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Der Israelit · 1902-09-18 · Heft 75 (18.9.1902) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 75 (18.9.1902)
Date
1902-09-18
Page
– (sequence 11)
Language
German
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ArUrrrrgSuachrichte» und Correspsnden;»«' Deutschland. Mainz, 17. Sept. Die „Israelitische Rundschau" behauptet, daß Herr Willy Bamblls, Berlin, der Verfasser des in unserem Blatte erschienenen Artikels über die Kolonialbank gewesen sei. Auf Wunsch des Herrn Bambus stellen wir fest, daß diese Behauptung jeder thatsächlichen Begründung entbehrt. Posen, 16. Sept. (D er neue Bürger - meiste r.) Nachdem Oberbürgermeister Witting sich endgiltig entschlossen hat, seinen Posener Posten aufzugeben, wird die Frage seiner Nachfolgerschaft akut. Hierüber verlautet nun: Der Stadtvcrordneten- Norsteher wird nach den Vorschriften der Städteordnnng die Stellung ausschreiben lassen. Die Ausschreibung wird jedoch nach der Sachlage nur eine rein formale sein, denn, die Stadtverordneten (29 liberal, 9 Polen) sind in ihrer Mehrheit schon jetzt einig dahin, ihren Vorsteher, Jusjizrath Dr. Lewinski. zum Oberbürgermeister zu wählen. So viel verlautet, würde von dessen Seite eine Ablehnung nicht zu erwarten sein. In welcher Weise die Bestätigungsfrage erledigt werden solle, ist noch nicht sicher: doch zweifelt Niemand daran, daß die Bestätigung schließlich erfolgen wird. Der Mitdireltor der Nationalbank. Herr Mitling, hinterläßt der Stadt Posen eine teichliche Schuldenlast, denn es ist aus einer Anleihe in die andere qewirthschaftet worden. Herrn Justizrath Lewin skf als Mitting's Nachfolger geht der Ruf eines sparsamen Mannes voraus. Lewinski ist Jude und vielfacher Millionär. Bärlvalde i. Pom., 16. Sept. Die hiesige Synagoge ist in der Nacht vom 23. zum 24. v. Mts. ausgeraubt worden. Die Tempelräuber haben eine der großen Fensterscheiben an der Gartenseite heransgenommen und. an der äußeren Tempelwand auf die Erde gestellt, sind dann eingestiegen und haben alles, entwendet. was ihnen auch nur irgend einen Werth zu haben schien. Es fehlen ein Regulator, ein silberner Becher, das Barett und der Mantel des Vorbeters, ein in Silber und Gold gestickter Vorhang im Werthe von 200 bis 300 Mk., andere Vorhänge und Teppiche, eine Altardecke aus rothem Plüsch, verschiedene Gebctmäntel, darunter kostbare Exemplare, die zum Theil Erbstücke waren, und sogar drei in einem besonderen mit Glasdeckel versehenen Kasten angebrachte Kriegsdenkmünren verstorbener jüdischer Gemeindemitglieder. Man glaubt, , den Verbrechern auf der Spur zu sein. ,j..; — Ein Theil der aus der hiesigen Synagoge vor drei Wochen geraubten Sachen wurde'heute an der Eisenbahn-Neubaustrecke, wo dieselbe die Polziner Chaussee schneidet, gesunden. Es waren dies einige Decken, sowie ein Theil des Vorhanges, von. dem man die Gold- und Silbertressen aber abgetrennt, sowie die Goldstickerei herausgeschnitten hatte. Die Sachen , wurden'von Eisenbahnarbeitern, die an der Stelle Erde fortschofften, gefunden. . -;; . , - A ' Rutzl a n d. ' - - Czenstachau, 16. Sept. Ueber die judenfeindlichen Turnulte dahier bringt die „Schles. Ztg." folgende ausführliche Schilderung: Am Donnerstag um 40 Uhr Morgens verbreitete-sich in der Stadt das Gerücht, eine christliche Frau wäre von einem jüdischen Obsthändler; mißhandelt worden, da die Frau gekauftes Obst als verfault und ungenießbar zurückgewiesen habe. Es hatte in der Thal auf dem Obstmarkt ein Streit stattgefunden, bei welchem die Frau - von dem jüdischen Händler arn mißhandelt wurde, so daß sie sofort, in's Krankenhaus gebracht werden mußte. Der Gatte dieser Frau erregte nun durch sein Jammern und Klagen die Volksmenge derart, daß sofort in der ganzen Stadt eine vollkommene Judenhetze entbrannte. In die Fenster und Thüren der jüdischen Wohnungen und Läden wurde mit schweren Ziegel- und Pflastersteinen geworfen. Wo sich ein Jude auf der Straße sehen ließ, wurde er sofort mit Messern und Knütteln bearbeitet. Die beiden Synagogen, sowie die jüdische Schule enthielten binnen kurzem keine ganze Fensterscheibe mehr. Als nach mehreren Stunden endlich Militär heran- rückte, wurde es ein wenig ruhiger. Am Abend jedoch wurde der Tumult noch viel ärger. Auf dem „Neuen Ringe" versammelten sich mehr als 2«W Menschen. Mit Mühe gelang es den Soldaten, das Volk ausein-- ander zu treiben. Auf dem „Alten Ringe" und in den sich daran schließenden Gassen, welche zum größten Theil von Juden bewohnt sind, schritt das Militär'nur. zeitweise ein und zog wieder ab, sobald in seiner Gegenwart keine Excesse vorkamen. So konnten dann die Aufrührer ungehindert ihre Wuth auslassen. Die Verkanfsläden wurden aufgebrochen, die Maaren auf. Straßen geworfen oder. fortgeschleppt. Militärische Patrouillen kamen nur vereinzelt an, wurden aber oft von der schreienden und mit Steinen werfenden Menge zurückgeschlagen. Mehrmals sah sich das Militär.zum Gebrauch der Feuerwaffe genöthigt, wobei fünf. Menschen erschossen wurden. Auch unter den Revoltirenden sah man einzelne Büchsen und Karabiner blinkem Um 6 Uhr Abends verbreiteten sich Feuerrufe durch die Stadt. Die Panik war furchtbar. Niemand glaubte sich mehr seines Lebens sicher. Es brannte indessen nur an einer Stelle in der Nähe des „Alten Ringes", und die Feuerwehr brachte den Brand bald zum Verlöschen. Vis ties in die Nacht hinein tönten. Schüsse ünd^ wilde Rufe durch die Stadt. Die christlichen Familien stellten brennende Kerzen und Heiligenbilder in die Fenster und hielten auf diese Weise die Tobenden von sich fern. Der Gouverneur von Petrikau, welcher noch

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