Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 95 (1.12.1902)
- Date
- 1902-12-01
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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WKW V 1 sskr «VC e-LL-S-7 l-C/MO S E S\fJ^!| A R O N^.f>, 1. Dez 1902; Me 23 pk* 3SR mm efEffi Sl Zeitgemälde von I. I. Uvaszewsky in autorifirter Uebertragung.v^^ An einem Tische saß ein schöner Mann von mitt- / lerer Größe in. der Kraft und Fülle der Jahre, mit auß- »•V- - drucksvollen Zügen von italienischem Charakter, welche indeß den aufmerksamen Beobachter an einen mehr fremdländischen orientalischen Typus erinnerten. Er hatte eine hohe, heitere Stirne, obschon aus ihr frühzeitige Sorgen oder Mühen schon so manche Falte gezeichnet. Sein Blick war klar und kühn, gleichsam Befriedigung nach inneren Kämpfen bezeugend. Die, Zuge wären im Allgemeinen schön und von auffallender Energie. Ein Kenner menschlicher Physiognomien und ein Mensch von Gefühl mußte, nachdem er einmal dies Antlitz gesehen, es aufmerksamer und theilnehmender betrachten, denn ' irgend ein Etwas zog zu. ihm hin. ' Sein Reiseanzüg war ohne jede Uebertreibung', aber geschmackvoll und bequem; er verrieth, wenn auch nicht großen Reichthum, jedoch .wenigstens ein anständiges, für die Bedürfnisse ausreichendes Vermögen. Eine bescheidene Erfrischung stand vor ihm, die Reste eines . kleinen.Imbisses. Bei diesem fast vergessenen Dessert von Feigen und Birnen, - saß er in Gedanken versunken.da, bis er endlich sich anschickte, eine Cigarre [.■■■’ anzuzünden, . welche er schon längst mechanisch in der' Hand herumgedreht hatte. : : , L - . . Am zweiten Tische daneben hatte sich eine zahl- . reichere Gesellschaft zusammengefunden, deren Ehrenplatz eine schone Frau einnahm. Sie war brünett, nicht mehr in der ersten Jugend, aber frisch und lebhaft; ihr Mund war rosig, reizend, aber ungewöhnlich kühn. Zu beiden Seiten dieser Dame saßen zwei Männer. Der Eine war breitschulterig, stattlich,' brünett, aber schon graumelirt und schien ihr Gatte zu sein, - vielleicht auch nur ihr Kavalier. Der Andere war ein schlanker Jüngling, mit blondem Häär, schüchtern wie ein Mädchen, jeden Augenblick erröthend; in ihm spielte das Blut noch lebhaft: bald übergoß es ihn wie eine rothe Woge, bald entwich es zum' Herzen bei dem geringsten ihn tiefer berührenden Wörtchen,'und" ließ ihm > nur die frischen, durchsichtigen, kaum mit'dem Frühlingsflaum bedeckten Wangen. Diese drei saßen beim Mittagsmahle und bei'ziemlich heiterer und lebhafter Unterhaltung, indem sie sich gleichzeitig in der Wündergrötte umschauten' und sich über die ungewöhnliche Physiognomie'dieses Speisesaales amüsirten. ' An der entgegengesetzten Seite, bei einer Flasche Wein, saß zurückgelehnt, nachdenklich,' die Hand in'dem langen, schwärzen, nachlässig verwirrten ^Haupthaar, ein Mann mit brennender Cigarre und - gerunzelter Stirne. Nicht mehr jung, erschien er wie zerbrochen vom Leben, gleichgiltig, ganz in sich versunken, uNd dennoch suchte er augenscheinlich nach Erholung für sich •. und lechzte förmlich nach Zerstreuung:; . In seinem Antlitze und Älicke war etwas,> was unwillkürlich die Aufmerksamkeit auf sich' zog und änregte, wie einRäthsel. Er sah äus/ wie der Nachkomme eines nichteuropäischen Stammes vondunkler ' Haut, ' beinahe schwarz, verbrannt, mit etwas breitem MuNde,