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Der Israelit · 1902-10-14 · Heft 82-83 (14.10.1902) · page 25

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 82-83 (14.10.1902)
Date
1902-10-14
Page
– (sequence 25)
Language
German
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43. Jahrgang. Miels ZGW sm Sie Ziiknst«. Aufgaben i« Der kegemM. Line ^chenunvAzereth-predigt von Rabbiner Dr. Holzer. M. a. Z. Am Ende einer langen Reihe von Festestagen sind wir heute angelangt, die zu unserer seelischen Läuterung und Stärkung bestimmt waren. Denn wie im Einzelleben des Menschen, so tritt auch im Leben der Gesammtheit, besonders der religiösen Gemeinschaft, das Bedürfniß und die Sehnsucht ein nach Augenblicken stiller Einkehr und freudiger Erhebung, soll der Mensch nicht niederfinken und zerbrechen unter der Last der Sorgen und Mühen des Alltags. So haben auch wir sie erfahren, die herrlichen Tage, die Gott in seiner Gnade uns hat zu Theil werden lassen. Wir haben in ernster Selbstprüfung einem stillen Leben der Beschaulichkeit uns hingegeben an den beiden ersten Tagen dieses heiligen Monats, wir haben der Unrast, dem Stürmen unserer Triebe und Sinne Halt geboten, von allem Irdischen uns freigemacht und dem Ewigen und Göttlichen uns ganz zugewendet an dem hochheiligen Tage der Versöhnung. Nun ist auch die Freude in unser Herz gezogen, um es zu erwärmen und zu beleben, um es zu stärken und zu ermuthigen, mit Lust und Liebe zu erfüllen für des Lebens schöne Gaben, der, Erde Wonnen und Freuden — in den von Gott uns gewiesenen Bahnen der Sittlichkeit. So ist das Werk innerer, seelischer Läuterung und Stärkung an uns vollbracht, Zweck und Absicht der Feste erfüllt; was ist es also, das das heutige Fest uns sein, uns lehren, uns sagen will. Denn, dass es nicht ein Theil des Sukkothfestes ist, das sagt uns ja schon sein Name, sein besonderer Name, der es von .-.wo merklich unterscheiden will, der Name mxr. Das sagt uns aber auch noch deutlicher eine Jahrtausende alte Tradition, die da lautet.: iv» yoa bn wep „Schemini- Azcreth ist als ein besonderes Fest anzusehen." Was bedeutet also dieses Fest, was will es u n s bedeuten? M. A. roxSa ,5a vvb rrnn xna: vew dv2 npyn rü rrtzy „Am achten Tage findet ein Azereth- Fest statt, keinerlei Arbeit sollt ihr an ihm verrichten." Mit diesen dürren Worten ist die Belehrung erschöpft, die die Thora uns über den heutigen Tag bietet. Vergebens wäre unser Bemühen, uns etwas Näheres, Ausführlicheres und Erschöpfenderes über Sinn und Bedeutung dieses n iZV genannten Festes aus den heiligen Büchern selbst zu verschaffen. Ja, noch mehr! Selbst die Quellen der Tradition, die in gar mancher anderen scheinbar minder wichtigen Frage so überreich, so mächtig und überwältigend, dem Meere gleich, sluthen. sie fließen hier nur knapp, schwach und spärlich. Wie wenn die heilige Schrift in unerschütterlichem Vertrauen auf das zarte und feine religiöse Empfinden, das Israel seit jeher auszeichnete, es uns . selbst, unserem Scharfsinn und unserem Feingefühl überlassen und anheimgeben möchte, in diesen geistigen Zusammenhang zu dringen, ihn zu ermitteln und zu erforschen, hat sie es unterlassen, uns eine klare und deutliche Mittheilung hierüber zu geben. Und fürwahr, Israel hat dieses in es gesetzte Vertrauen nicht. getäuscht, Israel hat den zarten, leisen Andeutungen nachzuspüren, sie nachzufühlen verstanden, die in den Zeremonien des heutigen Festes enthalten sind. Aus diesem richtigen Empfinden heraus hat denn auch das. Judenthum schon in ältester Zeit an den heutigen Tag den unmittelbar folgenden „der Gesetzesfreude", der min nnoc? angegliedert, um dasjenige . Geistige, und. Seelische, das Erhebende und Begeisternde, nur noch tiefer und inniger und nachhaltiger auf uns wirken zu lassen, das der heutige Tag in so großer Fülle in sich birgt, in sich trägt. -; A. ‘ ' M. A. Nur im Zusammenhänge mit dem unmittelbar vorhergehenden Feste können wir die tiefere; Bedeutung des heutigen ergründen und erfassen. Nur auf diesem Wege vermögen wir eine befriedigende Antwort zu finden auf eine Frage, die schon die Alten aufwerfen, indem sie sagen: np:m rmnb jns? rjvn mio c*’ v'v'Ln „eigentlich sollte das Azereth-Fest um fünfzig Tage vom Sukkothfeste entfernt sein," wie ja auch das Schabuothfest, das zuweilen auch zna genannt wird, um diese Zeitdauer vom Pesachfeste entfernt ist, worauf sie mit folgendem, recht anmuthigen und lieblichen Gleichniß antworten: „Es lebte einst ein König im Morgenlande, ein großer und mächtiger König.' Er herrschte über weite.Gebiete, viele Länder und Provinzen nannte er sein Eigen, auch mit Söhnen und Töchtern war er gesegnet. Weil ihrer aber gar viele waren, so wies er ihnen Wohnstätten an bis in die entferntesten Theile seines großen Reiches. Eines Tages wollte er ein Familienfest feiern. Er lud alle seine nah und fern wohnenden Kinder zur Feier ein, sie sollten bei ihm sein, standen sie ja alle seinem väterlichen Herzen gleich nahe. Als er sie um sich versammelt sah. da sann er darüber nach, wie er sie ehren, wie erheitern und er» freuen möchte, wie er wohl einem jeden von ihnen ÜNwandelbare,Liebe, und Treue.Und;.Anhänglichkeik' m's Herz prägen könnte/ ' Dä beschloß'er/ ii feffte Jü Ehren eines jeden von ihnen ein besonderes Fest veranstaltet. Glanz und Pracht entfaltet werden. Weil es aber den

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