Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 75 (18.9.1902)
- Date
- 1902-09-18
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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mir zu Tische, fragte ich es, wie sein Vater heiße. Seine Antwort lautete: „Ich weiß nicht , wie Papa heißt; er ist zu Hause krank." Kurz darauf erzählte sie aber: „Papa ist in Ansbach von der Polizei kontrolirt worden." Auf meine Bemerkung, er sei doch zu Hause krank, erwiederte sie: „Ich bin so an Papa gewöhnt, daß ich ihn mit dem andern Herrn verwechsle." Nach Angabe des Mädchens führen die Leute auch ziemlich Geld mit sich, ließen sich auch Ende Juli, als sie hier waren, öfters Kleingeld in Zehn- und Zwanzig- Markstücken wechseln. ' . Der Kassirer der isr. Armenkasse in Windsbach. gr e tt 111 et ö fi. Are jüdisch-portugiesische Gemeinde in Kamöurg. 8. In der Mitte des 16. Jahrhunderts war Hamburg nach Amsterdam die Stadt, wohin sich die aus Portugal auswandernden Juden wandten. Nach der großen Vertreibung waren in dem einstigen Lusitanien wohlbegüterte und angesehene Juden als Scheinchristen zurückgeblieben. Aber trotz des materiellen Wohlstandes, dessen sie sich erfreuten, war ihre Existenz dort eine gefährdete, denn die Inquisition, deren Häscher in jederlei Gewand und unter verschiedenster Gestalt überall waren, alles sahen und hörten, hatte. es bald herausgebracht, daß diese Neuchristen nichts anderes als Scheinchristen waren, und daß das, was nicht öffentlich bekannt werden durfte, im Geheimen belannt und gelehrt wurde, daß in manchen Palästen, in deren Vestibül ein auffallend großes christliches Symbol dem Auge des Besuchers sich aufdrängte, eine geheime Thür zu einem kleinen Raume führte, der die Einwohner des Hauses zu gewissen Zeiten sah, und in dem man vornehmlich das Sch'mah Jisroel hören könnte. Und nun hatte die Inquisition ein ergiebiges Feld für ihre Ernte, viel waren der Opfer, welche fielen, die eine Unvorsichtigkeit mit ihrem Leben büßen mußten, und deren Vermögen dem Staate und der Kircheverfiel. Auch das Grab gewährte dem geheimen Bekenner des Judenthnms keine Ruhe; war einer nach dem Tode des Judaismus angeklagt worden, so wurden desien Gebeine aus der Erde gerissen und den Kindern wurde das väterliche Vermögen konfiszirk. . Unter solchen Umständen suchten die Scheinchristen, die ihr Judenthum nicht aufgeben und es ihren Kindern bewahren wollten, dem für sie ungastlichen Lande und der ewigen Gefahr, in der sie um ihres Judenthums willen lebten, zu entkommen.' Das war aber nicht leicht, denn die Auswanderung war ., ihnen - mit wenigen Unterbrechungen, verboten, und so mußten sie suchen, auf Schleichwegen zu entkommen. -Mit.Hilfe von Schiffern, die für eine gute Bezahlung ein richtiges. Verständmtz hatten, wurde nun die Auswanderung in's Werk gesetzt. Die Ansiedelung der portugiesischen Juden -in Deutschland bespricht Dr. M. G r u n w a l d in einer 160 S. umfassenden trefflichen Schrift,*) die Uns recht interessante und werthvolle Beiträge zur Geschichte der Juden bietet. Sie enthält ein reiches, .wohlgesichtetes Material, das von dem großen Fleiße des Verfassers ein rühmliches Zeugnitz ablegt. ■■■!. . Das Buch gibt viel mehr, als der Titel verspricht; allerdings sind die Grabinschriften, d. h. vorwiegend die Namen der Gräberstätten hier wiedergegeben, aber au sie reiht sich die Darstellung der Geschichte der Gemeinden an, für welche aber auch ein sonstiges, reiches' Aktenmaterial ausgenutzt ist. Von den Gemeinden Altona, Hamburg, Glückstadt, Emden hat jetzt nur noch Hamburg eine portugiesische Gemeinde, und . veßhalb hat ihre Geschichte für uns das meiste Interesse.- Jni Jahre 1683 siedelten sich hier portugiesische Judenunter der Maske des Katholizismus an, die sie aber bald. abwarfen. Diese Einwanderer dürfen ein. redlich An--- theil an dem kommerziellen Aufschwung Hamburgs be-- anspruchen, denn einmal setzten sie ihre großen Geld-' mittel, über die sie verfügten, in den Stand/ sich bei großen Handelsunternehmungen zu betheiligen, oder auch selbstständig vorzugehen, andererseits konnten ihre ' Beziehungen zum Mutterlande — Italien, Spanien, ' Türkei, Marokko — der Ausbreitung des Handels nür^. von Nutzen sein. An der Gründung der Hamburger Bank wären an vierzig jüdische Familien betheiligt und/ wir finden unter anderen die Namen: Da Costq, Dä Vega, De Castro, De Lima, Gomes, Nunes, Rodrigues de Paz u. s. w. Mag man auch das Vermögen mancher, wie das De Pinto oder Teixeira, etwas zu fabelhaft . eingeschätzt haben, daß aber viel Geld durch diese Einwanderer nach Hamburg kam, ist sicher. Mancherlei Gewerbe sehen wir sie betreiben; . es werdenGoldschmiede, Steinschneider, Tabakspinner, Zuckersieder, / Zuckerhändler, Mehlhändler, Makler in den Gemeinde-'/ büchern angeführt. Auch an der Schiffsrhederei waren ' sie betheiligt, und ihnen ist zum Theil das Aufblühen der Altonaer Grönlandsfahrt zu verdanken. . . - Doch wurde ihnen auch in Hamburg das Leben nicht allzuleicht gemacht, und wenn sie auch nicht mein? Ghetto eingesperrt waren, so legte der Senat ihnen doch in Bezug auf Handel und Wohnen auf Betrieb?: der Geistlichkeit, die sie am liebsten aus der Stadt, trotz aller Vortheile, u\t diese von ihnen hatte, ausgehnesen<. hätte. Schwierigkeiten in den Weg. ^Mer das *) PortuglesengrLber auf deutscher Erde. Beiträge zur Kultur- und Kunstgeschichte. Hamburg 1902. Janssen.