Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 101-102 (23.12.1902)
- Date
- 1902-12-23
- Page
- – (sequence 36)
- Language
- German
- Belongs to
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Wissenschaft. Wir haben Geld, welches Alles erleichtert, und Einigkeit und Zusammenhalt, durch die allein nur sich große Dinge erreichen laffen! Warum sollen wir auf dem Dorfe faulenzen und uns nicht bemühen, auf dem Le.uchter zu stehen? Blickt auf die Juden in anderen Ländern: Ihr findet sie auf den Akademieen, im Englischen Parlamente, in Amt und Würden in Frankreich und Deutschland oder durch Wissenschaft, Einfluß Geld im Besitze derjenigen Bürgerrechte, die man ihnen hie und da noch versagt. Ebenso müssen auch wir es machen, immer höher steigen, .überall jetn, die Jugend vorbereiten, sie in die Welt schicken, auf allen Wegen verbreiten, und mit einem Netze mit unseren Händen und unserem Geiste alle Länder umspannen. Denn nicht umsonst sind wir ein auserwähltes, durch ein Martyrium von zwei Jahrtausenden abgehärtetes Volk." (Fortsetzung folgt.) Unter Wolken schwer und düster war verschwunden Juda's Stern. — Ob er wohl noch einmal leuchtet dem erwählten Volk des Herrn? — Ob statt Irrlicht gift'gen Sumpfes, ' kämpfender Parteien Wuth Einmal diesem Volk noch strahlet' der Vegeist'rung reine Gluth? Ob es einmal noch besieget seiner Feinde Uebermacht? Ob ihm unter langem Drucke einmal noch der Muth erwacht? Bergehoch stieg ja der Jammer, innen Hader, außen Spott! Sieh' herab auf Deine Kinder! Sende Hülfe, mächt'ger Gott! Gieb' es um der Väter Willen, die nach Deinem Wort gelebt, Daß das liebste Kind des Glaubens,. daß ein Wunder niederschwebt! Und es höret hinter Wolken ' gnädig Gott des Volkes Fleh'n Und der frommen Ahnen willen . läßt ein Wunder er gescheh'n. In des Hohepriesters Seele weckt er heil'ge Leidenschaft Und das Volk ergreift die Waffen, schwingt sie mit der alten Kraft. Antiochus Heere weichen, Juda's dringen siegend vor - Und im Herzen frommen Jubel steh'n sie vor des Tempels Thor. Und sie reinigen ihn wieder, den entweiht der Syrer Schaar, Und sie bringen'Dankesopfer ..... vor dem heiligen Altar. r . Jetzt, die Lichter anzuzünden, reichen sie herab den Krug, Doch erschrocken sagt der Diener: „Sieh' das Oel ist nicht genug!" Aber neu. gestärkt im Glauben spricht der Priester voll Vertrau'»: ' „Gieße ohne jede Furcht nur. und ein Wunder wirst Du schau'n! Sieh'st Du, daß das Kriiglein reichet! Wie's die Dämmerung durchbricht! '""Noch nach tausend, tausend Jahren; denkt Israel an dieses Licht. War es nicht das größ're Wunder, daß in tiefster Unglücksnacht Gott durch dieses Häuflein's Siege unfern Muth hat angefacht?! Noch nach tausend, tausend Jahren Im verdüstertsten Gemüth, In Erinn'rung dieser Tage Glaub' und Hoffnung neu erblüht!" Was des Priesters Mund gesprochen, war ein wahr prophetisch Wort; Heute klingt noch die Erzählung von des Oelkrugs Wunder fort. Und nach taufend, tausend Jahren,. noch aus jedem Judenhaus, In Erinn'rung jener Tage glänzet helles Licht hinaus. ' In Erinn'rung jener Tage ' . blickt trotz herbstem Seelenschmerz. Wieder doch ein Wunder hoffend noch der Gläub'ge himmelwärts. . Medgyes. ' Fanny Bäumel.