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Der Israelit · 1902-11-06 · Heft 88 (6.11.1902) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 88 (6.11.1902)
Date
1902-11-06
Page
– (sequence 11)
Language
German
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oder Auswanderung hatten. Angesichts dieses Unglücks eröffnete die »All. Jsr." eine Subskription, welche ihr gestattete, in allen volkreichen Mittelpunkten unentgeltliche Küchen für die unglücklichen Hungernden zu organisiren; seit fast zwei Jahren mußte fie tausenden von Familien, die aller Hilfsmittel beraubt sind, Wohnung und Nahrung verschaffen; dieses Hilfswerk hat bereits bedeutende Summen verschlungen, sie mußte es aufrechterhaltcn, da sonst schlimmeres Unheil entstanden wäre. Diejenigen, welche die Kraft zum Geben haben, ziehen fort. Im Jahre 1900 hat man gesehen, wie sich zahlreiche Banden von Emigranten bildeten, sie verließen das rumänische Gebiet, ohne zu wissen, wohin sie gehen sollten; sie strandeten in den benachbarten Gebieten, als sie nicht mehr die Kraft hatten, weiter zu gehen. Die am meisten Glück hatten, haben sich hauptsächlich nach den Vereinigten Staaten begeben. Die anderen Staaten . Europas haben deren eine gute Anzahl empfangen, wir haben sie auch in Paris ankommen sehen; es waren zum größten Theil junge Leute, Arbeiter, beseelt von dem lebhaften Wunsche, zu arbeiten, aber geschwächt durch die langen Leiden. Dieser Auszug dauert fort. Im Laufe des Jahres 1902 haben mehr als 10,000 rumänische Juden Rumänien verlassen. Es wandern nicht allein Arbeiter aus, zahlreiche Familien, die noch einige Mittel besitzen, aber keine Möglichkeit sehen, ihr Schicksal zu bessern und die riskiren, das, was ihnen geblieben, zu verlieren oder zu erschöpfen, bereiten sich ebenfalls zur Auswanderung vor. Man kann feststellen, daß auf eine Bevölkerung von 250,000 Seelen mehr als drei Viertel keine andere Abhilfe für ihr Elend als Auswanderung sehen. Während 20 Jahren haben die rumänischen Israeliten gehofft, daß die Signalarmächte des Berliner Vertrages für die Durchführung der Bestimmungen des Artikels 44 durch Rumänien Sorge tragen würden. Nachdem diese Hoffnung geschwunden ist, sehen sie für sich Heil nur im Exil. Die amerikanische Republik, die ihnen eine so edle Gastfreundschaft gewährt, hat die Aufmerksamkeit der europäischen Regierungen auf die Verletzung des Berliner Vertrages gelenkt. Es ist, wie wir überzeugt sind, nicht unnütz, daß sie sich an Frankreich gewandt hat. Es wird Frankreich ewig zur Ehre gereichen, in jeder Epoche die Sache der unterdrückten und verfolgten Völker vertheidigt zu haben. Die französische Republik hat einen bedeutenden Antheil an den Beschlüssen des Berliner Kongresses genommen, der die Emanzipation der Völker der Balkanhalbinsel gesichert hat; sie ist es gewesen, die vorgeschlagen und die Annahme der Vertragsbestimmungen, welche den rumänischen Juden die Rechte von Bürgern sicherte, , durch jene hohe Versammlung bewirkt hat. Glauben Sie nicht, Herr Minister, daß die Tradition Frankreichs, die Bedeutung seiner Rolle in den Verhandlungen des Vertrages von 1878, die Achtung vor einem diplomatischen Instrument, das seine Unterschrift trägt, die Regierung der Republik nicht dazu führen muß, das im Jahre 1878 begonnene Werk zu vollenden und die vollständige Ausführung , des Artikels 44 des Berliner Vertrages zu verlangen? Wir wissen, Herr Mmister, daß wir rechnen können auf Ihre Gefühle der Humanität, "auf Ihren weitgehenden Liberalismus, auf Ihre Liebe zur Gerechtigkeit , für die Vertheidigung einer arbeitsamen und rechtschaffenen Bevölkerung, welche., das Opfer der grausamsten Verfolgungen ist., ' Genehmigen Sie, Herr Minister, die Versicherung unseres tiefen Respekts. : v. Für das Central-ComitL . i) " . . Der Präsident Ger. R. Levenv: u serSNKgsyschsichteN AKv DelltsHland... Frankfurt a. M., 2. Nov. Die Wintersaison im Verein „Mekor-Chajim" wurde mit einem frohen . Er-, eigniß eingeleitet. Nach einer durch' schwere- Erkrankung verursachten zweijährigen Unterbrechung nahm Herr Julius Hirs ch, Sohn unseres großen Samson Raphael Hirsch s. DL, am Sonntag Abend seine Thatigkeit als Dozent wieder auf. Um der Freude über die Genesung des geschätzten Lehrers auch, äußerlich Ausdruck zu verleihen, war der Hörsaal des Ver< eins auf daS prächtigste mit Blumen und Guirlanden geschmückt. Tiefe Bewegung ergriff die zahlreiche Zuhörerschaft, als Herr Julius Hirsch nach so langem Zeiträume wieder das Podium betrat, um nach einigen einleitenden Worten des Dankes gegen Gott für seine Wiedergenesung, seinen Vortrag zu beginnen. Mit gespannter Aufmerksamkeit lauschte die Versammlung .den herrlichen Ausführungen deS gefeierten Redners der in altgewohnter Frische und Lebendigkeit, das ewig unsterbliche Wort des Psalmisten im Geiste und in der Auffassung seines Vaters zum Vortrag brachte. Köln, 31. Okt. Der in Ihrer geschätzten Zeitung veröffentlichte Bericht über die Schechita in der hiesigen Gemeinde kann durch Folgendes ergänzt werden: . In Folge eines Abkommens des Gemeindevorstandes mit der Schlachthausbehörde . werdendie Schächtgebühren, auf welche bisher, die Schächterangr- .wiesen waren, der Gemeindekasse zugeführt. .Der. Gemeindevorstand besoldet nunmehr, die beiden Schächterder Adaß Jeschurun/ und zwar-auch -den bisher' aus-: schließlich von der.Adaß Jeschurutt und dem -Seminar besoldeten Schächter mit einem .Jahresgehalte von 4500 Mark, sowie den von "Herrn Dr. Plato als nothwendig erachteten Schomer, der bis^r von einigen

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