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Der Israelit · 1902-12-23 · Heft 101-102 (23.12.1902) · page 25

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 101-102 (23.12.1902)
Date
1902-12-23
Page
– (sequence 25)
Language
German
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Ccittral-Orgail für das orthodoxe Judcnthum. hie israel. 23. D,,. 1902.] [91t-. 22. ru mm Die schwierigste Aufgabe der Familie ist die Erziehung der Kinder. Um dieser Ausgabe gerecht zu werden, bedarf es der größten Energie und Umsicht der Erzieher; denn es gilt, den schlimmsten Feind des Menschen, den bösen Trieb, seine Leidenschaften, zu bekämpfen. Eine gute, sittlich-religiöse Erziehung ist daher für das Kind das kostbarste Gut, das ihm seine Ellern überreichen können. Leider sind aber viele Eltern in Bezug auf religiöse Erziehung ihrer Kinder leichtfertig' Sie vernachlässigen dieselben oft in dem einfachen Glauben, der Schule wurde hauptsächlich die Lösung dieser Aufgabe zufallen, und ihre Pflicht wäre es ganz besonders, recht viele irdische Güter für ihre Kinder aufzuhäufen. Wie thöricht sind solche Eltern! Die irdischen Güter sind vergänglich und lassen sich auch durch das Kind sammeln, wenn es dazu befähigt worden ist, aber ohne eine gute Erziehung ist es verwahrlost für alle Zeiten. Andere Eltern haben wohl die Absicht, ihren Kindern eine gute Erziehung zu geben, aber sie sind so machtlos dem Kinderwillen gegenüber, daß sie zur Erzwingung des Gehorsams als drohendes Gespenst den Lehrer herbeizitiren müssen. Wahrlich, solche Eltern sind zu bedauern. Sie geben sich nicht nur selbst eine Blöße, denn nach Gott müssen die Eltern dem Kinde die höchste Autorität sein, sondern sie verleiden auch dem Kinde Lust und Liebe zur Schule, indem sie ihm.solche zur Stätte der Furcht machen, und den Lehrer als Tyrannen dahinstellen. Diese Eltern befinden sich eben in einem großen Jrrthum, nicht die Schule ist die eigentliche Erziehungsanstalt. ' sondern das Elternhaus. Dort ist die Pflanzstätte für gute Sitten, für ein edles Gemüth. Wenn dort nicht der Grundstein zu inniger Religiosität, zu wahrer Gottesfurcht gelegt wird, dann sind alle Mahnungen und Lehren der Schule erfolglos. Die Erfahrung gibt uns das beste Zeugniß für die Wahrheit dieser Behauptung. Es wird noch selten einem Lehrer gelungen sein, Kinder irrreligiöser Eltern zu wahrhaft frommen Juden heranzubilden; hat .dieser etwas Einfluß auf solche Kinder während der Schulzeit erlangt, so ging derselbe nach Entlassung derselben aus der Schule bald vollständig verloren. Ich könnte da manches Beispiel aus meiner eignen Praxis anführen.. Die Schule ist einfach nur Hilfsanstalt der Familie, sie kann diese nur durch Lehren und Beispiele unterstützen. Aber die Erziehungsaufgabe selbst zu lösen, dazu ist sie nicht im Stande, dazu fehlen ihr die Mittel, das ist während des 6—6stündigen täglichen Aufenthaltes der Kinder in der Schule überhaupt unmöglich zu leisten. Sie hat ja nicht einmal die nöthige Macht hierzu. Durch Ministerialverfügung einzelner Staaten, wie in Preußen, ist es ihr sogar untersagt, strafrechtlich gegen einzelne Bergehungen der Kinder vorzugehen, wenn solche im Beisein der Eltern geschehen oder solche den religiösen Grundsätzen der Eltern nicht widersprechen. Sogar die heilige Schrift erklärt die Eltern für die eigentlichen Erzieher der Kinder, indem sie die Eltern und nicht die Lehrer für das Thun und Lassen der Kinder bis zum 12. bezw. 13. Lebensjahre verantwortlich macht. Und sagt uns nicht auch der natürliche Verstand, daß diejenigen, die dem Kinde das Leben gegeben, auch für dessen Fortkommen, sowohl in leiblicher und geistiger, als auch in religiöser und sittlicher Beziehung Sorge zu tragen haben? Also nur das^' Elternhaus und nicht die Schule ist das Erziehungshaus der Kleinen. ' - Nun treten'üns oft Fälleesittz'egen.'ln denen Eltern ihren Kindern thatsächlich eine gute Erziehung gegeben haben, .aber trotzdem den Kummer erleben müssen, diese auf Abwege gerathen zu sehen. Wie ist

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