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Der Israelit · 1902-10-30 · Heft 86 (30.10.1902) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 86 (30.10.1902)
Date
1902-10-30
Page
– (sequence 1)
Language
German
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< I I I f: Kenlrat-Hrgan für das orthodoxe ZudentHum. Begründet von v Vr. DehnrÄnn in Wr«r«r. MSB. 43. Ishrgaug. Do«««rftag, d«n SS. Ttsch«1 S««3 30. October 1SSS. X v Ne Me« öbn Me»«. MHim kiiktli. V e r l i n, 22. Oktober. Wen die Voreingenommenheit, Unwissenheit und Lieblosigkeit schmerzlich berührt, mit welcher Juden und jüdische Anliegen so oft von nichtjüdischer Seite beurteilt und verurtheilt werden, für den mag es von. Interesse sein, einmal eine jüdische Stimme über das. ' überlieferte," historische Judenthum und seine Bekenner" zu hören, die an judenfeindlicher Gesinnung, an Beschränktheit und Verbohrtheit jedem nichtjüdischen Antisemiten alle Ehre machen würde. Unwillkürlich beurtheilt man den nichtjüdischen Judenhaß milder, wenn man gewahrt, wie üppig der jüdische im eigenen Lager wuchert. Wie sollte man auch bei Nichtjuden eine Würdigung oder gar Anerkennung von Juden .und Judenthum erwarten dürfen, wenn sie selbst von. Juden in einer Weise versagt wird, die unglaublich schiene, wenn sie nicht schwarz auf weiß vorläge. Ein hiesiges, reformjüdisches Blatt bringt in. seiner jüngsten Nummer einen Aufsatz: „Jüdischer Katholizismus in Westphalen." In diesem Aufsatz werden die Bestrebungen zu discreditiren versucht, welche dem überlieferten, historischen Judenthum, das man gewöhnlich das orthodoxe nennt, die Geister und Gemüther seiner Kinder auf der rothen Erde wiedergewinnen möchten. Der Boden, den das orthodoxe Judenthum in Westphalen bereits errungen hat und der ihm voraussichtlich noch in der Folge zufällt, hat's dem Artikelschreiber angethan und ihn ganz aus dem ^Häuschen gebracht. Dagegen ist nichts zu sagen. Das ist sein gutes Recht, sich so gründlich zu blamiren, als. X er das Vedürfniß danach empfindet. Aber ein bischen gescheidter, anständiger und weniger verbissen hätte er's anfangen können, damit die Angstmeierei vor dem. siegreichen Fortschreitendes orthodoxen Judenthums in Westphalen nicht so grell aus allen Fugen und Kanten seines Herzensergusses leuchtete. Der gute Mann glaubt das orthodoxe Judenthum nicht verächtlicher behandeln zu können, als wenn er es jüdischen Katholizismus nennt. Um dazu zu gelangen, leitet er seine Verdächtigung mit der ungeheuer-, lichen Behauptung ein, es gäbe nicht nur Juden, es gäbe auch gute, überzeugungstreue Katholiken, die fast beleidio^ sind,, wenn man sie nach ihrem Glauben, fragt und zwar .deßhalb, weil ihnen manches nicht daran gefällt. Ich bin überzeugt, daß diese Unterstellung weder bei . Juden, noch bei Katholiken zutrifft und bin nur darüber im Zweifel, ob sie mehr auf Unverstand, oder mehr auf Unwahrheit beruht. Ein - guter, überzcugungstreuer Jude oder Christ schämt sich seines JüdenthumS oder Christenthums nicht. Schämte er sich.' dessen, so . wäre es mit der Güte und Ueberzeugungstreue schlecht bestellt. Daß wir Juden, Katholiken im gewöhnlichen Sine des Wortes seien, glaubt wohl der Erfinder des jüdischen Katholizismus selber nicht. Wenn er aber glaubt, das orthodoxe Judenthum in der öffentlichen Meinung herabsetzen zu können, wenn er ihm den Kosenamen „katholisch" beilegt, so hat er dabei eine recht naive Unkenntniß des jüdischen Schriftthums bekundet, um die ihn Wenige beneiden werden. Vielleicht interessirt es ihn, auf diesem Wege zu erfahren, daß es im jüdischen Tempelheiligthum hohe Beamte hatte, die — horibile dictu — den Namen „Katholiken* führten. Irgend ein mitleidiger, talmudkundiger Freund hat wohl die Güte, ihm das im X. Perek von Masecheth Schekolim im Talmud Jeruschalmi zu zeigen. Daß die Weisen des Midrasch, wenn sie das Ideal ihres Lebens, wenn sie unseren Lehrer Moscheh feiern, ihn geradezu einen Katholiken nennen und wärt-. lich sagen: rra wp'tonp riwo, dafür wollen wir.

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