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Der Israelit · 1902-09-11 · Heft 73 (11.9.1902) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 73 (11.9.1902)
Date
1902-09-11
Page
– (sequence 11)
Language
German
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den festlich gekleidet und aufgeputzt, mH Amuletten behängt, um sie vor dein «bösen Auge" zu schuhen, dann von ihren Vätern unter lautem Jubelschall und Gesängen auf die Schulter genommen und mH ihnen ein Rundtanz gemacht. Jeder Vater sucht nun seine Freunde und Bekannten auf, überreicht ihnen die zu diesem Zwecke eigens mitgebrachte Schcerc und läßt von jedem einzelnen ein Stück vom Kopfhaar VeS Kindes abschneiden, so daß bloß die schön geringelten Schläfenlöckchen übrig bleiben. Das abgeschnittene Haar wird sorgfältig gesannnelt, dann gewogen und die gleiche Gewichtsmcnge wird in klingender Münze an Arme vertheilt.. Dies also ist das Hälakah-Fest, welches im Orient eine ähnliche Bedeutung erlangt hat. wie etwa die Barmizwah-Feier. Nach dem auf die Halakab folgenden Festmahle, wo es noch sehr lebhaft zugeht, besucht man noch andere Heiligthümer, nimmt , von einander herzlichen Abschied und rüstet üch wieder zur Abreise in die Heimath. Viele aber bleiben zurück und lcnten dann ihre Schritte nach Jerusalem, um daselbst das Wochensest zu .feiern. I. B. Strasser, im Wiener „Jüd. Dollsbl." Zeitungsnachrichten und Eorrespondenzen. . Deutschland. » - Vuchau, 9. Sept. In Nr. 72 des „Israelit" bringen Sie eine, dem „Hohenstaufen" entnommene Eorrespondenz. die die Meinung verbreiten könnte, es herrsche hier strenge Absonderung und Intoleranz unter den Konfessionen, die sich bis auf die Absonderung in den Aborten erstrecke. Die Miltheilung beruht aber auf falscher Auffassung und enthält Unwahres. Wie in jedem geordneten Schulgebäude hat. auch hier jede Schulklasse ihren eigenen, verschließbaren Abort, um die Kontrolle der Lehrer zu ermöglichen. Da die israelit. Vollsschule als städtische-Schule sich auch im Schulgebäude befindet, so lautet auch eine der Aufschriften über den Thüren: „Jsr. Schule." Eine Aufschrift für Katholiken findet sich nicht, sondern nur I., il. und obere Klaffe. Die Protestanten haben ihre Schule in einem entfernteren Gebäude, daher fehlt auch am Abort diese Aufschrift. Die Korrespondenz beruht also ans Unwahrheit. was ich in Ihrem Blatte nntzutheilcn bitte. Die konfessionellen Verhältnisse hier, besonders soweit sie das Unterrichtswesen betreffen, sind musterhaft geregelt und -herrscht hier die beste Harmonie unter den Konfessionen. Lehrer Straßburger. Fchenhausen (Bayern), im Elul. Unter den jungen Leuten der hiesigen großen Gemeinde Hai sich, seit Kurzem, nach dem Vorbilde des Vereins „Thoras Emeth", Kitzingen, eine «Vereinigung zum Zwecke des Thorastudiums" gebildet. Sr. Ehrwiirden Herr Distrikts-Rabbiner Dr. C o h n und Herr Lehrer B r a d e r haben in liebenswürdiger Weise die geistige Führung der Vereinigung übernommen, und findet vorläufig einmal Ivöchentlich Vortrag statt. .Es haben sich schon eine ganz hübsche Anzahl junger Leute gemeldet, und besteht Hoffnung, daß die Bestrebungen der' „Vereinigung" von Erfolgen begleitet sein werden. Mögen auch anderwärts ähnliche Vereinigungen, die den Geist des Judenthums zu pflegen sich zur Aufgabe setzen, erstehen! .. ‘ ' v. Dänen» a,r t. . Kopenhagen, I. Sept. (Baron Edmund Rothschild in Kopenhagen.) Ein seltener. Gast, nämlich der Baron Edm. de Rothschild.ihat uns dieser Tage besucht, ünd in der kurzen Zeit, T)tct (mit seinem Vergnügungskutter) weilte,,' gehabt, sowohl seinen Wohlthätigleitssinn, .als auch seine religiösen Gefühle .an den Tag zu legen.' Anläß- . lich seiner „Jahrzeit" nämlich hat er die hiesige Synagoge zweimal besucht und bei dieser Gelegenheit nicht' unterlassen, allen, dortigen Angestellten und Dienern reiche Gaben zu spenden. Da unser verehrter Herr Oberrabbiner gegenwärtig auf dem Örientalisten-Kongreß in Hamburg weilt, übergab der Baron dem zweiten Geistlichen eine Summe von 1000 Frs. zum Dertheilen an die Armen. Auch größere Einkäufe/machte er in unserer schönen Stadt u. A. in einem der größten Pelzwaarcnhäuser, wo ihn ganz besonders die seltenen. und kostbaren Grönländer Fuchsfelle interessirte, sowie andere Spezialitäten unseres. Landes. / Möchte der Baron öfters hierher kommen und uns fühlen lassen, daß die Reihen der Edlen, Warmherzigen * # und Hilfsbereiten und gleichzeitig wahren Israeliten niemals aus unserer Mitte scheiden! . - Ruß! a n d. .. .. / ./ Petersburg, 9. Sep. In Minsk fand vom 4. bis 8. September der erste allrussische Zionisten-Kongreß statt. An diesem Kongreß nahmen Vertreter aller in Rußland bestehenden Zionisten-Vereine Theil. Die Zahl dieser Vereine ist in den letzten Jahren in Folge einer rührigen Propaganda, die an vielen Orten allerdings auf heftigen Widerstand seitens der Rabbiner stößt, erheblich gestiegen. Als Knngreßort war Minsk gewählt worden, weil diese Gouvernemenisstadt her Mittelpunkt des Gebiets ist, wo die zionistischen Ideen ' die meisten Anhänger gefunden haben. Außerdem ver-° fügt der dortige Zionisten-Verein über größere Geldmittel. als die übrigen Vereine. Auf der Tagesordnung des Kongresses standen zahlreiche interessante Fragen/ Sie betrafen u. A. die Organisation der Zionisten in Rußland, die Bildung des sog. Nationalfonds und die Sammlung freiwilliger Spenden für diesen. Fonds, die jüdische Nationalbank, deren Aktien einen. größeren

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