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Der Israelit · 1902-10-14 · Heft 82-83 (14.10.1902) · page 44

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 82-83 (14.10.1902)
Date
1902-10-14
Page
– (sequence 44)
Language
German
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TeTLNNBZNschrMeN rmv SsrresNosvevses. > D e u l f ch l a » d. Bo«», 13. Oct. Infolge meines vom „Israelit" so bereitwillig aufgenommenen Aufrufs sind aus allen Theilen Deutschlands überaus zahlreiche Anfragen und Angebote an mich gelangt. Herr I. Bollag- Feuchtwanger in Basel, der Präsident des wackeren Hilfsvereins, bat mich, die Spender von Kleidungsstücken und Schuhwerk zu benachrichtigen, daß sie ihre Gaben an das „Hilfskomitee für arme jüdische Auswanderer" (schweiz. Bundesbahn) S. B. B., Basel schicken mögen. Mt dieser Adresse bezeichnet, gehen alle Gegenstände zollfrei über die Grenze. Geldsendungen, welche sehr erwünscht sind, nehme ich gerne entgegen. Um Portospesen zu ersparen, möge man kleine Beträge in Briefmarken in geschlossenen Briefen schicken. Auch die Redaktion dieses Blattes hat sicherlich die Güte, Geldsendungen entgegenzunehmen und darüber zu quittiren. (Gewiß! Red.) Um bei Kleidersendungen alle unnöthigen Frachtauslagen zu vermeiden, beachte man: Die der Station Bremen näher liegenden Plätze, sollten ihre Sendungen an den „Norddeutschen Lloyd, für das jüdische Hilfskomitee (Gepäckhalle) Bremen" dirigtren. Auch in Bremen mangelt es an warmen Kleidern, weil die dort anlangenden Emigranten gleichfalls sehr arme Leute sind. —. Hinsichtlich der Pässeverweigerung der rumänischen Regierung schreibt man mir: - . .; Die armen Juden werden jetzt ohne Pässe über die Grenze kommen. Es werden dieses noch ärmere Menschen sein, so arm, daß sie zur Erlangung eines Passes ebensowenig Mittel haben, als inerhalb der rumänischen Grenze ihr Leben fristen zu können. Wie sich die Verhältnisse hinsichtlich der . Emigranten gestalten werden, ist schwer vorauszusehen, aber ein „Gebot der N o t h w e n d i g k e i t, auf die Linderung großen Elends sich bereit zu halten." Ich füge zum Schlüsse noch hinzu, daß die Verpflegung am Bahnhöf Basel, für dessen Bestreitung die jüdischen Gemeinden der Schweiz und Nachbarländer geradezu Großartiges geleistet haben — die kleine Gemeinde Chaux-de-Fonds Frs. 1200 innerhalb drei Wochen!, hiervon von Damen 700 Frs. aufgebracht — streng koscher gehandhabt wird. Möchten auch unsere Brüder und Schwestern im Reich gleiche Opferliebe zeigen, wie unsere Stammesgenossen in der Schweiz. Die kommenden Tage werden diese auch noch nothwendig genug wachen. . , Dr. Arthur Kahn. - F ran kr ei ch. Hans, 18. Sept. An einem strengen Winterabend geht die schneebedeckten Straßen der Newgstadt entlang ein Knabe saus couleur, saus regard et sans voix. Sein leichter Sommermantel kann ihn nur wenig gegm die eisige Kälte schützen. Er kann vor Ermattung kaum seinen Weg fortsetzen. Da sieht er einen der Scheiterhaufen. die der Stadtrath von Petersburg Lei besonders strenger Kälte auf den öffentlichen Plätzen anstecken läßt, um den Arbeitslosen, die gezwungen sind, sich auf der Straße aufzuhalten, es zu ermöglichen, sich ein wenig zu erwärmen. Der Knabe will sich der langersehnten Wärmequelle nähern, um seinen von Frost erstarrten Gliedern etwas Wärme zuzuführen. Schon hofft er, wenigstens einen Augenblick sich von all den furchtbaren Qualen, die ihn bedrängen, erholen zu dürfen. Doch — da sieht er dicht am Scheiterhaufen einen Schutzmann, einen brutalen und rücksichtslosen Wächter des Gesetzes, demzufolge nur wenigen auserwählten Juden der Aufenthalt in Petersburg gestattet ist. Dieser Schutzmann wird leicht in diesem ganz entkräfteten Knaben den Juden erkennen und dann wird man ihn gleich Dieben und Trunkenbolden in's nächste Polizeibureau schleppen, um ihn für das so furchtbare, von ihm begangene Verbrechen verantwortlich zu machen, als nicht privilegirter Jude den Boden der Hauvtstadt betreten zu haben, denn, wo es sich um Juden handelt, kennt die russische Polizei weder Rücksicht, noch Erbarmen. Und darum zieht es der bleiche, jüdische Knabe vor, einen großen Umweg, zu machen, um dem Scheiterhaufen und damit auch dem gestrengen Gefetzeswächter aus dem Wege, zu gehen. Die Hoffnung aus etwas Wärme und ein wenig Erholung ist vernichtet. Müde, kraft- und athemlos wandelt er weiter. Am nächsten Morgen habe ich Petersburg verlassen; das heilige, russische Reich ist gerettet! "" - - . - > ' - - Pi. vermischtes. Budapest, Jsrü Chag Jom-Kippur. Am Vorabend zum heiligen Tage ist der als Gaon hador anerkannte Rabbi Sußmann Soker, Verfasser des Jalkuth Elkeser und vieler anderer hebräischer Werke, Qberrabbiner zu Paks, Tolnauer Comitat. im Alter von 74 Jahren plötzlich derschieden. Das Leichenbegängniß findet heute statt. ° Veuedig. (Jüdis che StudentenVerbindung.) Der hier am 5. Oktober getagte internationale Studenten kongreß hat sich, nach erregter Debatte für die Abschaffung von Sonderverbindunaen jüdischer Hochschüler ausgesprochen und sein Votum zu Gunsten der vollen Gleichberechttgung aller Studirenden abgegeben. Die rumänischen Studentert, sowie eine Studentin protesttren gegen diesen Beschluß Verantwortliche Redaction: Oscar Lehmann in Mainz — Expedition deS ^FZraelit". SchottstraßeNr.LMainz.' Druck und Verlag der Joh. Wirth'schm Hofbuchdruckerei Aktiengesellschaft in Mainz» , .

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