Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 84-85 (27.10.1902)
- Date
- 1902-10-27
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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alle Hindernisse zu überwinden und ein Bethaus zu errichten, welches eine Trost- und Zufluchtsstätte fiir alle sein wird, die in den Bitternissen des Lebens einer Wicderaufrichtung bedürfen. Das Wort Gottes habe in den Herzen des Judenthums seit ewigen Zeiten freudigen Wiederhall gefunden, in dessen Schatze stets Nächstenliebe und Humanität gelehrt und bethätigt wurde. Die Predigt, theils dem umfassenden Wissen des Gelehrten entspringend, theils recitativ zum Vortrage gebracht, machte auf alle Anwesenden einen mächtigen Eindruck und mit intensivem Interesse folgte die Zuhörerschaft den erhebenden Ausführungen des begabten Redners, der in schöner und vollendeter Weise das Wesen des Allmächtigen und die beseligende Ausübung seiner Lehren zu verkünden wutzte. Unter entsprechender Erläuterung nahm der Rabbiner die Weihe des Ewigen Lichtes, des heiligen Schreines und des Tempels vor, um dann nochmals den Gefühlen des Dankes, der Verehrung und Ergebenheit Ausdruck zu geben, welche diese Gemeinde für den allzeitigen Förderer und Beschützer der grotzen Judengemeinde Oesterreichs-Ungarns empfindet — für Seine Majestät unseren Kaiser und König! Vor der offenen Bundeslade sprach der Rabbiner ein inbrünstiges Gebet für den Monarchen und das Haus Habsburg. Von der Galerie ertönte die Volkshymne; die Stimmung im Bethause war eine freudig gehobene, weihevolle. Der Rabbiner übergab nun die neue geweihte Andachtsstätte ihrer Bestimmung, womit die Feier ihren Abschluß fand. Befriedigt von dem herrlichen Verlauf des Festes verließ das Publikum den Tempel, während sich eine Anzahl Gemeindemitglieder um ihren Priester sammelte, um den ersten Abendgottesdienst im neuen Heime zu verrichten. Von den Repräsentanten unseres öffentlichen Lebens waren zur Feier erschienen: Ihre Excellenzen Civil-Adlatus Freiherr v. Kutschera, FML. Conte Corti alle Catene, die Sectionschefs Baron Benko, Passim, Scnnleithner und Dr. v. Rajner, Generalmajor Schemua, die Hofräthe Hörmann, Trescec und Ludwig. Kreisvorsteher Baron Mollinary, Oberst v. Gaal, Post- und Telegraphendirektor Cimponerin, Obergerichtspräsident Dr. Kengjelic, Kreisgerichtspräsident Riedzwiecki, Regierungsrath Dr. Kobler, Direktor des Landesspitals Dr. Glück,, die Oberstleutnants Bußjäger und Kramaric, Senatspräsident Shek, Oberbaurath Keller, die Landesbankdirektoren Dr. Pokorny und Berkovic, Major v. Bencevic, Berghauptmann Grimmer, Handelsschuldirektor Blazekovic, Obergerichtsrath Tschoffa, die Vicebürgermeister Petar T. Petrooic und Dr. Niec, Oberingenieur Parzik, die Gemeinderäthe Risto' Vessarovic und Jeftan Despic, der Präsident der spaniolischen Gemeinde Salom Effendia Salom, der Präsident der „Lyra" Josef Danon. ferner der Präsident der „Benevolencia" Salvator Salom. Bauunternehmer Jungwirth etc.: Fr an k r e i ch. Paris. (Die Juden in Tunis.) Der frühere Justizminister Senator Trarieux. aus seiner Haltung im Fall Dreyfus bekannt, hat an den Minister des Auswärtigen, Herrn Delcassö, folgenden Brief gerichtet, der ein merkwürdiges Licht auf die Zustände in Tunis und auf die Behandlung wirft, die den Juden jener Kolonie an manchen Orten zu Theil wird. Der Brief ist vom 1. September datirt und lautet: „Verehrter Herr Minister! Der Liga der Menschenrechte sind durch die tunesische Presse und durch persönliche Mittheilungen verschiedene Thatsachen zur Kenntniß gekommen, die kürzlich in Djerba in Tunis sich ereignet haben. Ich halte es für angezeigt, sie Ihrer Kenntnißnahme zu unterbreiten, und ich erlaube mir die Bitte, diese Vorkommnisse einer unparteiischen. Prüfung zu. unterziehen: Einige Eingeborene jüdischer Confession, die nicht in der Lage gewesen sind, die mit dem arabischen Namen „Medjeba" bezeichnete Steuer zu bezahlen, sind nach dem Qrtsgebrauch gezwungen worden, dafür gewisse öffentliche Arbeiten zu verrichten. Da sie diese Arbeit auch am Sabbat leisten mußten, ging ihr „Scheikh" in Begleitung mehrerer angesehener Bürger zum Oberaufseher, der sie nicht nur mit groben Worten empfing, sondern auch bei ihrer Verabschiedung die Hand gegen sie erhoben haben soll. Die Delegirten protestirten gegen die Behandlung, und erhoben Beschwerde beim Generalgouverneur. Eine Antwort darauf ist noch nicht erfolgt, dagegen hat der Generalsecretär der tunesischen Regierung den jüdischen Scheikh feines Amtes entsetzt. Kurze Zeit nach dem erstgemeldeten Ereigniß wurden die angesehensten Juden von Djerba angetlagt, die Liste der von der Medjebasteuer zu befreienden armen Juden absichtlich falsch aufgestellt zu haben. Vom Gouverneur wurden drei Soldaten zu den Angeschuldigten geschickt. Das Erscheinen der Soldaten mitten - in der Nacht erregte in der Bevölkerung des Judenviertels die größte Aufregung. Unter Escorte der Soldaten.wurden die Bürger in das Khalifat gebracht. Hier bewiesen sie mit Leichtigkeit, daß die von ihnen vorgeschlagenen Steuerbefreiungen vollständig gerechtfertigt waren. Darauf verlangte man von ihnen, sie sollten die Unkosten der drei Soldaten bezahlen, was die Herren ablehnten. Daraufhin wurden sie eingesperrt und nach fünftägiger Haft erst freigelassen, nachdem sie sich bereit erklärt hatten, die zuerst verweigerten Kosten zu bezahlen. Die meisten dieser Thatsachen werden nicht nur durch die Eingeborenen bestätigt, sondern auch durch das Blatt „Depeche Tuncksienne", die sie von einem sehr ernsten Gesichtspunkt aus betrachtet. Nach den Mittheilungen der Betroffe-