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Der Israelit · 1902-09-15 · Heft 74 (15.9.1902) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 74 (15.9.1902)
Date
1902-09-15
Page
– (sequence 6)
Language
German
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1564 theilgenommen. Janda wurde amZ.April der Jrren- . anstatt übergeben' und. daselbst vom Polizei-Oberkommissär Clic verhört. Er gab an, an dem Orte der Mordthat anwesend gewesen, selbst aber mchr der Mörder zu sein. Gleichzeitig wurde bei Janda eine Hausdurchsuchung vorgenommett und bei demselben blutbespritzte Kleider gefunden. Eine Hose wies sechs kleine ' Blutflecken auf, während der untere Theil des dazugehörigen Rockes 14' Blutflecken zeigte. Ferner bemerkte man, , daß mehrere größere Blutflecken ausgewaschen waren; auch auf einem Geldtäschchen entdeckte man Blutflecken.. Nach der Entlassung auS dem Jrrenhause wurde JNnda verhaftet. Beim Verhöre antwortete er auf die Frage/woher die Vlutspuren rühren, es seien keine; wenn es aber doch welche wären, so sei er wahr- I scheinlich von dem Thäter mit Blut bespritzt worden. Beim Verhöre suchte Janda alle Schuld auf seinen Schwager Jost zu schieben. Janda ist als Wüstling und Trunkenbold bekannt. Der zweite Kamerad Hilsners, der vor wenigen Wochen in' der' Strafanstalt Mürau irrsinnig geworden ist und nun in die Sternberger Irrenanstalt gebracht wurde, ist der 22jährige Glasschleifer Vincenz Zelinger, der eine dunkle Vergangenheit hinter sich hat. Umso merkwürdiger war es, daß Vjncenz Zelinger in der Nacht des Mordes vom 29. auf den 30. März, gegen 3 Uhr., morgens, ohne Hemd nach Hause kam, seine Quartiergeberin weckte und " . von ihr Darmes Wasser , zum Waschen forderte.^ Von.. . diesem Faktum ist aber weder in den Prozeßverhandlungen von Kuttenberg, noch fn Pisek Notiz genommen wordene Ein Uebersehen, welches 'mindestens io be-- fremdlich ist, wie die Gleichgiltigkeit, welche man den seltsamen. Aeußerungen. Carl Jandas über . die. Provenienz der an seinen . Kleidern gefundenen Blutflecken ' entgegensetztes\ r : - .. Der Dritte endlich, der vor kurzem in die Nacht des Wahnsinns verfiel, ist Franz Jost, der Schwager . des Carl Janda. Auch Jost wird als ein Trinker ge- ' schildert, und Ls; ist nicht unmöglich, daß er vom äeUrluiu tremens befallen wurde. Allein in diesem Delirium hat Franz Jost . Aeußerungen gethan, welche eine ganz merkwürdige Ähnlichkeit mit jenen des Carl . Janda haben.und die wohl geeignet sind, die Aufmerksamkeit der-Behörden auf sich zu lenken. Als die Tobsucht bei Jost .ausbrach, begann er zu schreien: „Ich habe die Anezka nicht todtgeschlagen! Jetzt kommen die Gendarmen auch zu uns! Wir werden alle gehenkt * . werden!"' Als,man der Schwiegermutter Jost's, der Frau Janda, ,die Nachrichtauf das Feld brachte, daß ihr Schwiegersohn verrückt geworden sei, erbleichte , sie * und rief auS; Mein Schwiegersohn hat nicht das Blut - auDgegossenlW haben dip /Juden gethan." . //, . Es. ist begreiflich,' 'daß das hier.wahrheitsgetreu Erzählte die Justizkreise, zunächst in Oesterreich, sodann auch in der ganzen gesitteten Welt, in Athem halt. T] Man sieht sich bereits jetzt veranlaßt, : auf Grund der vorstehenden Thatsachen eine neue gerichtliche Unter- . suchung zu befürworten. Hoffentlich wird diese erneute gerichtliche Untersuchung Licht in die dunkle Mordthat und das alte Wort zu Ehren bringen, „daß die Wahr-- heit groß ist und obsiegen wird.". .. / . r-V- R u in § n i e n. . Bukarest, im Sevt. Simon Lubin, von der Howard-Universität in Cambridge, weilt gegenwärtig in - Rumänien, um die rumänischen Juden im Lande zu - studiren. Einem Interviewer gegenüber äußerte er sich. - daß die Juden fleißig und-arbeitsam feien; sie seien auch assimilirter, als die östlichen Juden. Es wandern auch bessersituirte Juden nur aus dem Gründe aus, damit ihre Kinder freie Bürger eines freien Staates würden. Befragt über das Leben der rumänischen Juden in Amerika, sagte Lubin, daß die Einwanderer'sehr rasch Englisch lernen, aber untereinander in ihrem Jargon verkehren. In den Straßen Ncw-Iorks sehe man ' oft rumänische Namen, rumänische Firmen und rumä- ' nische Manifeste. Die rumänischen Juden haben auch viel dazu beigetragen, um die Tamanhwirthschaft zu. ' stürzen. Die zweite Generation sei schon ganz amerikanisirt. Er halte die Juden für ein überaus Werths volles Einwanderungselement. Newyork sei allerdings gesättigt, aber Boston, Philadelphia, Chicago könnten noch viele Einwanderer.aufnehmen, von den östlichen., Territorien ganz abgesehen, m denen noch Lausende " eine sichere Existenz finden könnten. Unter - den 300.000 . - Newyorker Juden seien nach seiner Schatzung 25.000 . Rumänen. ' Jnolvrazlaw, 1. Sept. Heute ist ein selten schönes Fest in der Wohnung des Rentiers Herrn Moritz. D o b.r zy n.s k i gefeiert worden.- Es war der 80. . Geburtstgg dieses Herrn, der im engsten Kreise von seinen Kindern, Enkeln und Eselinnen, sowie sonstigen Verwandten und Freunden beglückwünscht wurde. Zu diesem Feste wurden dem Jubilar zahlreiche Ovationen dargebracht, die ein genügendes Zeuzniß von. seiner Verehrung und Hochschätzung gebe», die man in unserer Stadt dem Jubilar allseitig-.entgegenbringt. Außer den zahlreichen Glückwunschschreiben - und •' Telegrammen waren am Montag Vormittag zur Gra- - tulation in dessen Wohnung Herr Rabbiner Dr.Kohn, die Mitglieder des Synagogenvorstandes und des Repräsentantenkollegiums der jüdischen Gemeinde, ferner . die Mitglieder... des jüdischen Forschungshauses, mit ‘ ihrem Seelsorger. Herrn Rabbinatsassessor. Dr. Tietz.... und endlich noch Gönner und /Bekannte erschienen.'^/. Herr Rabbiner Dr. Kohn richtete im Namen der Synagogengemeinde 'reichfherzli^/warm.empfünknNe-Woxte-,^"/' an den Jubilar^ V /;j / .i ■ i

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