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Der Israelit · 1902-12-11 · Heft 98 (11.12.1902) · page 25

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 98 (11.12.1902)
Date
1902-12-11
Page
– (sequence 25)
Language
German
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mmm für M M ■OMO S E Sv^'l ARO M*M MM MW Ll. Dez. 1902.] lNr. 26. 5] Zeitgemälde von I. I. KrsszZwski in autorisirter Uebertragurrg. „Mich nannten vertraute Freunde I w a s. In der That heiße ich Jan Huba ... a, nicht e, denn dies würde mich zum Deutschen machen. Dieser Name lehrt Ihnen, wenn Sie unser Land kennen, daß ick aus Nußland sein muß. Huba heißt „Pole" also polnisch etwa „Trzybowski" oder „Trzybowicz". Dieses „Huba" fügten wir zu unserem uralten Namen „Pstrocki", mit dem wir vor Jahrhunderten, als arme Masuren, in das üppige und reiche Rußland einwanderten, um in seinen Wäldern und seinem schwarzen Erdreich um ein Stück Vrod zu arbeiten. Alles in Allem lautet es so: „Jan Huka-Pstrocki, ex Masovia olim oriundus in Itussia poesessionatus et natus.“ „Haben Sie dort noch Familie?" fragte der Jude. „Keine lebende Seele mehr; auch nicht einmal das Vermögen, welches wir einst dort besaßen. Ich bin völlig verwaist, in der ganzen Bedeutung dieses Wortes Mein Vater erhielt, nachdem er verarmt, eine kleine Pachtung in Wolhynien. Elementare Verluste raubten ihm den letzten Groschen. Er starb und überließ mich der Gnade der Menschen. Damals war ich ein kleiner Knabe.' Man schickte mich aus Mitleid auf Schulen. Ich machte blutige Prüfungen durch, und wenn ich etwas gelernt habe, war Niemand daran schuld, als ich selbst. Nachdem ich die Schulen durchgemacht, gelangte ich gleichfalls durch die Gnade mitleidiger Menschen und Jugendfreunde auf eine höhere Lehranstalt." - „Warum flohen Sie aus dem Lande?" „Weil bei uns studentische Verirrungen wie Verbrechen bestraft werden, sobald in ihnen die Nüse der Eiferer etwas Politik wittert, weil Krasicki's Lied von der Vaterlandsliebe mit ewiger Verbannung belohnt wurde, weil es den Menschen von polnischem Blute nicht erlaubt ist, das Vaterland, die Vergangenheit, den Glauben und die eigenen Erinnerungen zu lieben. Und weil diejenigen, denen man zu athmen verbietet, sich Luft suchen müssen, selbst mit dem Kopfe durch die Wand!" - „Immer, immer ist dies die Krankheit unterdrückter Völker," sprach der Israelit. „Wo dem Alter alle Rechte genommen sind, da erkämpft sie die Jugend sich auf jungen Wegen und läßt den unvorsichtigen Eifer, wie Sie, mit Verbannung und Elend, oft auch mit dem Leben!" > Sie seufzten Beide tief. . „Wie gedenken Sie jetzt in das Land zurückzu-, kehren, welches Sie gesetzwidrig verlassen?" Jwas lächelte schmerzlich. * ''• - „Weiß ich es!" sagte er langsam. „Aber das weiß ich. daß ich dorthin gelangen muß, daß tödtliche Sehnsucht mich in das Land treibt, daß ich es in der mir fremden Welt es nicht mehr aushalten will und kann, daß eine längere Verbannung mir eine physische und moralische Unmöglichkeit ist. Anders, ach wie anders träumte ich.ehedem von der Welt. Ich trat hinaus mit voller Brust und im Glauben, daß Alle so

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