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Der Israelit · 1902-09-30 · Heft 78-79 (30.9.1902) · page 20

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 78-79 (30.9.1902)
Date
1902-09-30
Page
– (sequence 20)
Language
German
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1666!er der Welt müssen zum Anlauf des heiligen Landes beitragen. Eine Vereinigung christlicher Frauen und Männer zu diesem Zweck, unbekümmert um Glauben oder Dogmen, könnte eine Republik zu Ehren des Stifters der christlichen Religion erstehen lasten, die berühmten Städte der Bibel zu mehr als ihrer früheren Größe wiederherstellen und das ganze Land durch Einführung unserer westlichen, christlichen Zivilisation wieder erneuern. -Durch den Bau eines sehr notwendigen Hafens in Jaffa, durch Anlegung guter Wege im ganzen Lande und durch eine völlige Entwickelung der wunderbaren natürlichen Hilfsquellen würde Palästina wieder ein Land, in dem „Milch und Honig fließt," und ein Ruheplatz in der ganzen Welt für den an Leib und Seele ermüdeten Pilger werden. Ich bin mir dessen sehr gut bewußt, daß der Ankauf des heiligen Landes nicht ohne Schwierigkeiten vollbracht werden wird, aber 'wir wissen alle, daß kein großes Unternehmen je ohne die Ueberwindung anscheinend unmöglicher Hindernisse vollbracht wurde. Es ist mir bis jetzt schon gelungen, mehrere reiche Leute für den Plan eines Ankaufes Pa- , lästina's zu inieressiren. .Sie haben ihre finanzielle Unterstützung zugesägt, und wenn eine orgänisirte internationale Gesellschaft zur Erhebung der nöthigen Mittel gebildet sein wird, so gestatten sie, daß ihre Namen verwendet werden. Wenn die Gesellschaft gebildet ist, scheinen die Aussichten auf Erfolg durchaus nicht chimärisch. Die Türkei ist arm und die Christenheit ungeheuer reich. Wenn die Christen der ganzen Welt erst gründlich zu der Ueberzeugung von der Notwendigkeit und Pflicht, das Land Palästina unter christlichen Einfluß zu bringen, gekommen sein werden, so wird das Geld reichlich in die Schatzkammern der Gesellschaft fließen. Eine Untersuchung, die jetzt angestellt wird, soll eine annähernde Schätzung des . verlangten Geldbetrages vornehmen. Sobald die Gesellschaft mit genügenden Geldmitteln begründet werden kann, welche ihr das für eine so edle Sache nöihige Gewicht und die Würde verleihen, wird man stch an eine oder mehrere christliche Mächte wenden, damit ste wegen des Ankaufs mit der Türkei im Namen der christlichen Völker verhandeln. Palästina wird dann eine Republik werden: die Mächte werden natürlich seine Unabhängigkeit, Neutralität und Integrität garantiren. Es wird dann ein lebendes Beispiel. des „Friedens auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen".. . Unser Trost ist, daß nicht nur die Augen aller Völker, sondern auch die Augen. Gottes stets auf das heilige Land gerichtet sind. ' .w nn "im w» Tn&t h •mp»;' 8öubö«i 24. Sept. (Englische Politiker übe r d i.e i um anisch e Gesetzgebung gegen, diij Iudcn.) In London erscheint unter dem Titel „A oumanian Bulletin" von Zeit zu Zeit ein Flugblatt, dätz den Zweck hat, auf die Judenverfolgung in Rumänien aufmerksam zu machen. Dasselbe bringt nun in seiner neuesten Ausgabe einige interessante Zuschriften von bekannten Engländern, die wir nachstehend wiedergeben: . . Chamberlain: „Ich bin jeder Verfolgung aus religiösen Gründen durchaus abgeneigt, und ich bedauere tief die unvernünftigen Beeinträchtigungen der jüdischen Bevölkerung in so vielen Ländern. Die Geschichte beweist, daß die Juden, während ste mit außerordentlicher Zähigkeit ihre nationalen Charaktereigenschaften und die Lehrsätze ihrer Religion bewahrten, zu den loyalsten Unterthanen der Staaten gehörten, in denen sie ein Heim fanden, und es ist die Unklugheit einer derartigen Verfolgung fast noch größer, als ihre .Grausamkeit." Sir Charles W. Dilke: „Ich bedauere tief die fortgesetzte antijüdische rumänische Gesetzgebung und ich bin der Ansicht, daß eine derartige Gesetzgebung eine scheußliche Grausamkeit und einen Schandfleck für die moderne Civilisation darstellt."* Herbert Gladstone: „Ich beklage jede Intoleranz gegen Juden, die dem Gesetz gehorchen, ^in welchem Lande sie auch immer wohnen mögen. Ich' kann kaum daran zweifeln, daß die rumänische Regierung ihre Politik noch einmal in Erwägung ziehen und vermeiden wird, Unrecht zu thun." 7 Henry Broadhurst: „Die Rumänen verdanken einen großen Theil, wenn nicht ihre ganze Freiheit den Engländern, und wir haben ein Recht, von ihnen zu verlangen, daß sie Jeden innerhalb Ihrer Grenzen anständig und gerecht behandeln. Meiner Ansicht nach ist es Pflicht unseres Auswärtigen Amtes, Sie in Ihrem humanen Bestreben zu unterstützen." Professor Dicey (Oxford): „Der Vertrauensbruch von Seiten.der rumänischen Regierung erschüttert die Achtung vor Verträgen, welche schließlich die einzige Garantie für die Unabhängigkeit der kleineren europäischen Staaten bietet. Die Austreibung der Juden aus Rumänien ist eine direkte Benachteiligung anderer Länder, die dadurch von fremden, und natürlich verarmten, Auswanderern überfüllt werden." General Booth, Vorsteher der Heilsarmee, läßt mittheilen: „General Booth wünscht seine ernsteste Hoffnung zum Ausdruck zu bringen, daß es Ihrem Komitee gelingen möge, eine Aenderung des Gesetzes vom März 1902 durchzusetzen. Er ist der Ansicht, daß die verfolgten Juden in Rumänien in vollstem Maße auf die Sympathie aller Christen in diesem Lande Anspruch haben." Das von Booth erwähnte „Gesetz vom März 1902" ist das bekannte Gewerbegesetz: - - - '

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