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Der Israelit · 1902-10-14 · Heft 82-83 (14.10.1902) · page 37

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 82-83 (14.10.1902)
Date
1902-10-14
Page
– (sequence 37)
Language
German
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1767 habt uns Muthlose dazu angespornt," sagten die beiden Knaben, von wahrer Dankbarkeit erfüllt. Auch Riwka fühlte mit den Knaben; sie gab ihnen noch ein Päckchen Leckereien für die Enkelchen des Wasserträgers mit. IV. Es begann bereits Nacht zu werden. Aus den Fenstern aller Häuser, wo Juden wohnten, strahlte ein Lichtmeer, wie an einem großen Feiertage. Ueberall setzte sich bereits die Familie zu der Purimsude. Auf den Tischen liegen angehäuft Kuchen, Aepfel, Nüsse, . .Süßigkeiten, und dazu fehlen nicht Fische und andere Speisen. Es herrscht hier ein lustiger Ton, man singt Purimlieder, Aurchim, die bei solchem Feste in keiner Familie fehlen, erzählen Gleichwörtlich (Witze). Auch die Kinder sind heute sehr-,glücklich und höchst-zufrieden. Ihre Taschen sind gefüllt mit Spielsachen. Hamantaschen und verschiedenen Konfekten. Indessen öffnet sich jeden Augenblick die Thür. Verwandte und Bekannte schicken Schelach-Monauß; dem llcberbringer wird natürlich für den Weg ein Geldstück in die Hand gedrückt. Alle armen Leute der' Stadt, ungefähr hundert, gehen heute von Haus zu Haus und erhalten eine größere Gabe, als sonst an jedem Freitage. Dann' kollektiren außerdem noch viele Vaal-habatim, die einen für die Jeschiwoh, die anderen für eine herabgekommene Familie, deren Ernährer krank valiegt, andere für eine dürftige Kalloh, oder für den Chasan, oder für Abgebrannte u. s. w. Allen diesen gibt die Wirthin eine Nedowo, dem einen zwei Kopeken, dem andern eine oder eine halbe Kopeke und dazu reicht sie noch Kuchen und einige Lebensmittel, Niemand geht leer weg, und die Kinder helfen noch der Mutter.in der Verkeilung der Gaben. Erst spät in der Nacht beginnen für die Kinder die rechten Lustbarkeiten. Kurz nach der Sude kommen Purimspieler. Beitel, der Musikant, erscheint mit einer . ganzen Truppe. Er selbst verstellt sich als die Königin Waschti, verziert mit vielen Goldpapierstreifen; Chazkel, der Pauker, stellt den Mordechai dar. Schnake, der Beigelträger, ist mit einer Krone versehen und spielt den Achaschwerosch, Schmulke, der Schusterjunge. hat sich als Königin Esther vermeidet, und . Wölfke, der Vadediener, als Haman. Sie alle spielen . die Rollen ausgezeichnet, mit großem Humor und singen und musiziren auch schön. Ja, Puirm ist ein fröhlicher Jomtow für die wirklichen Juden und noch mehr für die jüdischen Kinder, aber nicht für alle, nicht für die Kinder der Armen. In der niedrigen, elenden Hütte einer engen Gasse wohnt auch ein Jude. Dort sind auch jüdische Kinder, die von ihren Großeltern geliebt werden so wie sonst von Eltern. Ist heute dort auch ein so fröhlicher Abend? Zwar flackert heute noch außer dem rauchenden Petroleumlämpchen, das einen trüben Schein wirft. zur. Feier .des Tages ein Kopekenlichtlein/ und : trotzdem ist dabei die Stube in ein'Halbdunkel gehüllt. Auf dem Tische liegen keine Purimkonfekten; nur eine . alte, von Freitag noch aufbewahrte Chälle und eine Schüssel gekochter Stichlinge deuten an, daß heute ein außergewöhnlicher Tag ist; denn sonst .besteht das Abendbrod der Familie stets in Heringen und Kartoffeln. — —- *; V' ■ ' Am Tische sitzt unser Jankel, traurig in die Weite blickend, ihn kümmert nicht das dunkle Licht mit! der trockenen Challe, er würde trotz dieser armseligen Zubereitung in seiner niederen, finsteren Stube sich glücklich gefühlt und einen fröhlichen Jomtow gehabt haben. Das Jüngste, ein fünfjähriges Kind,- schläft - sitzend, das andere seuft und blickt, so oft die Thüre in Folge eines Windstoßes laut erzittert, sehnsüchtig dahin; endlich murmelt es ganz trübe: v- „Ach, die Muhme wird wohl heute nicht mehr kommen."; '• : ' './r : d / " Das älteste Söhnchen, Leibke, sitzt dumpf dahinbrütend mit feuchten Äugen da. Seine schönste Hoffnung, die sich heute erfüllen sollte, hat sich als trügerisch und nichtig erwiesen. Es sind keine Schuhe da, er wird schon so schnell nicht auf die Straße gehen können und nicht in den Cheider, wie alle anderen Kinder. Hätte er doch wenigstens Holzpantoffeln. Aber auch diese würden ihm in dieser Jahreszeit kaum nützen, denn bei diesem Wetter würden sie in dem einen halben Meter hoch liegenden Schnee oder in dem sehr erweichten Lehmboden stecken geblieben sein. Der schreckliche Gedanke,, daß er nun bis zum Sommer in der Stube sitzen müsse, brachte ihn fast zur Verzweiflung, denn der Sommer ist noch sehr fern; und' dann ist es auch sehr unangenehm, immer barfuß herumzugehen/ denn spitze Gegenstände und kleine Steinchen stechen - die Füße. Und weil er so traurig und weinend dasitzt, sind auch die jüngeren Geschwister so mißgestimmt. Und - ihre trübe. Stimmung wird noch mehr gesteigert bei der Erinnerung, daß heute Purim ist, an dem alle änderen Kinder sonst mit Geschenken überhäuft werden. Sie selbst haben es zwar noch nie gesehen, denn wie konnten sie ohne Schuhe jemals am Purim in ein anderes Haus . ' kommen, aber die alte Muhme hat es ihnen am..vorigen Purim erzählt, als sie damals mit freudigem und glückstrahlenden Gesichte mit den Worten in's Zimmer lief: „Kinderchen, ich bring' Euch Schlach-MonaUß". und diese verwundert fragten, was das eigentlich bedeute. Heute ist aber die Muhme nicht gekommen, sir hat auch kein Schelach-Monauß geschickt, denn sie ist auch sehr arm. - ■ •/•>/: ,:K. :,.r;rr.- Doch horch—• was ist das — hastiges. Gehen — und plötzlich wird die Thüre aufgerissen' und herein»; stürzen Jossel und Boruchke; glückstrahlend stellen sie... ein paar neue Schuhe auf den Tischt schütten auch'ein ■*-. Häuflein Kopeken darauf aus, öffnen dann , einen °

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