Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 76 (22.9.1902)
- Date
- 1902-09-22
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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1612 dahin geändert ist, daß diese Verordnung die Folgen des Gesetzes ausdrücklich aus snjets d’eiats etrangers beschränkt, die rumänischen Juden also,' die als Unterthanen fremder Staaten nicht in Betracht kommen können, aus der Klasse der Fremden ausschließt und sie den snjets sous piotHrtion loumaiiie zutheilt. Iw dieser Auslegung liegt die Anerkennung, daß man in dem Gewerbegesetz den Juden gegenüber eine nicht haltbare Stellung eingenommen hat. die jetzt durch die Aussührungsbestimmungen. bis zu einem gewissen ^'«rade geändert worden ist. Daß damit die Angelegenheit aus der Welt geschafft worden sei,, wird freilich nicht behauptet werden können, und die Freunde Rumäniens, . die ihm eine ruhige uns gedeihliche Entwickelung wünschen, können sich der Erkenntniß nicht verschließen, daß aus dem gesetzgeberischen Vorgehen gegen die Juden dem rumänischen Staate noch recht viele Nnöequemlich^- keiten und Unannehmlichkeiten erwachsen werden. Eine solche Unannehmlichkeit, die jetzt so schroff in die Er-. scheinung tritt, ist das Eingreifen Amerikas und manche' andere können noch folgen. Die Sachlage ist offenbar die, daß die Rumänen die Juden in ihrem Staate loswerden wolllen. Mag man nun über dies Bestreben denken, wie man will, so wird man doch zu dem Schluffe kommen müssen, daß die Rumänen das gewünschte Ziel auf dem Wege der Schikanen, wie sie im Gewerbegesetz enthalten sind, nicht erreichen werden. Hunderttausend Juden kann man nicht ohne Weiteres in die Donau werfen und auf solche Weise radikal beseitigen. . Man kann sie aber auch nicht zur Auswandrung zwingen, da andere Staaten, wie man jetzt an Amerika sieht, nicht zu ihrer Ausnahme gewillt sind, und weil außerdem bei der Mittellosigkeit der Juden in Rumänien, die zu einer großen Massenauswanderung Notlügen Gelder nicht aufzutreiben sind. Die verschiedenen jüdischen Komitees verfügen ja über recht ansehnliche Mittel, nicht aber über die dielen Millionen, die nöthig sein würden, um eine solche ltluswanderung in die Wege zu leiten. Die Folge davon ist. daß die Rumänen trotz aller judenfeindlichen Maßregeln die Mehrheit ihrer Juden doch behalten werden, zugleich aber sich eine Menge von Unannehmlichkeiten auf den Hals ziehen. Rumänien wird noch recht lange mit seinem Geldbedarf auf das Ausland angewiesen sein, und bei dem Appell an fremde Geldmärkte haben, wie die Dinge nun einmal liegen, die Juden ein Wort mitzusprechen. Es ist unzweifelhaft, daß bei ihnen, solange die Glaubensgenossen in Rumänien schlechter Behandlung ausgesetzt sind, ihre Bereitwilligkeit zur Hebung und Förderung der rumä- . nischen Finanzen nicht eben groß sein wird und daß die Rumänen öfter, als ihnen lieb sein dürfte, an verschlossene. Thüren klopfen werden. Nun wird es vielleicht viele Rumänen geben, die darauf antworten, es / sei ihnen das ziemlich gleichgültig, wenn sie nur dadurch - ihre heimischen Juden los würden, aber gerade dies Ziel werden sie, wie wir oben gezeigt haben, nicht oder ( nur sehr unvollkommen erreichen. Es fragt sich also, wenn man die Frage ohne jede Sentimentalität und ohne jede Rücksicht auf ihre humanitäre Seite betrachtet, ob das Spiel die aufgewandte Mühe und die damit verbundenen Nachtheile lohnt.' Es scheint kaum möglich, diese Frage zu bejahen, und man muß deßhälb gerade im Interesse Rumäniens wünschen, daß es seine Judenfrage in einer Weise erledigt, ^die weitere Einmischungen des Auslandes unmöglich macht und es vor politischen Zwischenfällen, wie der amerikanischen Note und finanziellen Bedrängnissen, bewahrt, die im Gefolge der Judenfrage eines Tages leicht auftauchen könnten." . . \ - — Selbstredend fehlt es auch nicht an Blättern, die. das Ansinnen Amerikas zurückweisen. So schreibt der „Hannoversche Kurier": „Diese Sorge um Civilisationspflichten — anderer ist wahrhaft rührend. Da Amerika zu den Unterzeick nern des Berliner Vertrages nicht gehört, ist die au die Vertragsmächte gerichtete Aufforderung eine eckst amerikanische. Anmaßung, die um so energischer zurück gewiesen werden sollte, je schroffer die Vereinigten Staaten ihre imaginäre Monroe-Doktrin hervorlehren. Die Frage der Emanzipation der rumänischen Juden beschäftigt die Berliner Vertragsmächte seit geraumer Zeit, , die wirthschaftlichen Schwierigkeiten der Lösung dieser Frage sind aber für Rumänien außerordentlich groß. Die bisherigen Vorschläge zu einer wenigstens theilweisen Lösung der Frage haben sich als unausführ bar erwiesen. So hatte Rumänien sich zuletzt bereit erklärt, gewissen hervorragenden Juden das dolle Bür gerrccht zu ertbeilen. Die Vertragsmächte haben diese Lösung aber nicht als genügend anerkannt und der Vorschlag ist darauf von Rumänien zurückgezogen worden. Der Hauptgrund, der Rumänien abhält, den Juden onne weiteres das'volle Bürgerrecht zuzugestehen, ist die Befürchtung, daß bei der ungünstigen wirthschaftlichen Lage der landwirthschastlichen Grundbesitzer in kurzer Zeit der gesämmte Grundbesitz in Rumänien sich in den Händen der Juden befinden würde. Inzwischen äußert aber die fortgesetzte Auswanderung der Juden,, und zwar der wirthschastlich tüchtigsten Elemente unter ibnen, eine sehr ungünstige Wirkung aus die wirthschaftliche Lage Rumäniens, so daß eine baldige Lösung der Judenfrage immer dringender wird und im eigensten Interesse Rumäniens gefunden werden muß — auch ohne Amerikas. Ermahnungen. Reben dem Bestreben, die überhandnehmende rumänisch-jüdische Einwanderung einzud'ämmen, ist bei diesem Eintreten der amerikanischen Regierung für die Inden in Rumänien natürlich hauptsächlich die Absicht maßgebend, jüdische Stimmen für die republikanische Partei einzufangen." Diese Auslassung des Hannoverschen Blattes zeigt, wie man selbst die edelste That in deit - Schmutz zerren kann. '