Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 100 (18.12.1902)
- Date
- 1902-12-18
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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t: ' . k f •: 43« Jahrgang. Zllaler Dawid Koljti. Die Kunst ist wohl international und auch an keine Konfession gebunden. Dennoch freut es uns, wenn Einer der Unseren auf dem Gebiete der schönen Künste. es von kleinen Anfängen zur höchsten Vollkommenheit gebracht hat, wenn dieser Künstler — was zu den Seltenheiten gehört — auf dem Boden des traditionellen Judenthums siebt, und derselbe, wie dies bei Dawid Kohn der Fall ist, nicht nur Jude dem Namen nach, sondern ein Jehudi mit Leib und Seele ist. Was uns. aber noch mit großer Genugthuung erfüllt, ist, daß diesem gesinnungstreuen jüdischen Künstler auch weltliche Ehren-, nicht versagt geblieben, ja die größten Ehren und Auszeichnungen von den höchsten Persönlichkeiten zu Theil geworden, und dessen jahrelanges Ringen aus künstlerischem Gebiete von schönem Erfolg gekrönt ist. Was uns zu dem Vorausgeschickten veranlaßt, ist, daß Herr Maler Dawid Kohn aus Wien zum e r st e n Male hier in Fr.ankfurt a. M. eine Colle ktiv-Ausstellung seiner Bilder im „Frankfurter Kunstverein", Junghofstr. Nr. 8, V e r a n st a l t e t und dieser Tage eröffnet hat. Ueber den künstlerischen Werth der ausgestellten, zumeist in Röthelmanier gemalten Bilder, zu urtheilen, überlassen wir einer berufeneren fachmännischen Feder. Doch mit Befriedigung konstatiren wir, daß die Bilder . Kohn's bei den Kunstkennern die größte Sensation erregt und allgemeinen Beifall finden. Der beste Beweis für die Meisterschaft des Künstlers ist, daß Se. Maj. Kaiser Franz Josef ,!, dem jüdischen Künstler gelegentlich seiner Ausstellung im Wiener Künstlerhaus und seiner gleichzeitigen Collektiv-Ausstellung in dem Kunstsalon Hirschler in Wien, seine vollste Anerkennung ausgesprochen und sein Allerhöchstes Lob gespendet hat, auch daß ihn die höchsten Herrschaften, wie z. B. der österreichische Unterrichtsminister Dr. Härtel, Graf Wilczek, der.niederösterreichische Statthalte'' Graf Kielmannsegg, ihm zum Portrait gesessen, welche Portraits von Kennern als Meisterwerke gerühmt werden, und auch hier, wo diese im Kunstverein nebst anderen künstlerisch ausgeführten Portraits, Studienköpfe, zur Ausstellung gelangten, viel Anerkennung finden. Indem wir Herrn Maler Dawid Kohn zu seiner ersten Collektiv-Ausstellung in Deutschland viel Glück wünschen, hoffen, wir, daß diese Zeilen unsere Glaubensgenossen, speziell aber die vermögenden und kauflustigen unter ihnen, zum Besuche der Collektiv-Ausstellung Kohn's anregen, und derselbe nebst dem künstlerischen auch einen klingenden Erfolg hier in Frankfurt a. M. erringen möge. 'V ' ' , -// Da vielleicht Viele unserer Leser Näheres über den Lebenslauf des Künstlers Dawid Kohn zu erfahren wünschen dürsten, so erlauben wir uns, auf Grund der uns zur Verfügung gestellten Daten, eine kurze Biographie desselben in Folgendem wiederzugeben: Dawid Kohn ist im Jahre 1861 in Wim als einziger Sohn eines Klausrabbiners geboren. Schön frühzeitig zeigte sich bei ihm sein Talent im Zeichnen. Nach Absolvierung der Volks- und Realschule, während welcher Studienzeit er auch unter der Leitung seines Vaters talmudischen Studien sich widmete, besuchte er die allgemeine Zeichenschule in Wien, 1876 fand er Aufnahme in der Akademie der bildenden Künste in Wien, unter dem Rektor Professor Griepenkerl und den Professoren Würzinger, Blaas und Müller. Da es ihm in de: Akademie der antisemitischen Strömung wegen nicht gelungen war, in der Spezialschule Aufnahme zu erlangen, so war er vorübergehend bei Professor Trenkwald als Gast und kopirte eine zeitlang im Belvedere moderne Meister. In den 80er Jahren kam Kohn nach München in die dortige Akademie, . die damals unter der Leitung Pillotis stand. Nachdem er dort drei Semester verbracht, errichtete er sich daselbst ein. eigenes.. Atelier und malte kleine Genrebilder. Seine erste Ausstellung auf der I. Jahresausstellung! im Glaspalaste zu München brachte ihm bereits schöne Erfolge, indem - eines seiner ausgestellten Bilder zur Verloosung ängekauft wurde, das zweite später einen privaten Käufer - fand. Einige Jahre hindurch wurden die von Kohn im Münchener Glaspalaste ausgestellten Bilder regelmäßig angekaust. Denselben Erfolg erntete er in Salzburg, wo alle seine Bilder, zumeist Studienköpfe und Stillleben, Käufer fanden. Nach ungefähr vierjährigem Aufenthalte in München erhielt er einen Ruf von dem bekannten Hofphotographen Löwy nach Wien, der damals an der Belvedere-Ausgabe in Heliographie und - Photographie arbeitete, um die künstlerische Ausführung dieses monumentalen Werkes zu Übernehmern Zu diesem Zwecke aber mußte sich Kohn mit der Negativretouche bekannt machen. So schied er denn von der ' fröhlichen Malerstadt München und.kehrte nach seiner Vaterstadt Wien zurück. Mit Herrn Hofphötograph Löwy stellte Kohn nur einen halbjährigen Vertrag auf die Hälfte des Tages; den andern halben Tag arbeitete er in-seinem Atelier Zelinkagasse 11 und zeichnete zunächst Stilleben, die in München, später in Wien im Künstlerhaus zur Ausstellung gelangten. Da Kohn schon seit seiner frühesten Jugend sich zum Unterrichten hingezogen fühlte (er unterrichtete schon seit seinem 12.; Lebensjahre), so eröffnete er in Wien eine. Malschule für