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Der Israelit · 1902-11-27 · Heft 94 (27.11.1902) · page 19

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 94 (27.11.1902)
Date
1902-11-27
Page
– (sequence 19)
Language
German
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Schriftzeichen zur Belebung des Interesses, besonders im Anfänge, Zwischenein zu bringen. Nach dem Einüben scimmtlicher Buchstaben sind Uebungen im Lesen von Formgruppen etc. abzuhalten. Referent hält cs nicht für Bedingung, daß die Kinder beim Verlassen einer Uebung dieselbe bereits fertig lesen können, weil viele Uebungsstücke unserer Fibeln nur geringe Unterschiede aufzuweisen und den früheren Stoff so vielfach zur Wiederholung bringen. Zur Besprechung der im hebräischen Leseunterricht der Unterstufe gebräuchlichen Lehrmittel übergehend, präcisirt der Referent zunächst den Zweck der Fibel dahin, daß sie in der Hauptsache den Kindern nur die Möglichkeit häuslicher Uebungen gewähren soll. Im Unterrichte selbst soll sich der Lehrer von ihr so weit wie möglich frei zu machen suchen und die Unterweisungen und Uebungen an Schriftzeichen und Wortformcn knüpfen, die er selbst für Alle sichtbar an die Schultasel zeichnet oder fertig vorliegenden ...Lesetafeln" entnimmt. Dadurch vermag er auch seinen Unterricht erst recht eigentlich zum Klassenunterricht zu gestalten und sich die Aufmerksamkeit der Kinder gesichert zu erhalten. Referent empfiehlt dafür besonders die Herzberg'schen Lesetafeln. Bezüglich des von dem Lehrer dabei einzuschlagenden Lehrganges braucht die Fibel ihm nur das allgemeine Richtmaß zu bilden.. Zum Schlüsse behandelte der Referent noch die Frage, wie weit ganze Lesestücke in die Fibel hineingehören und wie weit sich der Leseunterricht auf dieser Stufe überhaupt mit dem Uebersetzen zu beschäftigen habe. Referent will beides auf das geringste Maß beschränkt wissen, um die Kinder so schnell wie möglich zum Siddur, dem allgemeinen Gebetbuch vorzuführen, j wonach sie sich schon lange sehnen, doch sollen die Sähe und Gebetstücke, die die Fibel am Ende zur Uebung im zusammenhängenden Lesen enthält, in jedem Falle eine gemüthbildende Behandlung erfahren. Dem anregenden Vortrage folgte eine ausgedehnte Debatte, in der zunächst zum Ausdrucke kam, daß der Lehrer den hebr. Leseunterricht vor Allem für die Kinder interessant zu gestalten habe. Die Art des ersten Leseunterrichts sei oft entscheidend für das Interesse am ganzen hebräischen Unterricht der Folgezeit. Alles, was dieses Interesse zu beleben vermag, sei deßhalb beim Unterrichte zu berücksichtigen: vor Allem auch das Uebersetzen einzelner Begriffswörter zwischen dem Lesen. Von einer Seite wurde empfohlen, den Leseunterricht überhaupt gar nicht mit Leseübungen zu beginnen, sondern mit dem Memoriren kleiner Sätze aus der Liturgie und dem Gebetbuche, wodurch neben dem. Interesse, das den Kleinen dabei aus dem gewonnenen praktischen Können erwachse, vor Allem auch zunächst das Qhr an den fremden Sprachklang gewöhnt werde, was für den Sprachunterricht von besonderer Bedeutung sei. Es habe sich ferner als praktisch erwiesen, auch die ersten Leseübungen (Lautverbindungen) an deutsch: Werter in hebräischer Schrift anzüschließen» nach Art der Wortmethode, und dadurch den Unterricht nicht nur von Anfang an interessant zu erhalten, sondern die Kinder überhaupt gleich daran zu gewöhnen, beim hebräischen Wort auch immer auf den Sinn zu achten. Der Behandlung der stummen Konsonanten bald nach den Vokalen wurde allgemein' zum Thcil 'widersprochen, weil diese Buchstaben in ihrem Wesen eine Unregelmäßigkeit darstellen. Ebenso wurde die .Behandlung der formähnlichen Konsonanten gleich- . zeitig oder in unmittelbarer Aufeinanderfolge als eine Vermehrung der Schwierigkeit im Lesen für die Kleinen erklärt. In Bezug auf den Beginn des hebräischen Leseunterrichts wurde aus allgemein pädagogischen, wie aus praktischen Gründen für vorteilhaft erachtet, damit erst zu beginnen, nachdem die Kinder schon einige Fertigkeiten im deutschen Lesen erlangt haben, also etwa nach dem ersten halben Schuljahre. Das Lesenlernen des Hebräischen bereitet den Kindern dann all-, gemein weniger Schwierigkeiten und werde doch in derselben Zeit erreicht. In jedem Falle könnte, der.. Unterricht dann wesentlich interessanter gestaltet iver^:. den. Bezüglich der Fibel wurde. Endlich noch bemerkt, daß diese am besten zum ersten Gebetbuche des Kindes auszugestalten sei, demgemäß alles Bezügliche für das Kind zu bieten und sein gesammtes religiöses Interesse zu umschließen habe. Eine solche Fibel dürfte ebenso sehr den Zwecken des Unterrichts, wle dem Erfordern des kindlichen Gottesdienstes entgegenkommen. Den zweiten Punkt der Tagesordnung bildete ein Referat des Herrn Waisenhaus-Inspektors P w-i §? | über einen Aufsatz von Ernst L i n d e - Gotha über vie Frage: „W i e f ü h r t m a n die Jugend vom stofflichen zum künstlerischen Genießen?" Referent gab zunächst einen kurzen Hinweis auf die allgemein pädagogischen Absichten des Verfassers mit. seinem Aufsatz und auf die besondere Bedeutung desselben für die Zwecke einer jüdischen Lehrervereinigung. - Die Bestimmung der Schrift in elfterer Hinsicht sei durch den Titel des Buches, dem sie entnommen, anaedeutet: „Zur Jugendschriftenfrage", herausgegeben von den vereinigten Prüfungs-Ausschüssen für Jugendschriften. Leipzig 1903. Die besondere Beziehung des Aufsatzes für jüdisch religiöse Zwecke sehe er in dem Gedanken, daß bei dem nothwendigen Bestreben, die Bibel wieder für das jüdische Haus zurück zu erobern, die Anleitung und Befähigung zum künstlerischen (ästhetischen) Genießen der in ihr enthaltenen Sprachstücke — besonders der Psalmen und der prophetischen Reden — sehr zu beachten sei. Für einen großen und nicht schlechtesten Theil unserer Glaubensgenossen führt - s M. n. der Weg zum erbaulichen Gebrauch der Bibel über den ästhetischen Genuß an derselben. In diesem

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