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Der Israelit · 1902-11-03 · Heft 87 (3.11.1902) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 87 (3.11.1902)
Date
1902-11-03
Page
– (sequence 10)
Language
German
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1832 anläßlich seines erbetenen Rücktritts von seinem ca. 40 * Jahre lang stets mit vollem Eifer versehenen Amte als Lehrer, der „Adler des Königlichen Hausordens von Hohenzollern" Allerhöchst verliehen worden. / O e.st e r reich. Wien, 29. Olt. Die Hoffnung Derer, die geglaubt hatten, der Antisemitismus in Oesterreich sei im Rückgang begriffen und ziehe nicht mehr, hat sich nicht erfüllt: der Antisemitismus hat vielmehr bei den Landtagswahlen in Oberösterreich und in Niederösterreich zwei glänzende Siege errungen. .In Qberösterreich hat er zwar die Zahl seiner Mandate nicht wesentlich vermehrt, aber die Zahl seiner Stimmen ist überall stark gewachsen und in Nicderösterreich hat er die Zahl seiner Mandate von 14 auf 20 gebracht; im Bezirk Baden steht er in Stichwahl. .Da es nur 21 Sitze gibt, so hat der Antisemitismus Aussicht, alle zu besetzen. Die diesmaligen Wahlen unterscheiden sich nach der „N. Fr. Pr." von den Wahlen des Jahres 1896 dadurch, daß sie ausschließlich die „Reinkultur der Luegerei" ergeben habe, „ohne Kompromiß, ohne fremde Beimischung, tiefschwarz, ohne die geringste Sckattirung." Was nicht unbedingt zur Fahne Lueger's schwor, ist ausgemerzt worden; Schaukelpolitiler, die sich für eine andere Mehrheit reservirten, haben ebenfalls keine Gnade gefunden. Auch der strenge und Unabhängige Kritiker Schöffel, der biedere Ehrenbürger zahlloser Gemeinden, dessen Sitz für felsenfest gehalten wurde, ist hinweggeschwemmt worden. Woher kommt nun dieser glänzende Sieg, nachdem doch Lueger selbst schon seine Niederlage in Rechnung gezogen hatte? Die „N. Fr.. Pr." meint, die Lösung des Räthsels bestehe wahrscheinlich darin7 daß die Landgemeinden von der Gunst oder Ungunst der herrschenden Partei abhängig sind und die meisten Wähler von der Furcht vor der Rache der unterliegenden Partei sich bestimmen ließen. Selbstverständlich wurde das System der Einschüchterung und Drohung rückhaltlos gehandhabt und ebenso selbstverständlich ist. daß die gesammte Geistlichkeit mit ihrem ganzen wirksamen Apparat für die Antisemiten eintrat. Das „Vaterland" feiert denn auch das Wahlergebniß als einen großen Sieg seiner Leute und spricht die Hoffnung aus, die . übrigen Länder werden dem „leuchten- - den Beispiel" der. Landgemeinden Ober- und Nieder- Lsterreichs folgen. Die Herrschaft der „Christlichsozialen" im niederösterreichischen Landtage ist also wieder auf Jahre hinaus befestigt; sie hat sich aber gerade in der letzten Zeit in einem solchen Lickte gezeigt, daß christlich und sozial gesinnte Leute, die anständig sind und es mit ihrem Beinamen ernst meinen, gut daran thun werden, sich um einen anderen Namen umzusehen, damit sie mit der Luegerei nicht verwechselt werden können. F r a n l 111ߣ r Paris. 29. Ort. Gaston Pollonais, der klerikalste und nationalistischste Mitarbeiter des „Gaulois" des Herrn Arthur Meyer, der trotz seiner Abstammung von streng religiösen'jüdischen Ellern die eingefleischtesten Antisemiten noch' zu übertrumpfen suchte und zu übertrumpfen verstand, hat sich endgiltig und offen von dem Glaubensbekenntnisse losgesagt, für das er nicht einmal die Neutralität des Auslandes zu wahren wußte, was ihm wiederholt vorgehalten wurde. Pollonais, die neueste Errungenschaft der streitbaren Kirche, konnte natürlich nicht in aller Stille die Taufe erhalten, sondern war von den Spitzen der Klerikalen und nationalistischen Kreise umgeben, als er, begleitet von seinem Taufpathen, dem General R 6 c a m i e r, und seiner Taufpathin, der Gräfin de B 6 arn, in der Taufkapelle der Kirche Samt- Thomas d'Aquin erschien. Die bloße Aufzählung der Namen Francois Coppäs, Jules Lemaitre, General de Boisdeffre, Ernest Judet (vom „Petit Journal"), Arthur Meyer u. A., genügt, um die Freunde des „Täuflings" zu kennzeichnen, unter denen nur Oberstleutnant du Paty de Clam, Major Esterhazy, Henry u. a. m. fehlten. Der Dominikanenpater Domenech vollzog die Ceremonie. Der Täufling, dessen Pathen. und die Priester erfaßten gemeinsam eine brennende Kerze und sagten das „Credo" und das- „Pater noster" her, worauf die Taufe vorgnommen wurde: „Gaston Joseph, verleugnest Du Satan?" -- „Ick verleugne." — „Verleugnest Du den jüdischen Unglauben und den hebräischen Aberglauben?" — „Ich verleugne." — „Willst Du die. Taufe erhalten?" — „Ich will es." Der Pater vollzog hierauf die Taufe und schloß mit den Worten: ,.Vade in pace et Dominus sit ttteuin!" Jetzt kam erst die eigentliche Kundgebung; Pater Domenech hielt an seinen neuen Glaubensgenossen eine Ansprache, in der er gegen die Regierung und die Dreyfusisten die heftigsten Angriffe loslieb. Er erinnerte daran, daß bei dem Begräbnisse des Vaters von Pollonais „traurige Sektionsworte" gesprochen wurden und daß der Täufling durch „die Infamien unserer Armee und unser Land bei einem jüngsten Prozesse" empört wurde und sagte: „Sie kennen die geheimen Räderwerke und die Geheimnisse der Räderwerke; Sie haben gesehen, wie Ihr Land, schmählich ausgebeutet und dessen Interessen denen einer Kaste und Rasse geopfert wurden." Man hatte irgend welche Zwischenfälle befürchtet oder vielleicht gewünscht, allein dazu kam es nicht: Der klerikale „Gaulois" hat nur einen getauften Juden mehr, das ist Alles.; . Paris, 2. Nov. (Eine neue Kundgebung gegen die rumänische Fremd enge s e tz g e b u n g.) Am 17. September d. I. wurde in Washington die Note veröffentlicht, welche, der

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