Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 89 (10.11.1902)
- Date
- 1902-11-10
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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V 48. Jahrgang. M 89 Zentral- Hrg an für das orthodoxe ZudentHum. . Begründet von. .. /Y.' ®sr. WeHmKN« in Wtaiui Montag, den 10. Cyefchwarr 560S 10. srov emb er 1002. M Zelt m Weil des Mehls. (Jom-Kippur»Nsminisceuzen eines Kaufmanns.) froai wo* ukbw son hv rmpösi fesoa ston bv - Die Sünde, die wir vor Dir begangen haben im Handel und Verkehr. — Die Sünde, die wir vor Dir begangen haben durch Speise und Trank. Mein Lehrer, R. Israel Salanter f. A., kam am Jom Kippur fast gar nicht dazu, viel mehr , als die tpn'» nbcn bie sog. leise Schemone-Esre zu beten. Zu Schachäris ünd^zü'Müssaf,' zu Mincha und zu Rella nahm ihm dieses Gebet so viele Stunden in Anspruch, daß er gar nicht zum eigentlichen Machsor kam. Oft habe ich mich als junger Mann darüber gewundert, was meinen Lehrer so lange an diese Gebete fesselte. Man muß ja, nach einem bekannten Wort unserer Weisen,'selber vierzig Jahre alt werden, um nur seinen Lehrer zu verstehen. Heute habe ich es begriffen. Wenn Jemand nur die zwei Sätze aus dem großen Sündenbekenntniß in ihrer schlichten, ergreifenden Größe auf sich wirken läßt, so ist fast ein ganzer Jom Kippur zu kurz, um nur die Fluth von Gedanken und Empfindungen richtig zu sortiren, die sie in Geist und Gemüth wecken. Wer könnte sich auch reuig am Jom Kippur auf die Brust schlagen, wenn er seines [nni wa, seines Geschäftes gedenkt, wenn er die Mittel und Wege Revue paffiren läßt, die er angewandt hat, um die Mittel zum Leben für sich und die Seinen zu gewinnen, ohne sich sein ganzes Erwerbsleben, seine Bücher, seine Kunden, sein Leben auf der Reise, seine Geschäfts- Usancen zu Hause und noch hunderte von anderen Momenten vor die bewegte Seele zu führen! Wenn unsere im kein nv mn sein, wenn unser Sündenbekenntniß kein bloßes Lippenwerk sein und bleiben, wenn es den ganzen Menschen ergreifen soll, wie könnte es zur Selbstbearbeitung, zur Sinnesänderung und Besserung führen, ohne daß wir uns die Zeit dazu nähmen, es wenigstens in allen seinen Details zu überdenken!' . . ..; . Mich beschäftigte diesen Jom Kippur mehr als sonst die tiefe physiologische Weisheit der Ordner unserer Gebete, die sie in der Zusammenstellung unseres Erwerbs- und Genußlebens bekundet haben, indem sie piV kvd und nn»ci bvnv neben einander gruppirten. Daß es nicht der gleiche Anfangsbuchstabe im Aleph Veth ist, der diese Gruppirung veranlaßt hat, braucht dem aufmerksamen Beter unserer Gebete nicht erst, gesagt zu werden. Das Aleph-Beth ist; nur die äußere . Form, die Schnur, welche die Perlen unseres Gebetbuches kunstvoll aneinander reiht.\ Daß aber unter jedem einzelnen Buchstaben gerade . die bestimmten Worte und keine anderen gewählt sind) läßt den tiefer Blickenden überall die Weisheit der ganzen Anordnung in ihrer hohen Bedeutsamkeit bewundern.' Man begegnet oft.der Klage, daß unser fnav rwv unser ganzes Geschäftsleben heute unvergleichlich schwieriger geworden sei, als es zur Zeit unserer Großväter war. Ich glaube es nicht. Jede Zeit hat für die Wege des Erwerbes ihre eigenartigen Schwierigkeiten und Erleichterungen. , Wenn man diese alle sorgfältig abwägt, so dürfte sich für unsere Zeit doch ein günstigeres Resultat ergeben, als für die Vergangenheit, r— Wenn man den Klagen über unsere schlechten Geschäftsverhältniffe auf den Grund geht,.so findet man leicht, daß es nicht so sehr das Geschäft ist, dem die Klage gilt, als der gesteigerten Concurrenz, der größeren Zahl der Mitbewerber, die das Geschäft in einer Weise erschweren, die man allerdings in der güten, alten Zeit nicht kannte. Aber ob deßhalb diese Zeit wirklich das Prädikat „gut" verdient, das ihr die Oberflach-.), lichkeit so bereitwillig züerkennt, dürfte doch diskutirbar sein. Wenn . heute der Kampf um das Stück Brod heißer, ist, als früher, so steht dafür >och den KLmpfeni: . &■ *