Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 92 (20.11.1902)
- Date
- 1902-11-20
- Page
- – (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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r>. m r WM Dtthodoxe ÄuderrkhuMM HI-OM O S E S v> l[ .LM M lNr. 21 2«.Nov.1902Z itcvS-ivn MCI.'. IHBEEatD liMW mmm WHaö8o Skizze von . . . Die Gesellschaft ist ini Salon versammelt. Es wird geplaudert, gelacht, gescherzt. Der Fünfuhrthee bei Frau Bankier Larsen ist allgemein beliebt. Junge Künstler theilen sich ihre ersten, manchmal noch recht bescheidenen Erfolge mit. Angehende Schriftsteller schwelgen in ihrer ersten Lyrik, dazwischen die liebenswürdige, .muntere Hausfrau, die von Einein zum Anderen geht, hier aufmunternd, dort einen lustigen Scherz, oder gar einen ernsthaften Blick spendet, wenn die Unterhaltung gar zu lärmend wird. Eben steht sie unter einer mächtigen Palme, deren große Blätter strahlenförmig ihr Haupt umgeben. Bon blühenden Topfpflanzen, Palmen, Ranken ist hier eine lauschige, gemüthliche Ecke gebildet, gerade Platz für zwei Personen. Auf dem eleganten, modernen Stuhle mit der hohen, schlanken Lehne sitzt ein junger Mann. Die Hausfrau betrachtet ihn aufmerksam. „Hören Sie, Eißner," spricht sie in ihrer liebenswürdige» freimüthigen Art, „was ist denn da los, Ihr Aussehen gefällt mir nicht, ich als alte Frau darf Ihnen das schon sagen. Der müde, verschleierte Blick aus den sonst glänzenden Augen, Ihre blaffe Gesichtsfarbe." „Hören Sie auf," ruft lachend die tiefe, wohlklingende Stimme des jungen Mannes, „ich bin doch kein Wickelkind mehr. Sorgen Sie sich nicht. — übrigens, meine Verehrte, Sie werden verlangt dort drüben am Tische." Und richtig rief man eben, nach der Hausfrau. „Bleiben Sie ruhig hier," spricht sie halb ernst hast, halb drohend, „nachher, wird die Predigt fortgesetzt." Der junge Mann bleibt allein in der Ecke sitzen, und man hat Muse, dieses interessante typische Gesicht' zu betrachten. Die großen dunklen Augen liegen tief hinter der hochgewölbten Stirne und die große, ein wenig gebogene Nase gibt dem Gesichte etwas Muthiges, Kühnes, das starke, fast viereckige Kinn zeigt viel Energie. Und dem ganzen Gesichte mit dem dunklen Kraushaar ist der Stempel seiner Abstammung aufgedrückt. Die Merlzeichen der jüdischen Nasse mit denen der orientalischen vereint. Ein Lächeln steht jetzt auf dem Munde Eißners, wie er den Worten, dem Plaudern seiner Freunde zuhört. Aber ein Lächeln, nicht aus dem Herzen kommend, nein müde, blassirt, übersättigt, fast verzerrt. . Tie Hausfrau kommt eben wieder herüber, um ihren besonders geschätzten Gast zu unterhalten. „Frau Larsen," beginnt er jetzt, doch in diesem Augenblicke öffnet sich die Thllre und herein tritt ein etwa tZjähriger frischer, starker Junge. Suchend läßt er seine Augen im Zimmer umherschweifen, doch das liebende Mutterherz hat ihn bereits entdeckt. „Arthur," ruft sie laut mit Mutterstolz, „komme hierher." , - Mit schnellen Schritten ist Arthur in der Ecke. „Guten Tag, Mutterle," sagte er, indem er sich über die Hand der Mutter beugt und einen Kuß darauf drückt.; ~