Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 103-104 (30.12.1902)
- Date
- 1902-12-30
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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43. Jahrgang. Literarische Am schau. Hamadrick. Auswahl talmudischer Stellen für den ersten Unterricht im Talmud. Von Abraham Singer, Vezirksrabbiner in Var-Palota (Ung.) - und Wilhelm Singer. Erster Band. Zweite verbesserte und vermehrte Auflage. Preßburg 1902. Wenn ein Werk die zweite Auflage erlebt, so wird dieser Umstand im Allgemeinen als Zeichen seiner Brauchbarkeit und Nützlichkeit angesehen werden können. Gilt das schon von jedem Werk, wieviel mehr erst von einer Arbeit auf dem Gebiete der jüdischen Litteratur, wenn sie noch dazu eine talmudische, für den Jugendunterricht bestimmte' ist. Von einem Vedürfniß in dem Sinne, wie es in anderen Wissensgebieten bemerkbar wird, kann leider in Bezug auf talmudische Jugendlitteratur kaum gesprochen werden. Wird doch Talmudunterricht in den meisten jüdischen Religionsschulen Deutschlands. überhaupt nicht ertheilt. Ein talmudisches Schulbuch muß erst das Interesse für Talmudstudium wachrufen, ehe es ein Absatzgebiet finden wird. Die eingangs genannte talmudische Chrestomathie, deren erste Auflage größtenteils in Deutschland abgesetzt wurde, und die nun in zweiter Auflage erscheint, hat demnach nicht nur eine Lücke in der jüdischen Jugendlitteratur ausgefüllt, sondern sie hat auch das große Verdienst, ein Vedürfniß geweckt zu haben, das den ersten Schritt auf dem Wege zur tieferen Erfassung und zum richtigeren Verständniß der heiligen Lehren des Judenthums darstellt. Die Bedeutung des in Rede stehenden Werkes ist von dem Recensenten der ersten Auflage in höchst treffender Weise geschildert worden. Aus jener im „Israelit" 1881 Nr. 47 er-' schienenen Rezension seien darum hier folgende sehr bezeichnenden Sätze hervorgehoben: . „Wer ein tieferes Verständniß für das jüdische Erziehungswesen besitzt, ist von der Ueberzeugung durchdrungen, daß von dem Religionsunterricht nur dann ein ersprießlicher Erfolg zu erhoffen sei, wenn auch das talmudische Schriftthum, wenigstens in seinen leichteren Vartieen in den Lehrplan hineingezogen wird. Denn gerade der Talmud enthält jene Momente, die geeignet sind, den jugendlichen Geist mit all' seinen erwachenden Kräften anzuregen, sein Denken und Fühlen in die religiöse Sphäre hineinzuziehen, und so durch Erweckung des religiösen Sinnes eine wahrhaft. jüdische Weltanschauung zu begründen. ‘ Während aber der Unterricht in allen anderen Schulgegenständen in methodischer, planmäßig forti schreitender Weise ertheilt wird, mangelt es hier bei der j Unterweisung in dem Talmud an allen Lehrmitteln, die einen systematischen Unterricht ermöglichen—- ein Uebelstand, der in einer Zeit, wie der jetzigen, wo für den Religionsunterricht eine verhältnißmäßig'geringe Stundenzahl zugemessen ist, und bei einer Disziplin, zu deren Erfassung eine liebevolle Hingebung,, ein tieferes Eindringen erforderlich ist, um so schwerer empfunden werden muß..... Soll also das talniudische Schriftthum der Jugend zugänglich und für ihre religiöse Erziehung fruchtbar gemacht werden, so müßten . aus dem reichen Materiale des Talmud jene Partieen ausgezogen und nach pädagogischen Prinzipien'zusammengestellt werden, die nach Form und Inhalt dem Geiste der Jugend angemessen und zur Belebung des religiösen Bewußtseins besonders geeignet, sind. Ein Werk, welches diese Aufgabe in glücklicher Weise lost, begrüßen wir in der an der Spitze genannten, Schrift. Die Verfasser haben mit einem Sachverständniß, Vas eine vollkommenere Beherrschung des reichen Stoffes voraussetzt, und mit vielem Geschmacke aus dem weitsichtigen Gebiete des Talmud die geeigneten Mischnah's und die darauf bezüglichen halachischen und hagadischen Gemarastellen ausgewählt und in übersichtlicher, vom Leichteren zum Schwierigen methodisch fortschreitender Weise geordnet. . . . Durch den Gebrauch des Buches wird der Geist des Knaben, der in das Talmüdstudium eingeführt werden soll, in einer seinen Kräften entsprechenden Weise angeregt u. ein bedeutendes Material von wichtigen und inhaltsreichen Halachas und Agadas ihm zugeführt. Dieses Buch ist darum für den Jugendunterricht vorzüglich geeignet und kann überdies auch denjenigen warm empfohlen werden,, die, ohne durch gründliche Forschung in den tiefen Schacht des Talmud eindringen zu können, doch aus seinem reichen Stoffe die Kenntniß mancher wichtigen Materien sich aneignen und Verständniß für den unsterblichen Geist desselben gewinnen wollen." ' 4 nxjp cnrc“ rvrwup. Rabbiner Dr. Pinkus Neustadt, Ritter des königlichen Kronenordens. Erinnerungs-Blätter, seinem Andenken gewidmet,, von seinem Sohne Dr. Louis N e u st a d t. Breslau. 1902. 72 S. Gr. 8 V;. i”..;-/' Den Inhalt der Schrift bilden: 1) Aus den letzten Tagen: Ein OOjähriges Lehrer-Jubiläum (Biographie, Schriften, Feier), Nekrolog, an der Bahre, Grabreden von Dr. L. Neustadt, und. Dr. F. Rosenthal, die Gedächinißfeier in der „Synagoge für den Jugendgottesdienst", Gedächtnißreden von I. Neustadt und Dr. Krakauer, eine Gedächtnißfeier in Schweden. —2) Aus den Jugendtagen: Drei Predigten aus Mecklenburg -