Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 76 (22.9.1902)
- Date
- 1902-09-22
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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1604 ihnen verschlossen.' In den Städten/ wo sie als gewöhnliche Handwerker oder gemiethete Arbeiter zu leben gezwungen seien,' dürften sie von je einem Arbeitgeber nur in der Weise beschäftigt werden, daß auf einen jüdischen zwei rumänische Arbeitnehmer kommen. Ausgeschlossen von fast jedem Zugang zu den Erwerbsmitteln,, seien sie unfähig,.sich aus der' ihnen aufge-. zwungenen Erniedrigung, die sie erdulden, sich herauszuhelfen und haben keine andere Wahl, als sich nach anderen Staaten zu. flüchten. Die Lehren der Geschichte und die Erfahrung des amerikanischen Volkes hätten gezeigt, daß die Juden in hohem Maße die geistigen und sittlichen Eigenschaften , eines guten Bürgers besäßen. Keine Klasse sei in Nordamerika mehr willkommen, wenn sie nach Körper und Geist geeignet sei, amerikanische Mitbürger zu werden; aber die Regierung der Unionstaaten könne zu dem internationalen Unrecht nicht schweigen vnd müsse durchaus gegen die Behandlung der Juden in Rumänien Widerspruch erheben, nicht allein deßhalb, weil sie einen unanfechtbaren Grund habe, gegen das daraus entspringende Unrecht gegen' die Unionstaaten selbst Einspruch zu erheben, sondern im Namen der Menschlichkeit. Die Unionstaatcn könnten nicht in autoritativer Form an die Abmachungen des Berliner Vertrages appelliren, bei dem sie keine unterzeichnende Macht, waren und nicht hätten werden können, aber sie berufen sich ernstlich auf die Grundsätze, die in dem Vertrage aufgestellt seienweil es die. Grundsätze des internationalen Rechts und der ewigen Gerechtigkeit seien und weil sie die umfassende Duldung, die jener feierliche Pakt enthalte, verfechten und bereit seien, moralische Unterstützung zu dessen Ausführung durch die Unterzeichner zu leihen, denn das Vorgehen Rumäniens selbst habe die Unionstaaten den unterzeichnenden Mächten als in dieser Hinsicht interessirte Partei tbatsächlich zugesellt.- Newyork, 19. Sept. Die Blätter aller Parteirichtungen unterstützen Hay's. Protest gegen die Judenverfolgungen in Rumänien. „Mail and Expreß" sagt, dieselben seien ein Schandfleck für die zivilisirte Welt. „Evening Post" bezeichnet die Note als ein beredtes Playdoer. für Humanität und Gerechtigkeit. „Commerciäl Advertiser" erklärt, der Berliner Vertrag werde von Rumänien in flagranter und krasser Weise verletzt. London, 20. Sept. Der Berliner Korresvondent der „Morning Post" erfährt Folgendes: Die britische Regierung richtete an die Signatarmächte des Berliner Vertrages über die antisemitische Gesetzgebung Rumäniens eine Nöte, die ähnlich wie die amerikanische Nöte lautet.''Auf der Basis der amerikanischen und der britischen Note schwebe ein Meinungsaustausch zwischen denKabi'neten verschiedener Mächte. In diplomatischen 'Kreisen Berlins werde augenscheinlich' erwartet, ' daß Rumänien, ohne das Ergebniß der schwebendendiplo- ~ malischen Schritte abzuwarten, die Beschuldigung der Union, den Berliner Vertrag yerletzt zu haben, beantworten werde.'.Sollte die Antwort sich darauf beschränken, die Behauptung, daß die Juden schlecht behandelt werden, zu bestreiten, so dürfte sie von der Mehrheit der Mächte nicht angenommen werden. Obwohl die Haltung der deutschen Regierung noch nicht definirt sei, so sei es doch wahrscheinlich, daß sie mit der amerikanischen Aktion sympathisire, keinesfalls aber würde sie eine leitende Rolle in den Erörterungen, die jetzt zwischen den Kabinetenim Gänge, seien, übernehmen. Die identische Nötewelche das Kabln et von W a s h i n g t o n wegen der Behandlung -der Fremden in Rumänien an die Berliner Signatürmächte gerichtet hat, liegt nun im Wortlaute vor. Gestern, als nur erst die bloße Thatsache ihrer Existenz bekannt war, konnte man sich noch damit begnügen, das Ereignist selbst, daß die große transatlantische Macht sich gedrungen fühlt, die europäischen Größstaaten an eine Pflicht der Gerechtigkeit und Humanität zu mahnen, auf seine Tragweite abzuschatzen. Heute, bedarf es eines höheren Maßstabes, um die tiefe Wirkung, welche von der ungewohnten Sprache dieses Aktenstückes ausgeht, ganz zu empfinden. Das ist kein diplomatisches Dokument, welches den Wust üblicher internationaler Noten in gewundenem Styl und behutsamem Gedankenäusdrück um eine neue vermehrt; das ist ein feierliches Dokument der Civilisation von Unwiderstehlich schlichter und gradsinniger Beredtsamkeit, unter deren überzeugendem Eindrücke man sich des beschämenden Gefühls nicht erwehren kann, daß von europäischen Regierungen eine solche Sprache ' schon, lange nicht vernommen worden ist. So undiplomatisch groß und klug, im einleuchtenden Tone der Wahrheit und des unbefangenen Menschenverstandes haben einst die Begründer des gewaltigen Staatswesens da. drüben, die ersten Präsidenten Washington, Jefferson und Adams gesprochen, und uns diesseits des Ozeans im kulturstolzen Europa des jungen zwanzigsten 'Jahrhunderts ist es schier, als ob eine ganz andere, eine bessere Welt zu uns redete, so sehr haben wir es verlernt, der aufrichtigen und klugen Sprache des Herzens im internationalen, diplomatischen Verkehr zu begegnen.' Da drüben unter dem Sternenbanner ist wirkliche Gleichberechtigung Aller, die der Staat in sein Bürgerrecht aufnimmt, und nicht blos der Schein der Gleichberechtigung. welche, wenn sie angerufen wird, ein Minister im besten Falle mit dem akademischen Hinweise auf den Buchstaben der Verfassung zu wahren. verspricht. Da drüben ist der Staat' der wirkliche Schuß- Herr.^ der Alle in gleicher Weise umfassenden Mensch?, lichreit; "oie wedex nach ständischen noch nach 'konfessio- ' nellen Unterscheidungen seinen Angehörigen zugeryesseir