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Der Israelit · 1902-09-08 · Heft 72 (8.9.1902) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 72 (8.9.1902)
Date
1902-09-08
Page
– (sequence 11)
Language
German
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für Kasan, Jurkew und Tomsk auf 16 pCt.. für Kiew.. Odessa, Warschau und Charkow auf 20 pCt. der Gesammtzahl aller aufzünehmenden Pharmazeuten fest gesetzt. p py.;p;■; -V" ~ Au st r dl i e n. Briöbane, im Aug. Am Dienstag, 22. Juli, starb hier nach kurzer Krankheit Isidor Lißner, einer der Deutschen, die es in Australien zu einer hervorragenden Stellung gebracht haben. Lißner stammte aus Posen und war jüdischer Konfession. Im letzten MrJlwraith'schen Kabinett war er Minister für das' Minenwesen, die Entwickelung des reichen Goldfeldes von Charters Towers ist wesentlich sein Verdienst. Später vertrat Lißner lange Zeit den Cairns-Distrik! im Unterhause. Unvergessen ist ihm bei allen Deutschen die mannhafte Art, wie er seinerzeit den heftigen und grundlosen Angriffen entgegentrat, welche im Oberhause gegen die Deutschen geschleudert wurden. Seine Landsleute hatten auch in anderer Beziehung eine gute Stütze an ihm, wo es galt zu helfen und zu fördern, stand er stets in erster Reihe. . Literarisches. Tabbat- und Festprcdigtcn von Israel Nobel, Prediger und Schuldirigent in Berlin. Frankfurt a. M. ' Verlag von I. K a u f f m a n n. 1902. 50S. gr. 8°. — . Vorliegende kleine Predigtsammlung verdient es, aus der von der Predigtlitteratur därgebotencn Menge herausgehoben und ins Licht der öffentlichen Veurtheilung gestellt zu werden. Der Verfasser hatte, wie er im Vorworte sagt, in diesen an heiliger Stätte gesprochenen Worten einen Gruß an sein Volk auszurichten. Das Volk vergibt sich nichts, wenn es diesen Gruß seines jungen, begeisterten Sohnes beachtet. In diesem Umstande allein liegt schon ein Urtheil. Es ist nicht zu verkennen, daß der Schöpfer des Gedankens und der Sprache dem jugendlichen Redner am Morgen seiner Lebensjahre, „das Ohr geöffnet, um zu hören, wie ein Lehrling," bevor er den Mund aufthut, um zu künden wie ein Lehrer. Was der Lehrling hört, isi kein gedankenloses Tönen, und was der Lehrer kündet, ist kein leeres Wortgeklingel. Bei.allem Schwung der Rhetorik bewahrt doch die Gedankenschwere des inneren Gehalts den Redner davor, sich in's Wolkenhafte zu versteigern Aus den vorliegenden bei ganz verschiedenen Gelegenheiten gehaltenen Reden spricht uns der Geist des religiösen Ernstes und der psychologisch gesichteten Wahrnehmung an. Ueberall tritt uns das Bestreben vor' Augen, den Volksgedanken mit dem Empsindew des Einzelnen, sowie die Lehre der Tradition mit dem Lebender Natur in harmonischen Einklang zu bringen und die. so gewonnene Harmonie zu einem Huldigungsliede an. den Weltenschöpfer und den Hüter Israels zu gestalten. Wonne und Leid, Goluth und Geulla erscheinen von' einer aus den heiligen Schriften geholten Poesie..um-/ woben, und diese Poesie ist vom Untergründe der wieder in den heiligen Schriften, niedergelegten Wahrheit' ge-, tragen. -,u „V -/.-P.ppp-p'-P Dies im allgemenen. < '?' . Im Einzelnen wäre eine ganze Anzahl von ders schönen, durch Form und Inhalt sich aüszeichnenden Stellen hervorzuheben. Allein dies würde den hier gebotenen Raum übersteigen.,. ......pp'. P;pp Ich verweise, um nur' Weniges anzumerken/ aus den wichtigen Satz: „Alle Einzelheiten der Moral/ alle< Theilwahrheiten der Kunst oder der Wissenschaft wer.' den erst durch Ihn, den Weltenordner, getragen, und das Veredelnde, Gemeinsame in ihnen ist das Göttliche." S. 25. Ferner auf den prägnanten Sah: «Die.Er-' ziehung des Kindes beginnt mit der Erziehung seiner Eltern." S. 23. Die Ansprache und Rede zu Nosch- Haschono zeichnet sich durch Formschönheit und. besonders dadurch aus, daß beide nicht auf der Oberfläche einer von der Stunde erregten Andachtsstimmung, sondern auf dem tiefen Grunde des mit sich zu Gerichte gehenden Menschenherzens sich bewegen. Es. wird in diesen „Schofarreden" der Ton angeschlagen, der der Proklamation Gottes als Weltenrichter, als Helfer und Erlöser, als br: würdig vorangeht. Vertiefung in das.Eigenwesen und in das Wesen Israels lassen hier eine vastorälische Andachtelei nicht aufkommen, und das ist's, was an diesen Reden dem denkenden und suhlenden Hörer gefallen muß. Was ich an den vorliegenden. Reden bemängeln möchte, das ist die etwas unpassende Anwendung von Bildern, die der sonst im Ausdruck sehr wählerische Verfasser an einigen Stellen nicht vermieden hat. So auf S. 11 oben: ^.gebieterisch das Antlitz zu zeigen/" S. 13 oben: „Sorge nach einem frischen Trank" n. s. w, S. 33. unten: „an dem ehernen Willen des Schi ck - s a l s", S. 40 oben:, „dem- Abgrunde der Ewigkeit"/ S. 38: „wo die Tugend sich nicht schämt, am ärmlichsten Webstuhl zu spinnen." . -. ' "'vp. Das ,sind kleine Unebenheiten^ -die sich im st s l -, v o l l e n Ganzen bemerkbar machen. Sie. werden den Werth der Arbeit in den Augen des Kenners nicht im' geringsten herabsetzen und können das Urtheil nicht umstoßen, welches lautet: Diese Reden sind schon/ zum Theil bedeutend und sehr lesenswerth. S. I. -

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