Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 87 (3.11.1902)
- Date
- 1902-11-03
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2446951-2449795-2449874--56944-2519706- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
- rV;;-t,;V •' ' Ts*»; es fragt sichaber, ob dieser Grundsatz national, oder bloß religiös und deßhalb zu verwerfen ist. Etwas plausibler ist der Hinweis auschen Är»,/ auf 2? '»jfc keine Speisen zu setzen/ - den unsere begeisterten Nationaljuden auch auf Jom-Kippur selbst ausdehnten; denn - ein . ist gewiß etwas Nationales. Der Laie aberdem diese dialektischen Finten nicht zusagend entnimmt jener -Thatsache. einfach die traurige Wahrheit,'-daß der" winzige Tropfen von Nationalduftl dieser. Zionisten in ein ganzes Meer von Judenhaß getaucht ist. Dafür haben sie. die gastronomische Wissenschaft durch Lösung des Problems.-bereichert, - wie. \ Schabbösspeisen an Jom-Kippur schmecken,. und . wer : näheres darüber wissen'möchte, /braucht sich nur an die 1 Berner Zionisten zu wenden«.'' '' w : Es versteht sichnun, daß religiöse Antizionrsten r von 'dem Berner Ereigniß einen neuen Beleg für die; Identität von Zionismus und Abfall vom alten Juden- thum.erblicken.. Objektiv betrachtet würde jedoch diese , Frechheit weder von : allen oder, auch nur von. den; meisten Zionisten gebilligt werden,, noch paßt sie.zur { zionistischen Idee; vielleicht läuft sie dem Baseler Proj gramm, das den Zionismus nichts gegen die Religion \ unternehmen läßt, schnurstracks zuwider. Wohl aber stimmt dieses Verfahren zum / Programm der „Frattion", die sich tatsächlich die Ausrottung der. j Religion zur Aufgabe gemacht hat; in den Fraktionären haben, iwirsomit die grimmigsten und gefährlichsten aller Antisemiten zu sehen, -Es muß ferner zugegeben werden, daß nur. unter dev-Flaggedes. Zionismus,ein. Üehachisjudenthum. dieser > Sorte entstehen konnte. Sonst würden -sich.nämlich auch -diese Schefolim wie ihre'Genossen in aller Herren-Länder am Jom-Kippür in christliche Restaurants einzeln..verkriechen;,denn die. christlichen Restaurateure , fragen gewöhnlich im September, -wann - eigentlich perTag komme,, an dem die „Juden" nur. bei ihnen.speisen dürfen. Daß. aber im Namen des- Judenthums wider das Judenthum gewüthet wird, ist leider ein Produkt des Zionismus.. . . Dr. Iosef Seliger. . ... Wir ' halten Gelegenheit, während der Feiertage einen der Führer innerhalb der zionistischen Bewegung, Herrn Dr. Schauer hier,- über diese Angelegenheit , zu interpelliren und gaben wir ihm auf.Wunsch Kenntniß von Vorstehendem.^.:. Derselbe.bemerkteinun. dazu das Folgende; ... ■/.' --: v ■W . Geehrter Herr Redakteur! / '•. Siehaben in anerkennenswerther Loyalität, mir Kenntnißvon dem obigen Artikel:.des Herrn Dr. Seliger gegeben und mir zu: einer, Nachbemerkung. von meinem - zionistischen: Standp unkt aus Raum gewährt. .. Ich bin in der Verurtheilung des.-Vorgehens,dev Berner „Auchzionisten" .einig.mit Herrn Dr^ Seliger das versteht sich von selbst, — Ich bin auch einig mit _ ihm, wenn er der Ansicht ist, daß die sakrilegische Hand- •.Üss5*k; lungsweise der Berner Herren.dem Baseler Programm der Zionisten schnurstracks, zuwlderläust. Ohne des Weiteren auf die versteckten Angriffe des Herrn Seliger. - auf den Zionismus einzugehen, muß jedoch in schärf-' ster Weise Front gemacht werden gegen die Behauptung, - daß nur unter der Flagge des Zionismus ein Lehachisjudenthum dieser Sorte entstehen konnte. Wie kommt Herr Dr. Seliger zu dieser Behauptung? . Wie will er sie beweisen? Die große Mehrzahl der Zionisten' ist religiös, ihr Zionismus entquillt ihrem religiösen Fuhlen, die Minorität, soweit sie nicht mehr religiös ist, sieht in unserer Religion das Palladium des Volkes Israel, das die nationale Einheit in den 1900 Jahren zusamengehalten hat, in denen eine territoriale Einheit nicht mehr existirtk Und diese selben Zionisten sollten Strömungen begünstigen, die nicht nur irreligiös, nein - direkt antireligiös sind!? Wenn ich mir ünker diesen Ilmständen die gerügte Behauptung des Herrn Dr/ Seliger erklären will, dann kann ich es nur thun, indem ich annehme,. Herr Dr, Seliger sei bei den Antisemiten .in die Schule geangen,. Ihr System der Generalisirung. wendet er wenigstens folgerichtig an, . Man prüfe selbst: ein Jude benimmt sich taktlos, antisemitische Blatter berichten darüber. Ihr Resum6 lautet:- „Es mutz demnach zugegeben werden, daß nur unter der Judenheit. Taktlosigkeiten dieser Sorte möglich Man vergleiche damit die Worte des Herrn Dr. Seliger und wird über die Gleichheit der Methode erstaunt sein, —' r-;'V: - - '' V:**- -• ‘ : . Ich will, nicht weiter, mit Herrn/ 'Dr/. Se?/ liger rechten.' Aber was-' pflegen wir- Judenzu thun, wenn uns. die Fehler eines - Einzelnen von Antisemiten vorgeworfen werden? Wir lehnen die Solidarität mit dem Einzelnes ab.' Und so thue ich es auch hier und bin überzeugt, daß ich allen Zionisten, die es ernst.mit unserer Bewegung meinen,, aus der Seele spreche, wenn ich es sage: Zwischen uns und den. .Leuten, die das religiöse Empfinden ihrer Brüder in' so schmählicher Weise verletzen, wie es die Berner „Fraktionäre" gethän haben, gibt es keine Gemeinschaft. Ihr Zionismus, der das dem Judenthum Heiligste mit, Füßen tritt, ist nicht unser Zionismus, ist überhaupt kein Zionismus. Sehen wir uns nun einmal diese Herren Fraktionäre näher an. Da ist zunächst zu bemerken: sie'sind, eine winzige Minderzahl innerhalb des Zionismus, die. keinen Einfluß haben, und von.denen' man bloß deßhalb so viel hört, weil sie unglaublich viel reden und schreiben^ Es sind junge Rüssen, die auf .deutschen, namentlich. schweizer Hochschulen studieren bezw,..sich studienhalber, in den. HochfchuDhken chrshatten. Ich glaube kaum, 'daß' in der ganzen Fraktion Zwei Deutsche sind. Ich betone in anscheinend Alizionistischer Weise den Umstand, daß die Herren Russell