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Der Israelit · 1902-10-14 · Heft 82-83 (14.10.1902) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 82-83 (14.10.1902)
Date
1902-10-14
Page
– (sequence 17)
Language
German
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HM W'-\ i i i Hlj! iij;| üln ilil! I: 4& Jahrgang. 9-< 66 semitischen Schabernak ansehen, und es einfach nicht- : IMMksllWiMW Äst Ä jetzt -MW?-M-' . . Ü. Der erste Beschluß der Rabbiner-Versammlung von vor 300 Jahren lautet: 1) Im Anschluß an das seit Jahrhunderten bestehende Recht, eigne Gerichtsbarkeit zu haben und mit der Begründung, damit die Juden nicht dadurch, daß sie alle ihre Streitigkeiten vor den staatlichen Richter ' bringen, noch mehr „verschmäht" werden, werden die Gemeinden ermahnt, nur das jüdische Gericht in An- / spruch zu nehmen. Es werden fünf Städte zu Sitzen ' von Gerichtshöfen bestimmt: Frankfurt, Worms, Friedberg, Fulda, Günzburg*) Also, selbst ein Einzelner, der sich in seinem Recht verkürzt glaubt und die Herstellung seines Rechts rascher und sicherer durch Zuhilfenahme eines außer- . jüdischen Gerichts wiederznerlangen hofft, selbst ein solcher hat zur Verachtung der Judenheit bei ihrer nichtjüdischen Umgebung beigetragen, nach Anschauung der Rabbiner von anno 1603. Die Frankfurter Rabbiner-Versammlung von 1902 dagegen zerrt eine internationale, interkonfessionelle Schmach unserer ■ Zeit vor die breiteste Oeffentlichkeit, daß derjenige, der über den fluchwürdigen Mädchenhandel nur aus den; - Frankfurter Verhandlungen des Rabbiner-Verbandes 4 etwas weiß, glauben muß, es handle sich hier wirklich um ein moralisches Gebrechen, das ausschließlich oder doch in erster Reihe der zeitgenössischen Judenheit im Osten Europas anhaftet! Kann man der gesummten Judenheit eine größere Schmach anthun, als es hier geschehen ist? Und wenn es selbst wahr sein sollte, daß das jüdische Galizien einen hohen Prozentsatz zu den unglücklichen Opfern dieses Handels stellte, ist es dann recht, ist es vernünftig, ist es zu verantworten, dieser . . allgemeinen Calamität ihre Allgemeinheit zu nehmen . und sie zu einer spezifisch jüdischen zu stempeln, indem man sie auch nur aus die Traktanden-Liste einer öffentlichen Rabbinerversammlung seht? Wohl haben Judenfeinde in ihrer verlogenen Hetzpresse für diesen Schandfleck unserer Zeit versucht, uns Juden in erster und letzter Reihe verantwortlich zu machen, wie sie dies bei allen Schlechtigkeiten thun, die unter der Sonne verübt werden, aber daß ihnen Rabbiner darin Handlangerdienste leisten, tosic rr vbvsb'x [; rawfr., wenn's nicht schwarz auf weiß in allen Tages- [; zeitungen vor einem läge, man würde es für einen anti- *) In unserem vorigen Artikel gaben wir die Beschlüsse nur? auszugsweise. Der Berf. ' „ ° . " . - .; für möglich halten! , - Gegen diesen unerhörten Chillul Haschem, der -da-- rin besteht, diesen Gegenstand unter die Verhandlungs- , gegenstände einer öffentlichen Rabbinerversammlung, auch nur aufzunehmen, hat nach den mir vorliegenden' Referaten nicht eine einzige Stimme sich erhoben! Wenn die Aeußerungen der antisemitischen Tagespreise auch in Zukunft das Material für die Verhandlungen des Rabbiner-Verbandes liefern sollen, so wird der empfindliche Mangel an Traktanden bald verschwunden sein.'— - - - . v :i -- Aber man sollte doch meinen, wer wirklich diesen' Jammer mir irgendwelchem Erfolg entgegentrxien wollte, der müsse sich über das, was er zu thun und zu lassen habe, nicht aus judenfeindlichen Preßstimmen, sondern aus verreichen Litteratur informiren, die ob-- jektiv und ohne jede Rücksicht auf Religion und Con-> fession diesen heiklen Gegenstand behandelt. Wie wenig: haben sich die Herren der Ausgabe gewachsen gezeigt, die sie in die Hand oder richtiger in den Mund genommenhaben, wenn sie wirklich glauben. Mit schönen Worten und papiernen Thaten wäre diesem . Uebel irgendwie^ beizukommen! . .. -•'..-v.V.'. 44 In fast allen zivilisirten Staaten haben sich die ' Edelsten zu Vereinen, und Congressen zusammengefunden, um diesem Krebsschaden an-dem Körper unse-- rer heutigen Kulturmenschheit . mit Erfolg entgegen-44 zutreten. Mir liegen z. V. in diesem Augenblicke vor:- ‘ 1) Vorschläge des Chevalier van Swinderen in Groeningen an den Congreß von 18M. - 2) Vorschläge des Schweizerischen Frauen-Ko-/ mitee§ „poür l’oeuvre du retevement moral“, für ein künftiges Schweizerisches Strafgesetzbuch.. . - 3) Ein Protokoll des deutschen National-Komitees zur Bekämpfung des Mädchenhandels vom 19. Mai 1900.. . - . .-ü - - -.->-4'..^ .4 4. Das Protokoll des „ lnternational; Congresa on tlie White Slave Traffic. Resolution for a permanent Organization.“ , :V;4/ 4.4->4-.. 4r Alle diese in verschiedenen - Ländern und zu per- - schiedenen Zeiten - auf die Abschaffung des Mädchen-- Handels gerichteten Bestrebungen begegnen sich . ein-, stimmig in dem einen Punkte, daß das Üeöel nicht durch schöne Reden und Versammlungen, sondern lediglich durch legislatorische Maßnahmen zu bewältigen, sei. . Diese Maßnahmen müßten entweder internationaler Art sein, oder die bereits bestehenden Landesgesetz-. gedungen ergänzen und verschärft...*) Die Initiative. *) Auch der Dorffhende des am 7. Ökt.in Frankfurt a. M. ' tagenden Kongresses zur internationalen Bekämpfung desMädcherr» Handels. Herr Uannnerüerr Graf o.5keller. hat in seiner Eröffnungsrede den interkonfessionellen Charakter, der ganzen Veranstaltung ~ ' betont. ' . . ... .... >.- .7

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