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Der Israelit · 1902-10-27 · Heft 84-85 (27.10.1902) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 84-85 (27.10.1902)
Date
1902-10-27
Page
– (sequence 11)
Language
German
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nossenschaft fehlte. Der Feiertag zwang zum Schweigen, aber in den Mienen der Geleitenden las man den Ausdruck des Kummers, und es war, wie wenn der eben in der Synagoge gehörte Schmerzensruf: Moscheh mes, mi lau jomus, noch nachklingen würde. Möge die edle Gattin, die, ein Müster von Pflichttreue und religiösem Lebenswandel, ihm bald vierzig Jahre treu zur Seite gestanden, Trost finden in dem Worte des Propheten: ro as» “■ vjwra T.'ra snb 'nw? rr-2' “B\x H jnx atf rw-i v'zrv 212. „Ich werde ihnen in meinem Hause und in meinen Mauern ein Denkmal stiften, und einen Namen, besser denn Söhne und Töchter, einen ewigen Namen stifte ich ihnen, der unvertilgbar ist." Wir aber müssen alle Kräfte zusammennehmen, um die große Bresche, die durch den Hintritt dieses Zadik entstanden, auszufüllen, auf daß das von allen Seiten belagerte Heiligthum auch in Zukunft unser unbestrittener Besitz bleibe. .Tssan Mainz, 26. Oft. Eine wichtige Entscheidung hat das Ministerium wegen eines hier zu errichtenden israelitischen Hospitals gefällt. Das Kuratorium war beim Kreisamt um Konzession für das Hospital einge-. kommen. Dagegen hatten Häuserbesitzer in der Gonsen-. heimer Hohl, wo das Hospital erbaut werden soll, Einspruch beim Kreisamt erhoben, der jedoch als unbegründet abgewiesen wurde. Auf den Rekurs der Hänserbesttzer beim Provinzialausschuß ertheilte dieser ebenfalls die Konzession. Es wurde nun von den Reklamanten die letzte Instanz, das Ministerium in Darmstadt, angerufen und dieses entschied dahin, daß beide Urtheile der Vorinstanz aufzuheben seien, weil es zur Errichtung eines Hospitals, das der Wohlthätigieit diene, gar keiner Konzession bedürfe. Dieser Wohlthätigkeitszweck liege bei der Errichtung des israelitischen Hospitals vor. Nur bei solchen Hospitälern sei eine Konzession nothwendig, bei denen es sich um einen erwerbsmäßigen Betrieb handele. Hamburg, 22. Okt. Die heutige Sitzung der Bürgerschaft fand einen tieftraurigen Abschluß. Der Präsident Siegmund Hinrichsen erlitt, während er eine Erklärung zur Geschäftsordnung abgab, einen Schlaganfall. Sofort waren zwei Aerzte zur Stelle, die der Bürgerschaft angehören, um Hilfe zu bringen, und auch andere Mitglieder brachten alle Mittel zur-Anwendung, das entfliehende Leben festzuhalten. Der mit dem Tode Ringende wurde hinter dem Präsidialtisch niedergelegt und hier, wo er zehn Jahre als Präsident in hochverdienter Weise gewirkt, hauchte er seinen Geist aus. Die Bürgerschafts-Mitglieder und Tribünenbesucher waren tief erschüttert. Die Tribünen wurden alsbald geräumt. Vizepräsident Engel verkündete wenige Minuten nach 9 Uhr das Ableben Hinrichsen's. Langsam leerte sich der Saal von den tieferschütterten Augenzeu¬ 1785 gen des schmerzvollen Ereignisses.. ^Hinrichsen's .aufopfernde Thätigkeit für das . Hamburgische. Gemeinwesen wurde in allen Kreisen: der Bevölkerung allezeit dankbar anerkannt und.sein tragischer Tod wird, überall schmerzliche Theilnahme .er metfeiu Der Art- Ausübung seines Ehrenberufes Verstorbene' war. ersILtnfangs der . sechziger. Er war Mitinhaber der Bankfirma: Hardy & Hinrichsen und in Handelskreisen, allgemein bekannt. Siegmund Hinrichsen war eine von, Mn" Naturen, die man als geborene Präsidenten bezeichnen könnte: Eine durchaus loyale und wohlwollende Gesinnung verschaffte ihm eine Beliebtheit bei allen Parteien, die für den Gang der Verhandlungen von erheblichem Vortheil war. Hinzu kam eine sehr geschickte, den parlamentarischen Formen durchaus gerecht werdende Führung der Geschäfte. Man glaube nicht, daß es in der gesetzgebenden Körperschaft eines so kleinen Staates auf solche Eigenschaften weniger ankomme. Im Gegentheil, da die Verengerung des politischen Wirkungs-. lreises auf den kleinsten Raum die Meinungsverschiedenheiten so leicht in persönliche Gegensätze verwandelt, so verlangt die Leitung einer mit legislativen Rechten ausgestatteten Stadtverordneten-Versammlung, wie es die hanseatischen Bürgerschaften im Grunde sind, einen ganz besonderen Takt. Den besaß Hinrichsen in hohem Grade, und deßhalb war es mit der Zeit selbstverständlich geworden, daß er in jeder. Sessionsperiode zum Vorsitzenden gewählt wurde, obgleich seine Partei, das liberale Zentrum, nicht die stärkste in der Versammlung war. Er hatte die Präsiendentenwürde seit zehn Jahren inne, war aber schon seit mehr als dreißig Jahren Mitglied der Bürgerschaft. Es wird schwer halten, ihn zu ersetzen^ zumal die beiden Vizepräsidenten selbst noch Neulinge in der Geschäftsleitung sind. Die Hamburger Bürgerschaft hat nämlich in ganz kurzer Zejt alle drei Vorsitzenden verloren; auch die beiden vorigen Vizepräsidenten Halben und Dr. Danzel sind erst vor wenigen Monaten gestorben. Siegmund Hinrichsen, ein Vetter des kürzlich verstorbenen früheren Reichstagsabgeordneten M. W. Hinrichsen, stand im 62. Jahre. .Er war früher Direktor: der Norddeutschen Bank und wurde 1879 Mitbegründer der bedeutenden Vankfirma Hardy & Hinrichsen. Hinrichsen war ferner Vorsitzender des Aufsichtsrathes der Hamburger Freihafen - Lagerhaus - Gesellschaft seit deren Gründung; er gehörte zum Äufsichtsrath'der Lübeck-Vüchener Eisenbahngesellschaft, zum Verwaltungsrath der Hammonia-Stearinfabrik, der Gesellschaft Süd-Kamerun und auch der Stadttheater-Gesellschaft und der Philharmonischen Gesellschaft. Er starb, nachdem er lange herzleidend, gewesen, an einem schweren Schlaganfall; es ist wohl das erste Mal, daß eine deutsche parlamentarische Körperschaft durch den Tod des Präsidenten in der Sitzung unterbrochen wurde.

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