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Der Israelit · 1902-11-03 · Heft 87 (3.11.1902) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 87 (3.11.1902)
Date
1902-11-03
Page
– (sequence 4)
Language
German
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1826 * wir sofort erkannten, daß sie nicht ausschließlich an der Oberfläche behandelt; werden dürfen.- Speziell über die diesbezüglichen Zustände in Galizien äußert sich der? Bericht gegenüber den übertriebenen Darstellungen, über den Pauperismus und die daraus. refultirende Versumpfung so großer jüdischer Volkskreise folgendermaßen: »Würden wir die Meinung von der Unabänderlichkeit eines solchen Geschickes gehegt haben, die gleich- . bedeutend wäre mit der Verzweiflung am menschlichen Geschlechte überhaupt, dann freilich hätte für uns die Bekämpfung des internationalen Mädchenhandels keine Bedeutung gehabt. Wir hatten aber diese Meinung von vornherein deßhalb nicht, weil wir die Wider- , standskraft uns vergegenwärtigen, die allezeit den Juden innenwohnte und die auch jenen osteuropäischen Volkstheilen es ermöglichte, Jahrhunderte hindurch widrigem Geschick sich entgegen zu setzen, so daß ihr Verfall nur mit bewundernswerther Langsamkeit sich vollzog. So suchten, wir denn bereits zu einer Zeit, als ein internationales Vorgehen gegen den Mädchenhandel noch kaum geplant war, unseren Bestrebungen eine breite Grundlage zu geben. Eingehende, mit großer Umständlichkeit geführte Forschungen führten zu der feststehenden Ueberzeugung, daß das Werk der Aufrichtung, soweit es der westeuropäischen Beeinflussung zugangig ist, zwar riesengroße und andauernde An- . strengungen erfordern wird, aber aussichts- und verheißungsvoll ist. Indes ein solches Werk, das den Einflüssen der Verwahrlosung und Vernichtung entgegentreten und sie beseitigen soll, wird so gewaltig sein müssen, daß es mit den Kräften eines einzelnen Komitees allein nicht durchführbar sein könnte. Wir . halten die Auffassung nicht nur nicht für optimistisch, sondern für selbstverständlich, daß wir die Unterstützung und Mitwirkung der Judenschaften aller Nationen hierzu finden werden, ja, daß die gesummte zivilisirte Welt, sobald sie die Bedeutung und Tragweite des Unternehmens für die Menschheit kennt, ihm Förderung . wird zu Theil werden lassen. Aus diesen Ueberzeugungen erwuchs die Thätigkeit, von der wir schon im Jahre 1900 berichten konnten, daß weiten Kreisen die Anregung zu einem Rettungswerke, gegeben worden, daß zu diesem Zwecke der . Mener Hülfsverein für die nothleidende jüdische Bevölkerung in Galizien gegründet worden sei, sowie daß . die Einrichtung, eines solchen . in Deutschland bevorstehe.-. 7.; . - Die neueste Etappe dieser fruchtbaren Thätigkeit ist ein am 8. Juni d. I. gefaßter Beschluß: ' »Die Äussendung von Sendschaften zur sittlichen, geistigen und wirthschaftlichen Aufrichtung nach den osteuropäischen Quellengebieten der' Versumpfung gehört zu den wichtigfirn Aufgaben des Komitees. Die Bearbeitung und Durchführung dieser Aufgabe wird dem Komitee anheimgegeben.- —'' - , V . ■ Seitdem sind, wie es in dem Bericht weiter heißt/ die Vorverhandlungen in dieser Angelegenheit bis zu einem bestimmten Grade weitergeleitet, auch sind die Erwartungen nicht getäuscht worden; denn angesehene Damen von hoher Begabung, von nothiger Willenskraft und Ausdauer, haben sich zur Uebernahme des hohen Amtes bereit erklärt und zum Theil noch für diese Mission die Bestreitung aus eigenen Mitteln übernommen. Es drängt uns, schon heute an dieser Stelle wärmsten Dank hierfür auszusprechen. ' ' . Der Bericht faßt das Resum6 seiner Darstellung in folgende Sätze zusammen: »Die internationale Anti-Sklaverei-Bewegung wird gewißlich in allen Ländern dem Wurzelboden interner Prostitution und internen Mädchenhandels die Kräfte zu entziehen bemüht sein. ' v Ferner. wird das Zusammenwirken zahlreicher hochgestellter, gut gesinnter und kenntnißreicher Personen die Schärfung der strafrechtlichen und verwaltungstechnischen Hülfsmittel herbeiführen, die gegen- . über dem durch Freiheit und Entfaltung des Verkehrs, erleichterten Großbetrieb schuftiger Handlungen erforderlich ist. Im Kampfe gegen die alle Kultur und Zivilisation, ja das physische Bestehen unseres Geschlechts untergrabenden Schädigungen werden aber Studium der Ursachen, Wohlwollen And Mitgefühl die edelsten, zuverlässigsten und erfolgreichsten Waffen sein. Um diese Waffen mit immer entschiedenerem Nachdruck führen zu können, wollen wir unsere Stimme überall hinwenden, wo das heilige Feuer der Gesittung und des schmerzerfüllten Mitleids, um die in Elend Versunkenen, die Mühseligen und Beladenen, erglüht. Die Anti-Sklaverei-Bewegung darf nicht ausschließlich. und nicht vorwiegend eine solche der Verfolgung, sie muß vielmehr eine solche der Erlösung sein.-' Der Bericht ist unterzeichnet von den Herren: Gustav Tuch,' Hamburg, Vorsitzender; Ed. Levinsön, Hamburg, Schriftführer; G. Heinemann, Rechtsanwalt, Hannover; Dr. L. Maretzki, . Sanitätsrath, Berlin; Dr. L. Rosenak, Rabbiner, Bremen; Dr. F. Rosenthal, Rabbiner, Breslau; Dr. Ernst Tuch, Generalsekretär, Charlottenburg; Alfred Cohn, M. Deutschländer, Joseph Ritter, Hamburg. "... .' Wir wünschen diesen wackeren Bestrebungen aus vollem Herzen den ersehnten Erfolg und sind überzeugt, . daß es nur dieses Hinweises bedarf, um ihnen die thätigen Sympathien der Leser des »Israelitzu sichern, Bonn. Einen Leidensweg hat der Vikar P. Bernstein gehen müssen. Bernstein ist der Sohn eines Rabbiners in Rußland, studirte Theologie und trat zum Christenthum über. 1883 wurde er in Bonn von dein Professor Christlieb getauft. . Er studirte nach der' Taufe j

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