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Der Israelit · 1902-12-23 · Heft 101-102 (23.12.1902) · page 20

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 101-102 (23.12.1902)
Date
1902-12-23
Page
– (sequence 20)
Language
German
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eine Sage aus dem Spessart. DaS ganze Werk iss in Hexametern geschrieben und weiss wirklich geschmackvollen Buchschmuck auf. — «Worysweder Stimmungen" iss eine Gedichtesauunlung von Franz Dlederich betitelt. Es sind zum größten Thcil melancholische Sebnsuchtslaute nach der Heimatb und die in derselbe»! empfangenen Eindrücke, welche der Verfasser in kleinen Stimmungsbildern verwerthet, Das Buch, in Meyer und Wunders Heimath-Berlag. Berlin, erschienen, weiss noch eine Titelzcichrning von Karl Krummacher-Worpswede auf. Geben wir zu etwas Anderem über, und betrachten wir uns nach den vielen modernen Erscheinungen der Litteratuc auch einmal die neue Aussage cincs bereits anorkanutcn Werkes. Wenn ein Buch in 57Jahren siebcnundzwanzig Aussagen erlebt und dazu den Äortbeil genießt, von Robert Hamerling geschrieben zu sein, dann besitzt cs einen Paßvartout. der ihm den Zutritt zu dem Hause eines jeden Gebildeten össnet. Eine neue Aussage bedarf deßhalb kaum eines Geleitwortes. Wenn wir aber trotzdem der 27. Auss. der erhabenen Dichtung »Ahasver in Rom" von Robert Hamerling (Berlaasanstalt und Druckerei (vorm. I. F. Richter) in Hamburg. mit einigen Worten gedenken. . geschieht das, weil ÄbaSver das bedeutendste Werk Hamerlings ist und dasseinge, das seinem Schöpfer den gebührenden Sitz unter . den deutschen Dichterfürsten crivarb. Bis zur zehnten Aussage ,var er unablässig bemüht sein Lieblingsiverk weiter auszuba»leii. »nid man darf-wohl sagen, er hatte-es auf die Stufe der Vollendung gebracht, als ihn der Tod abberief. Auch die Verlagsanstalt har nicht gerastet in dem Bestreben, jede weitere Ausgabe zu vervollkommnen in Bezug auf äußere Äilsstatrung. Und so tritt denn auch oie 27. Aussage vor uiiS. ausgestattet in vollendetester Weise des modernen Buchschmucks. Man darf überzeugt sein, daß das Lieblnigskind Hamerlings in seiner prächtigen Ausgestaltung fortgesetzt zu den alten freunden neue werben wird. . w Eine andere Dichtung liegt »mS noch vor und zwar in. Gestalt des „Thal warth". Gedicht von Wilhelm Fla dt (E. PiersonS Verlag. Dresden.) Die Thalivarth ist eine Burg, von der die Legende zu berichten weiß, daß der letzte Besitzer sc,non Töchter»» Hildegard und Rosalinde einen Schatz vermachte, den sie redlich wenen sollten. Rosalinde aber betrog die blinde Hildegird »in ihren Theil. und dafür muß sie nun ruhelos in den Kellergewölben der Ruine umher irren, bis ein Jüngling ohne Furcht.sie dreimal geküßt hat. Diese Sage hat Fladt in anmnthlgen Versen wiedcrcrzahlt; das hübsche Büchlein wird jeden lebhaft anziehen, der für den tiefen ethischen Gehalt, der in solchen volksthüinlichen llebcrlieferungen seine Verkörperung findet, noch etwas Sinn und Ver» standlilß übrig behalten konnte. — Vom galdnen llebcrssuß blinkt es auch auf dem Felde der neueren deutschen Lyrik, aber seit ungefähr einem Menfchenaltcr ist mit weniger. Ausnahmen in unseren, gangbaren Anthologien der poetische Besitzstand derselbe geblieben. Es sind nach wie vor viele Autoren in einer Weise darin vertreten, die zu ihrer Vedeutun? in keinem Verbültniß stebt. Diesen» Uebelstande will das Werk „Vom aoldnen fieberst »iß". eine Aus- .wähl aus neuern deutschen Dichtern von Dr. I. Loewenb erg (R. Vmgtlanders Verlag. Leipzig) nbhelfen. Man kann mit Recht von ihn» behaupten, daß es diesen seinen vorgeschriebenen Zweck voll »lud ganz allszusüllen im Staiide ist. Da es auch noch eine elegante Ausstattung durch den Verlag erfahren hat. ist es als passendes Geschenk besonders zu empfevlen. Dieselbe Empfehlung verdient auch das von E. Vierson's Verlag. Dresden, herallsgegebene „Früh!ingsstürme", Romnn von I. Binegg. Den Stamm,der ungemeln iiiteressanten Begebnisse bildet der Bruderzwist nn Hause Alvenhüller. Der Majoratsherr sagt sich vvii seinem unwürdige Bruder, der sein ganzes enoruies Vermögen verpraßt hat. los und unlerstntzt nur noch die beiden Kinder Huqo's. um sie vor Lebenssorgen zu schützen. Die Schicksale dieser beiden werden nun weiterhin zum Hauptrhema des Romans. Das ssvtt geschriebene Buch ist »ehr hübsch und sinnig ausgestarret. Es wird altere wie jüngere Leser und Leserinnen n» gleichem'Maße befriedigen, denn cs erfüllt alle Bedingungen. die man an einen?uten Gesellschaftsroman stellen kann. „R a u s ch e n d e P a l in e u" etitelt Richard Deeken eine Sammlung bunter Novellen der Südlee. (Verlag von Gerhard i. Gr.) Der um die deutsche Kolonial- __ ..... _ er hat seiner ersten auf dem Gebiete der Südsee-Litteratur Epoche machende Erscheinung» Manuia Samoa. Samoaische Reiseskizzen - und Beobachtungen'^ mit vorstehendem Werke rasch eine weitere Publikation folgen lassei». Dieses Mal sind es reizende Erzählungen, welche uns neue, fesseliide Einblicke in die hochinteressante Inselwelt Polynesiens vermitteln. Das Beste, was man dein Buche nachsaaen kann. ist. es wird sicherlich jedem etwas Gutes bringen: — Bon demselben Verlage ist noch eine Neuerscheinung zu verzeichnen: „Laternen brennen" von Frb. Fr. v. Dmcklage. In dieser Novelleilsammlung. die wie 7ieu» erfrischender: Hauch in der langen Wüste des deutschen Büchermarkts anrnuEet. ist nichts Erkünfteltes. nichts Gemachtes. Durch .Hiududurch gesund ist die Kost. die uns der Erzähler in dem ge- „schmackvoll auLgestatteten Bande bietet. General v. Dincklage ist einer der Wenigen, die noch in späteren Jahren mit .Erfolg. die Bahnen der Dichtkunst betraten. Auch die fünf, in dem.'vorlsegenden Bande enthaltenen Novellen zeigen ausnahmslos die bekannten Vorzüge, des.Autors,'^-Eine der liebsten Erinnerungen für.unsere Leserinnen' in vorg?rückrsrM>, Jahren wird stets Jmmermanils „Oberhof." bleiben. Fehlte er früher doch selten unter den JSrrttft" aeschenken. die der Bräutigam der Braut überreichte. MS lieber Hausgenosse ,vl»rde und ivird er noch iunner im deutschen Heim hochgeschätzt »nid immer und innner wieder hervorgeholt. Man darf ivohl dreist bchailpten. daß der „Oberhof" durch seinen inneren Wertb von Land Zit Land bekannt geivorden ist. wie „Hermann »iud Dorothea", dem jener ebenbürtig zur Seite steht. Die Verlagsanstalt lind Druckerei A.-G. (vor»nnls ^r. F. Richter), an die immer »vieder die Nothwendigkeit hcrantritt. Neuaussagen zu veranstalten, hat sich in anerkennenswerther Weise im vorliegende» Falle veranlaßt gesehen, eine gänzlich iiene Ausgabe erscheine» zu lassen. Was die Ausführung anlangt, sv hat vor allen Dingen die Herausgeberin ein großes Kilnstvkrständn'ß beklindet, indein sie von dein Grundsatz nnsgegangen zu sein scheint, daß nur ein Meister berufen sein konnte, ein fo anerkanilt klassisches Werk wie den. Lberhof Mi illunriren. Benjamin Bautier »var ein Meister in der bildliche» Wiedergabe des bäuerlichen und kleinbürgerlichen Familienlebens. Mit eiuec seltenen Feinheit der Beobachtung nnd Sauberkeit des Vortrags hat er im Oberhof mähre Meisteriverke gcschanen. Mit Fug und Recht kann inan diese Schöpfung eine sittengeschichtliche Illustration des westfälischen Äanernlebensnennen. — Friedrich Spielhag en läßt bei Earl Krabbe. Stuttgart ein neues Werk erscheinen: ,,Die schönen Amerikanerinnen." Das Buch ist eine vorzügliche, unterhältende Satyre auf den leider in Deutschland stark verbreiteten Ausland er-Namcn- und Geld- Kultus. Mit psychyloaischer Sicherheit und vollendeter Technik, schildert der berühmte Verfasser das moderne Badeleben der bescheideneren Sommerfrische in Thüringen. 'Auch reicher, künstlerischer JUnstrasi"nsschmuck von C. S. Knechier ziert in harmonisch ange-- nehmcr Welse die geistreiche Erzählung. — „Die Todbringerin" heißt eine ErzÜhlung von Hanns von Zobetitz (Verlag Carl Krabbe. Stuttgart), welche den Leser d»»rch ihre spannende Handlung und die packende Erzählungsweise des bekannten Autors bis an den S vluß zu fesseln weiß. — In der „Bibliothek der Gesanunrlitteratirr (Verlag von Otto Hendel. Halle a. S.) sind.zwei Werke hervorragender englischer Schriftsteller aufgenömmen worden. Silias Murmer. der Leinweber von Ravelo». Erzählung von George Eliot. Nebersetzt und mit Vorbemerkung versehen von Dr. Fr. Kwest-. Wir nnden indein Buche lebenswahre Schilderungen von Szenen des ländlichen Lebens und desj nigen der Fabnkgegenden. Leute und Charaktere, die der Verfasserin von-Jugend auf vertraut waren. Die Eindrücke, welche diese llmgebungen auf sie veranlaßten. legt sie in wabrhast meisterhafter Weife hier nieder. — Aus Welt und Einsamkeit und andere Essays vonRalpy Waldo Emerson. Nebertragen und mit Borbeuierkung versehen von Sophie von Harbon. Die geistvollen Essays in der vorliegenden. ' verstündnisiniiigen Uebersetzung bieten dem Leser einen wirkliche» Genuß. — Im Deutschen von Wilhelni Lange liegt vor unS ein Werk Björnsterne Björnsonv: „Thomas Rendalen" (Berlin W U, Franz Wunder.) Der berühmte Autor hat a»lch in diesem Werke einen Beweis seines Könnens medergelegt »nid. er veritcht es. seine,l Leser zu feneln und bis ans Ende in Spannung zu erhalten — Ein Gleiches läßt sich von dein neuesten Romane Josef Lanffs sagen, welcher „Marie Berwahnen" betitelt ist. und in Albert Ahns Verlag.-Köln, erschienen ist. .Jil^leiner frischen Erzahlnngswelse führt uns der Verfasser lebendige LZenen vor'S Eilige und hält uns bis zur letzten Seite in Atem. — Zn den interessantesten kulturhistorischen afoimmcn, die im neunzehnten Jahrhundert geschrieben ivordcn sind, gehört ohne Zweifel „Werther, der Jude" von Ludwig Jakobowsk». (E. Piersons Verlag. Dresden und Leipzig.) Stellt, ihn doch Georg Brandes mir dcn „Leuchtende Tage" des Dichters an die Spitze von dessen Werken. Die Lage eines gebildeten Juden, in der von uationalcii Gedanken beeinssußten dentschen Gesellschaft, sein glühender Wunsch, als vollgiltiger Deutscher anerkannt zu werden seine Demüthigungen nnd Enttäuschungen. — alles das ist hier geradezu typifch sestgehalten und bildet doch zugleich eine Art Selbstbekellntnib des danials drenindzwanzigjähiigen Autors, dcc dem litterarischen Leben Deutschlands bekanntlich zu früh entrissen wurd.'. „Das Blich ist viel gehaßt und viel geliebt ivorden." (so schrieb der Dichter i>n Geleitwort zur dritten Austage des nlinuiehr bereits in der vierten erscheinenden Romans). Jedenfalls ist es von Freund und Feind nut dem lebhaftesten Interesse gelesen worden »nid wird auch jetzt wieder die Verehrung des Dichters beträchtlich vermehren und dazu beitragen, sein Andenken auch im breiteren Publikum lebendig zu erhalten. Adressenveränderungeu unserer werthen Abounenten wollen uns gefl. rechtzeitig mitgetheilt werden, damit in der Zusendung des Glattes keine Unterbrechung eintritt. tfir SfiO \ JttTfoijhfcj* KN-rill •mül'Urrg

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