Ich beschloß jedoch auszuhärren, zu lernen und zu warten, bis die Kraft der Wissenschaft und der Wahrheit meinen Geist zur Klarheit führen würden." Als er diese Worte gesprochen, bemerkte Jakob, daß es schon etwas spät geworden war. Erst jetzt erinnerte er sich, daß sie Abends auf Aqua Sola sich einfinden sollten und unterbrach daher die Erzählung. „Ich fühle," sprach er, „wie langweilig und lästig ich werde. Verzeihen Sie, mein williger Zuhörers AVer wahrlich! anders, als in dieser Art, verstehe ich nicht zu

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