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Der Israelit · 1902-10-14 · Heft 82-83 (14.10.1902) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 82-83 (14.10.1902)
Date
1902-10-14
Page
– (sequence 6)
Language
German
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1736 ban(enb der Saat, die Dr. Selig Auerbach s. A. in ihr Herz gesäet hat. Oesterreich. Prag, 10. Okt. Auf Rosch-Haschonoh erschien hier ein Mensch, der sich als Dr. Tischler (er sprach den Namen holländisch Teskle: aus), Rabbiner in Amsterdam ausgab. Er wurde iü der Altneuschul als solcher einmal aufgerufen und war Rosch- Haschonoh, wo unser Oberrabbiner in seiner Wohnung einen Vortrag abhält, erschienen. Da er mir als Amsterdamer Rabbiner bezeichnet wurde, drückte ich ihm meine Verwunderung darüber aus, da, wie bekannt, Dr. Dünner Oberrabbiner in Amsterdam ist, worauf er erwiederte, er sei Unterrabbiner. Von dem Hiesigen - jüdischen Volksverein. wurdL er aufgefordert einen Vortrag abzuhalten. Äei diesem war der Hilfsprediger der hiesigen evangelischen Gemeinde Greis erschienen, der ihn am Schluffe des Vortrages ungefähr folgendermaßen ansprach: „Sie sind ein steckbrieflich verfolgter Betrüger, ein getaufter Jude, ein Missionär." In Folge dessen wandte sich der Obmann des vorgenannten Vereins telegraphisch über ihn an Oberrabbiner Dünner und erhielt die Antwort: „Tischler ist ein getaufter Jude und Missonär." Natürlich war dieser Mensch noch vor Anlangen der Depesche verschwunden. Frankreich. Paris, 6. Okt. Alle republikanischen Blätter ohne Ausnahme freuen sich, daß Frau Zola schließlich doch Alfred Dreyfus gestattete, am Begräbniß theilzunehmen. „Dreyfus", so ruft die „Aurore" aus, „ging gestern inmitten des Volkes von Paris der glänzenden Rehabilitation entgegen,, die ihm gebührt und deren das republikanische Frankreich ebenso nöthig bedarf, wie er selbst? Im „Siöcle" schreibt Aves Guyot: „Dieser Tag war nicht nur eine Apotheose für Zola, er bedeutet die feierliche Rehabilitation von Dreyfus. In den Augen der Nachwelt, welche ihr Urtheil aus der Ferne vereinfacht und verdichtet, wird Zola der Vertheidiger des Dreyfus bleiben, wie Voltaire der Vertheidiger von Calas geblieben ist." England. London, 6. Okt. Am verflossenen Schabbos Teschubah hielt der Chief Rabbi wie altherkömmlich eine talmudische, sehr gediegene Deraschah, und bemerkte man auffallender Weise in der Damengallerie eine elegante Dame mit Dienerschaft. Die von Zuhörern überfüllte Herrensynagoge war noch mehr erstaunt, als man allgemein bemerkte, daß die Dame während des talmudischen Vortrageseine Gemarah vor sich liegen hatte und mit großer Aufmerksamkeit dem Pilpul folgte und am Schluffe das Talmudexemplar einem indischen Mohren-Vedienten übergab. Es war Lady S a s s o o n, die Frau.des indischen Millionärs W. Sassoon (Verwandter des Hauses Rothschild), die den Talmud von Jugend auf studirte. London, 10. Okt. (D e r H a u s k a p l and es Lordmayors.) Mit alten Traditionen räumt man in England und speziell in der alten City of London so leicht nicht auf. Der Lordmayor von London umgibt sich beim Antritte des altehrwürdigen Amtes mit einem veritablen Hofstaate, in welchem natürlich auch ein Vertreter der Kirche nicht fehlen darf, der die Seelsorge im Mansion House zu besorgen und einen sehr stattlichen Gehalt für diese ^.Repräsentations- Pflicht" vom Lordmayor bezieht. Nun ist, wie gemeldet, in diesem Jahre Sir Markus Samuel, ein hervorragendes Mitglied der Londoner Kaufmannschaft, von den Aldermen zum Oderyaupte der City für das kommende Kommunaljahr, das am 9. November beginnt, erwählt worden. Sir Markus Samuel, dessen Vater als vollständig mittelloser deutscher Jude wie Taufende andere nach England auswanderte (seine Mutter war eine geborene Benjamin) und der ein Selfmademan im wahren Sinne des Wortes, ist, ist. ein strenggläubiger Israelit, hat sogar schon eine Sy-, nagoge aus eigenen Mitteln gebaut, ist als Wohlthäter in der jüdischen Gemeinde. Londons geehrt und geachtet, und ist nun als neugewählter Lordmayor gezwungen, sich einen christlichen Geistlichen für das Amtsjahr zu engagiren, der bei allen feierlichen Gelegenheiten um seine Person sein muß. So wird denn auch jetzt unter den amtlichen Nachrichten der City offiziell verkündet, daß Se. Lordschaft der neue Oberbürgermeister für 1902/03 den Reverend James Marn, Vikar von der Sankt Botholphs Kirche in der. City, zu seinem „Hauskaplan" ernannt hat.' Vermischtes. Memel, 30. Sept. Sonntag Nachmittag fand in der neuen Synagoge eine Trauerfeierlichkeit für den verstorbenen Rabbiner Dr. Rülf statt, zu welcher sich eine große Zuhörerschaft eingefundcn hatte. Auch Vorstand und Repräsentanten waren vollzählig erschienen. Die Gedächtnißrede hielt Herr Rabbiner Dr. Car leb ach. — Wie wir hören, lst im Rheinland die Veranstaltung einer großen Gedächtnißfeicr für unfern Heimgegangenen Dr.J. Rülf in Aussicht genommen, und zwar soll sie dieser Tage in Köln stattfinden. Mehrere angesehene Körperschaften haben Deputationen zu dieser Veranstaltung, die noch einmal den näheren und ferneren Freunden sagen soll, was Dr. Rülf gewesen, zu entsenden' beschlossen. ' Altenstädt a. Jll. Züm hier stattgehabten Synagogenjubiläum ist noch nachträglich zu erwähnen, daß aus Anlaß dieser Feier von Herrn Marx aus München ein pracht» volles seidenes Porauckes mit Schulchondecke gestiftet wurde. Das teuere Geschenk ehrt den edlen Spender.. B.

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