Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 73 (11.9.1902)
- Date
- 1902-09-11
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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- Hebron 1× ep/1047559
- Safed 1× ep/1046078
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43* Jahrgang. Die Hillula-Feste in Palästina. Nur wenigen Lesern durste es bekannt sein, daß im heiligen Lande alljährlich gewisse Feste gefeiert werden, die. ganz außerhalb des religiösen Jahrescyklus, sich zu allgemein gebräuchlichen und spezifisch jüdischen Volksfesten heraüsgebildet haben.. Es sind dies die Hillula-Feste, welche, seit vielen Jahrhunderten in Palästina bestehend. Gelehrten und Kennern der jüdischen Geschichte schon längst bekannt geworden und worüber wir für minder eingeweihte Leser das Wesentliche hier mittheilen wollen. Das Wort „Hillula" ist die aramäische Form des hebräischen Wortes „Halle!" und bedeutet daher, wie dieses, Lob und Huldigung. Ein Hillula wird veranstaltet in Erinnerung und zur Ehrung ausgezeichneter Männer, welche durch besondere Frömmigkeit, Gelehrsamkeit und Weltabgeschiedenheit einen berühmten Namen in der Geschichte des jüdischen Volles-genießen und wegen ihres ganzen Erdenwallens und -Wirkens wie Heilige verehrt werden. Die Stätten, wo solche Männer gelebt, gewirkt und geduldet haben, werden vom Volke hochgehalten, und insbesondere sind es die Grabstätten und die in der Nähe derselben oder unmittelbar über denselben liegenden Synagogen und Lehrhäuser, welche die Zielpunkte der frommen Wanderungen und großen Wallfahrten bilden.. In Palästina, wo sich an jeden Fußbreit Bodens die heiligsten Erinnerungen knüpfen, gibt es außerhalb der ewigen Stadt Jerusalem gar viele, viele Orte, die als Stätten großer Erinnerungen eine nicht geringere Verehrung wie die heilige Stadt selbst genießen. Von solchen Orten seien nur Hebron, Safed (Zephat) und Liberias erwähnt, welche jahraus jahrein nicht nur von den in Palästina einheimischen Juden sehr oft besucht werden, sondern es wandern Bekenner aller anderen Religionen von weitester Ferne in ganzen Scharen dahin, um die Grabstätten heiliger Männer, die Lehr- und Bethäuser, wo sie gewirkt, wenigstens einmal im Leben anzufehen. Die Zahl der frommen Pilger erreicht aber die größte Höhe an Tagen, an welchen zu Ehren eines berühmten Mannes die Hillula, das ist das wahre Huldigungsfest, stattfindet. Ein solcher Tag wird zu einem wahren Volksfeste, bei welchem es gar laut und lustig zugeht, und der. sonst schweigsame Orientale tritt da so recht ' aus sich selbst heraus. Nun gibt es verschiedene Hillulas, welche für gar viele berühmte Männer veranstaltet werden; keine erreicht aber an Großartigkeit der Entfaltung und an allgemeiner Betätigung des Volkes im festlichen Jubel diejenige, welche alljährlich am 18. Jjar, das ist am dreiunddreißigsten Omertage, zu Ehren des Rabbi Simeon ben Jochai, des Verfassers des „Sohär", abgehalien und unter dem Namen „Hillula di Rabbi Simeon ben Jochai", sowohl in ganz Palästina, als. auch in der übrigen Diaspora bekannt ist. Der dreiunddreißigste Omertag ist nämlich derjenige Tag, an welchem, der Tradition zufolge, Rabbi Simeon ben Jochai, der Begründer der Kabbalah, dem das' Buch Sohar zugeschrieben wird, zum letzten Mal seine'Jünger um sich versammelt hat, um ihnen noch wichtige Aufschlüsse und Nachtragserklärungen, die sogenannten Schlüssel zum Werke Sohar zu geben und — dann verschied er. Ungefähr zwei Wegstunden von Zephat entfernt, in dem kleinen Dorfe Miron, liegt die ganz unzweifelhafte Grabstätte des großen Mannes, wie dies auch aus Midrasch Koheleth und ferner aus dem Traktat Baba Mezia des babylonischen Talmud mit Unzweideutigkeit sich kombiniren läßt.. Ueber der Grabstätte wölbt sich die altersgraue Synagoge und das Veth-Hamidrasch, beide von hohen, düstern Mauern umgeben. In der Synagoge wird Tag und Nacht gelernt und gebetet. Ueber dem eigentlichen Grabgewölbe des großen Mannes brennen unzählige Oellampen oder Wachskerzen, welche die Besucher als Weihegaben mitgebracht haben. Schon viele Tage vor dem „Hillula- Feste" haben sich Pilgerzüge auf den Weg gemacht, um rechtzeitig am Abend, des 33. Omer in Miron einzutreffen. Da kommen Männer, Weiber, Kinder, Greiseselbst Schwache und Kranke aus den nahegelegenen Städten Zephat, Liberias und aus den fernsten Orten Palästinas herbei.. Man sieht Leute aus der ganzen europäischen und asiatischen Türkei'. Aus Buchara, der 'Tartarei, dem Kaukasus, aus Persien, Babylonien. Arabien, Egypten, Indien kommen Scharen von Pilgern mit ihren Familienangehörigen, alle festlich gekleidet, um das Huldigungsfest in Miron mitzufeierm Und nicht nur die Juden allein, sondern auch Mohammedaner und selbst Christen sind unter der Menge. Besonders wird der Name des Rabbi Simeon ben Jochai von den Arabern hoch verehrt, die ihn in ihren Nöthen als Schutzheiligen anrufen. Oft erscheinen auch Vertreter der Obrigkeit und staatliche Würdenträger, um dem Feste beizuwohnen. Der Kai-, makam mit seinem Ehrengefolge von bewaffneten Kawassen findet sich fast alljährlich ein. Kaum faßt der kleine Ort die von allen Seiten herbeigeströmte Menge. Es ist nicht allein Pietät und Andacht, welche die Triebfeder dieser Bewegung bildet, sondern auch die dem Orientalen überhaupt so selten werdende Gelegenheitsich der Lebenslust und zwanglosen Fröhlichkeit hinzu- , geben, welche an dem Huldigungsfeste zu Miron in ihr