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Der Israelit · 1902-09-08 · Heft 72 (8.9.1902) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 72 (8.9.1902)
Date
1902-09-08
Page
– (sequence 9)
Language
German
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43» Jahrgang pi M 72 öes Einer der unbegründetsten Vorwürfe, der jemals den Juden gemacht worden, ist der, daß sie die Arbeit scheuen. Allerdings sind sie vielleicht nicht aus Liebe zur Arbeit, als vielmehr aus Liebe für den Verdienst arbeitssam. Aber man soll uns erst denjenigen zeigen, der aus purer Liebe zur Arbeit sich anstrengender, unangenehmer Arbeit unterzieht. Jedenfalls sind solche Leute nicht sehr zahlreich., ' . Einen sehr interessanten-Beleg ihres Fleißes und ihrer Ausdauer finden wir in der uns etwas verspätet zugesandten Nummer der „New-Aorker Evening Post" vom 28. Juni. Das genannte Blatt, das wohl das angesehenste und respektabelste amerikanische Tageblatt ist, enthält in der erwähnten Nummer einen Aufsatz über die jüdische Kolonie in Chesterfield (Connecticut), die aus der Stiftung des Baron Hirsch gegründet worden ist.. Wir können den langen Aufsatz Nicht wörtlich übersetzen und geben daher nur die geeignetsten Stellen im Wortlaut wieder: Einen verfalleneren Ort wie Chesterfield vor einen» Dutzend Jahren — so heißt es in dem Aufsatz —könnte. man sich nicht vorstellen. Die Häuser waren ohne Fenster und Dächer und drohten einzustürzen. / Die Scheunen hatten keine ganze Wand, die Felder waren von Unkraut überwachsen ..... Es 'war leicht zu verstehen, wie der entmuthigie Farmer, den langen Kampf hier aufgeben konnte, aber es war unmöglich vorauszusagen, daß ein anderer kommen und hier einen Erfolg erreichen würde, der einfach an das Wunderbare grenzt. Denn die jüdische Kolonie in Chesterfield gedeiht. Die alten Farmhäuser der Aankee aus Connecticut beherbergen Schaaren aus dem fernen Rußland. Der Boden, den der abgehärtete und zähe Connecticuter Aankce verlassen hat, ist überwunden durch die Leute aus Polen. Der. -Ort macht den Eindruck von Wohlhabenheit, mehr als gewöhnlicher Reinlichkeit und des Gedeihens; die einst mageren und blassen Gesichter der' Kinder sind dick und roth geworden, und die Frauen sehen glücklich und zufrieden aus, wie sie auf den Feldern arbeiten, Butter zum. Verkauf in Newyork machen,' oder in einer Fabrik beschäftigt sind. Da ist eine Synagoge und die Glaubensvorschriften der Väter werden hier streng beobachtet. ' Allesringsumher hebt sich allmählich. Der jüdische Landmann hat der widerstrebenden Natur irgend ein Geheimniß abgernngen, das ihn in den Stand setzt, ziemlich gutes Obst von den knorrigen alten Bäumen zu erlangen...;.. Er stellt einen guten Apfelwein her. Er hat sich eine.Stellung in der Gemeinde errungen, und da er einfach, sparsam ist und Keinen verletzt, wird . > er als einer der Faktoren acceptirt, diedaS.HkoVlemHu^'. lösen helfen, wie man Steinen Brod «bringt Es ist ganz und gar Geschäft. Viele FMlien - verdienen ein schönes Stück Geld den Sommer uder^mit. .- / / Vermiethen an Sommerfrischler. (Nur jüdische, wie aus - der ferneren Schilderung hervorgeht, die wir, wie in- // teressant sie auch an sich ist, doch als für uns nicht weiter in Betracht kommend, weglassen.)' Die alte Karre, die . durch ein Kunterbunt von Brettern zusammengehalten wird, mit Geschirr, das aus Lederstucken und Stricken /.- zusammengesetzt ist. und einem Pferd, im Vergleich zu dem Rosinante ein Pegasus war, kommt früh sechs Uhr .. an die Landungsstelle des Newyorker Bootes und . .. nimmt fünf, oft auch zehn Matronen mit Taschen und Koffern und den unvermeidlichen Babies auf. - \ Es verlohnt sich wohl, heißt es gegen Schluß des ../. Aufsatzes, einmal per Automobil, Rad oder Equipage . . hinzufahren und einen Blick in dieses Leben zü thun, zu sehen, wie jede Kleinigkeit Verwendung findet, wie ohne Unterlaß gearbeitet wird, zu bemerken, wie geduldig, zufrieden, heiter Alles ist, wie glücklich und heimisch sich Alle fühlen. Es scheint ein Widerspruch, dieser / Ausschnitt vollständig unnachgiebigen fremden Lebens in Neu-England, der doch sich so gut eingefügt hat."/ ZerürngSrrschrrchLen VAd EsVeespsrrDerrzrrr. D eu t f ch I d » d. Berlin. Von Seiten des Herrn Trietsch wird neuerdings wieder eifrig der Gedanke der Kolonisation Cyperns propagirt. Wenn diese Propaganda den Zweck haben soll, daß in kleinem Maßstabe und wohl vorbereitet ein Versuch mit einer Kolonie von russischen oder rumänischen Juden unternommen werden soll, so / läßt sich gegen einen solchen Versuch höchstens . einwenden, daß die „I. K. A." bei dem ihrerseits unter- - nommenen Versuche sehr schlechte Erfahrungen gemacht hat. Immerhin wäre es möglich, daß ein vorsichtiger Versuch auf anderer Basis als der der „I. K. A." zu / > einem Erfolge führen könnte. Wenn man jedoch sich bemüht, der Kolonisation Cyperns eine Bedeutung zu geben, wie sie die Ansiedlungsunternehmungen in Pa---, lästina oder in Argentinien für die jüdische Allgemeinheit haben, so muß darauf hingewiesen werden, daß in . Cvpern, trotz der englischen Regierung, die Verhältnisse wesentlich ungünstiger liegen, als in den beiden genannten Ländern. Alle Kolonisationsünternehmungen in Cypern sind bisher verunglückt, so erst kürzlich der

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