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Der Israelit · 1902-09-11 · Heft 73 (11.9.1902) · page 25

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 73 (11.9.1902)
Date
1902-09-11
Page
– (sequence 25)
Language
German
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i/nm l-OAA OS i A ROh^p lUBcpt 1902.] lRr. 17 SkUh ferfriiirilEStP] AMM Bortrag, gehalten in der jüdischen Gemeindebidttothek in Nürnberg. Von vr. meä. TheoLor Werlhrimbev. ZMr! . ...... - I. . . . -/ - . In unserer Zeit, da der Jude die gleichen Rechte und Freiheiten genießt, wie jeder andere Staatsbürger, da ist es schwer, sich in ein Zeitalter zurückzuversehen, da es anders war. Und doch ist es noch nicht so lange her, daß uns Juden der Lenz der Freiheit erblüht. Noch vor hundert Jahren gab es in Deutschland eine, Reihe von Städten und Flecken — ich nenne Ihnen nur die freie Reichsstadt Nürnberg — die dem Juden keinen Aufenthalt gewährten. Und wo der Jude sich niederlassen durfte, da wurde er in der Regel nur geduldet, gegen eine jährliche Abgabe an den Landesfürsten, das sogenannte Schutzgeld. Wo der Jude geduldet wurde, da war er auch das gesuchteste Objekt für neue Steuern und Zölle. Man besteuerte jede Hochzeit, jede Beschneidung, jedes Fuder Kauscher-Wein, das der Jude in den Keller legte. Ja, man besteuerte nicht nur den lebenden, sondern auch den tobten Juden; denn jede, jüdische Leiche, die außer dem heimischen Gebiet begraben wurde, kostete einen Zoll. Zu einer besonderen Virtuosität in der Judenbesteuerung brachten es die Kurfürsten der Pfalz. Sie erfanden das sog. Geleitsgeld oder den Judenzoll, den jeder Jude, auch der ausländische, zu entrichten hatte, der auf der Reise das. pfälzische Gebiet passirte. Man erhob es aber nicht von. dem Einzelnen^ sondern verpachtete es, in der richtigen Voraussetzung, daß sich dadurch das Erträgniß von selber steigern werde. Der Judenzoll, der zumeist an die jüdische Gemeinde Worms verpachtet war, stieg, da auch andere Juden sich darum bewarben, von Anfangs. 800 Reichsthaler, bald auf 1200) aus 1600 und schließlich 2000 Thaler.*) So drückend diese Steuern auch waren, sie hatten auch ihr Gutes. Sie brachten die Juden mit einer Reihe von Fürsten in nähere Berührung. Die deutschen Fürsten des vorletzten Jahrhunderts hatten in der Mehrzahl eine gemeinsame Eigenschaft, daß sie in der Regel in Geldverlegenheit waren. Da ließ sich denn der Jude bereit finden, den' gepachteten Zoll ein halbes Jahr früher zu zahlen, ein anderes Mal ihn für ein oder zwei Jahre vorher zu erlegen. Das nächste Mal kam man dem Juden schon, etwas näher, man machte, bei ihm eine Anleihe, man beauftragte ihn mit den Einkäufen für den Hof auf der Messe, schließlich sogar mit der Lieferung von Proviant und Munition für die Armee. Auf diese Weise sind die sog. Hofjuden entstanden, auch Hoffaktoren. Kriegsfaktoren und Residenten genannt. Das Vertrauen, das sie sich bei ihren Fürsten erworben.' kam in vielfacher Weise ihren Glaubensgenossen zü statten. In jener Zeit, wo eine Denunziation genügte, um den recht- und schutzlosen Juden auf die Folterbank zu bringen oder, für Monate und Jahre in den Kerker zu werfen, da' .war es die Fürsprache jener Männer, die ihren Brüdern: Erlösung verschaffte; sie waren es, die ganze Gemeinden' von der Last unerschwinglicher Steuern befreiten und *) Lowcnstein. .Geschichte der Juden in der Pfalz."/ :■

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