Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 1 (5.1.1903)
- Date
- 1903-01-05
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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44. Jahrgang. . " r" ‘ ' JS2 1. Kenirat-Hrgan für das ovifyoboxe ZudenLHuW - - ' / Begründet von ' - J Dr. UrHrnsn« in Msirrz. Montag, den 6. Thebet 5663 5. Januar ISO». R ü ck b lick.; > Mainz, 4. Januar. Der Umstand, daß der „Js r a e l i 1", außer den idealen Anliegen des Judenthums, auch den materiellen Interessen der Judenheit dient, rechtfertigt es, daß er seit seinem Bestehen, auch in dem Wechsel des bürgerlichen Jahres ein Moment erblickt, das zum orientirend'en Rückblick auf die dahingegangene^ Jahresspanne ladet. Das Charakteristische des soeben abgelaufenen Jahres war eine große, natürliche, neben einer ebenso großen, geistigen Katastrophe. Die Folge von Beiden ist eine starke Zunahme des Pessimismus und der oberflächlichen Genußsucht. Der plötzliche Untergang der Stadt St. Pierre auf der Insel Martinique, welcher über eine sorglose Bevölkerung hereinbrach, erweckte anfänglich in vielen Gemllthern ein Gefühl von Unsicherheit. Man wurde aus den gewohnten Tagesgedanken herausgerissen und in eine ganz andere Gedankenwelt versetzt, die nichts Erfreuliches hat. Zwar versicherten die Naturkundigen immer noch, wie bisher, die Erde werde wahrscheinlich nicht durch eine Eruption, sondern eher durch ein allmäliges Erkalten und Verschwinden des Wassers zu Grunde gehen, und zwar erst in Millionen von Jahren. Aber das Ereigniß auf der lieblichen Insel, auf welcher Paul und Virginie gelebt hatten, zeigte doch mit Flammenschrift, daß die erstere Möglichkeit auch, und zwar viel früher eintreten. könne. Die Worte des deutschen Dichterfürsten: Me, wenn auf einmal in die Kreise Der Freude mit Gigantenschritt, Geheimnißvoll, nach Geisterweise, Ein ungeheures Schicksal tritt, gewinnen dadurch eine Illustration, wie sie in unserer nur noch Illustriertes liebenden Zeit nicht augenfälliger ' sein konnte. •- Es ist vielleicht viel zu wenig nach Gebühr gewürdigt wörden, daß seit jenem Tag nicht ein einzi- \ ger Monat vergangen ist, in welchem derartige Katastrophen sich nicht an allen Punkten der Erde wiederholt haben. Begonnen haben sie mit Schemache, und die jüngste ist die von Andischan. Eine solche Katastrophe kann sich überall ereignen, wo Erdspalten sich finden, welche in das tiefe Innere der Erde führen. Pie erneute Gewißheit, daß wir wirklich „auf einem Vulkan, einer großen Masse" slüffigett-Feuers-tanzen-" - die durch eine verhältnißmäßig dünne und leicht berstende Erdrinde von uns geschieden und stets bereit ist, unsere, ganze Kultur unrettbar zu verschlingen, oder dem ursprünglichen Chaos zu überliefern, hat nichts Beruhigendes. Um so'weniger, als dagegen alle Fortschritte der Technik oder Naturwissenschaft 'wenig bedeuten. Auch sind keine Vorsorgen hygienischer Natur, wie etwa gegen Cholera und Pest denkbar, sondern der moderne Mensch steht mit allen seinen sogenannten „Errungenschaften" solcher Naturereignisse so völlig hilf-' los gegenüber, wie der armselige Wilde. Das Resultat solcher Betrachtungen ist bei den Einen eine Vermehrung des Leichtsinns und der Genußsucht: „Lasset uns essen und trinken, denn morgen' können wir sterben." (Jesaja.) Bei den Andern führt, es in ein Versinken und Grübeln über einen möglicherweise herannahenden allgemeinen Weltuntergang, wie es schon mehrfach in der Geschichte fast epidemisch aufgetreten ist. Es wird sich für uns darum handeln, den Mittelweg einer kräftigen Weltanschauung zu finden, die weder zum Materialismus, noch zum Aberglauben neigt. - - - - Einen solchen Weg zeigt uns unser heil. Schriftthum, das über Erdbeben, und ihre höheren Ursachen' nicht hoch genug zu schätzende Winke enthält. Wirwollen aus der Fülle der einschlägigen Belege nur einige