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Der Israelit · 1902-10-30 · Heft 86 (30.10.1902) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 86 (30.10.1902)
Date
1902-10-30
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Nie die Knaben durch die in Ahlem erhaltene Erziehung dem Hausierhandel entzogen werden sollen und, gleichviel, welchem Beruf sie sich spater zuwenden, zu gesunden, kräftigen und praktischen Jünglingen herangebildet werden, will man bei den Mädchen von frühester Kindheit an nicht nur den Sinn für Ordnung und Reinlichkeit, sondern auch gleichsam spielend die Lust und Liebe für die Arbeit in Haus und Garten erwecken. Man will sie vor überfüllten, schlecht bezahlten und in mancher Beziehung gefährlichen Verufsarten bewahren und sie. durch den Aufenthalt in freier Luft oder den gut ventilirten, sonnigen Räumen des neuen Gebäudes zu gesunden, kräftigen Jungfrauen heranbilden, die im Stande sind, später einen Beruf auszuüben, der sie nicht nur ernährt, sondern sie auch in den Stand setzt, ihre Angehörigen zu unterstützen oder sich selbst Geld zu sparen. R u m 5 n i ml : . Bukarest, 26. Okt. Bei der Ausführung des Gewerbegesetzes ist eine unglaubliche Verwirrung entstanden, da die Regierung einander widersprechende Instruktionen erlassen hat. Unter dieser Konfusion leiden natürlich besonders die jüdischen Handwerker, welche sich die zur Fortführung ihres Gewerbes nothwendigen Zeugnisse von den Handelskammern verschaffen wollen. Die eine Handeskammer ist der Ansicht, daß diese Schriftstücke auch noch nach dem 1./14. Oktober ausgestellt werden können; eine andere behauptet, daß dies der letzte Termin gewesen sei, eine dritte, liefert die Vestallungsbriefe und Arbeitsbücher ohne Vorlegung von Geburtsscheinen, Heimathsscheinen etc. aus, während eine vierte gerade diese als. unumgänglich nothwendig bezeichnet. Die eine Handelskammer verlangt, daß die Handwerker bei ihnen persönlich erscheinen müssen, die" andere läßt eine Vertretung zu u. s. w. In dieser Verwirrung ist nur eins sicher: nämlich, daß die jüdischen Handwerker häufig lange Fahrten machen müssen, viel Zeit und Geld verlieren — ganz abgesehen von dem oft unvermeidlichen Bakschisch— und schließlich doch nicht zu einer sicheren Existenz kommen. Die rumänischen Handwerker scheinen überhaupt keine Neigung zu haben, sich wegen Beschaffung der vorgeschriebenen Schriftstücke in Unkosten zu stürzen. Um den. durch die rumänische „Fremden"-Gesetzgebung hervorgerufenen unhaltbaren Zuständen ein Ende zu machen, empfiehlt der Doyen des Varreau von Bukarest, Herr G. Danielopulo, in einem von . der rumänischen „Advokaten-Zei.tung" veröffentlichten Artikel eine durchgreifende Maßregel, indem er ausführt: ' „Er habe früher die Naturalisation der rumänischen Israeliten nach Kategorien bekämpft und die individuelle Naturalisation empfohlen. Jetzt aber sei er, nachdem die Kammer seit dem Jahre 1869 nicht den zehnten Theil der Juden, welche hätten naturalisirt 1810 werden sollen, naturalisirt habe, zu der UeberzeugunZ gekommen, daß die individuelle Naturalisation eine Ungerechtigkeit gegen diejenigen Juden sei; "die in Rumänien geboren sind. Diese sollten alle als rumänische Bürger erklärt.werden. Diese können nicht in der prekären Lage gelassen werden, in der-sie sich befinden — sie, die sich mit den Freuden und Sorgen der christ-, lichen Rumänen identifizirt Haben und die nach einem so langen Aufenthalte in diesem Lande sich nirgend wo anders hinbegeben können. Das wäre auch grausam, sie zur Auswanderung zu zwingen oder sie in der prekären Lage zu belassen, in der etwa ein Dutzend jährlich naturalisirt wird, während ihrer doch sicher mehr als 50,000 sind. Es ist für die Rumänen selbst nützlich, diesen Akt der Billigkeit zu Gunsten der eingeborenen rumänischen Juden, d. h. derjenigen, die wie ihre Eltern, in Rumänien geboren sind, auszuführen, und es Ist gerecht, die übrigen individuell zu naturalsiren, mindestens 100 jährlich." ' ' > Solche Stimmen finden bei den, jetzigen Regierungsmännern noch immer keine Beachtung. - — Im „Monitor Official" werden unter Gegenzeichnung des Tribunals von Dimboviza die Statuten eines lokalen Spar- und Kreditvereins veröffentlicht, deren Artikel 12 wörtlich lautet: „Mitglied kann jedes menschliche Wesen werden, Juden und Ungarn ausge-, nommen." - W : - - - . v . Briefkasten ver Expedition Nr. 100: Tie Firma Michel & Wolf in Limburg a. d. Lahn liefert koschere Därme. auch Bluger Wein trinken, geht aus einem uns vorliegenden Anerkennungsschreiben hervor, welches Frau Anna Botha an die Firma N. Rothschild in Bingen und Brüssel richtete. Frau Botha schreibt: Lieber Herr! Die von Ihnen gütigst gelieferten Weine waren ausgezeichnet und fanden b,i uns, sowie bei allen unseren Freunden ungemeinen Beifall. Bei unserer Rückkehr nach Afrika werde ich Sie auch unseren Freunden empfehlen Genehmigen Sie die Versicherung, daß ich von nun an meinen ganzen Bedarf in Wein von Ihrem Hause nehmen werde. Ihre ergebene Anna Botha. NB. Das Original ist in englischer Sprache abgcsaßt und befindet sich in.Händen des Herrn N. Rothschild in Bingen a. Rhein. - (7227 Wegen Nichterscheinen unseres Blattes an den Feiertagen, haben sich die eingesandten Correspondenzen derart gehäuft, datz wir wegen Platzmangel genöthigt sind, einen Theil derselben für spätere Nummern zurückznstellen. Bedactiou des „Israelit.“

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