Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1902-09-08 · Heft 72 (8.9.1902) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 72 (8.9.1902)
Date
1902-09-08
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2446951-2449795-2449862--56624-2519304
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

F' 1517 I l: I i i „Schemiras Schabbos"-Verein in Holland. Von Sigmund Seeligmann (Amsterdam). ' Nachdem im „Verein zur Förderung der Interessen des Judenthums" in Amsterdam Herr I. Kedlysburg einen Vortrag gehalten, worin er die Rothwendigkeit der Gründung eines „Schemiras Schabbos"-Verein in Holland besprochen, wurde kurz'e Zeit darauf am 18. Januar die: „Vereenigung Schemiras Schabbos in Rederland" gegründet. Anfangs sollte er nur als Stellenvermittelungs-Bureau für Arbeitssuchende in Geschäften, in denen an Samstagen und jüdischen Feiertagen geschlossen ist, auftreten, aber bald breitete er sein Arbeitsfeld aus, richtiger gesagt, er änderte es ein wenig. Die Verhältnisse und die Arbeitslust der »leisten Vorstandsmitglieder brachte das so mit sich. Das Diamantfach, das Eldorado der Amsterdamer Juden, ging mit Riesenschritten zurück, ein Beschluß des Diamant-Arbeiter-Vercins schloß den Zutritt für neue Lehrlinge in der ganzen Branche. Es mußte etwas geschehen, um die große Zahl schulentlassener Knaben der Volksklasse dem Trödlerstande zu entziehen. Bon selbst richtete sich nun die Arbeit unseres Vereins darauf, die jüdische VolkÄlässe zum Handwerk zu erziehen.. Früher gehörte es zu den Seltenheiten, jüdische Handwerker — außer in der Diamantbranche — hier anzutreffen. " Jetzt, nach sechsjähriger Thätigkeit, haben wir schon eine.große Zahl Lehrjungen als Schreiner" 'Schmiede, - Tapezierer, Schuster, Cigarrcnfabrizirer u. s. w., gräßtentbeils bei nichtjüdischen Meistern in die Lehre, gegeben, selbstverständlich Samstags frei. * Unsere Thätigkeit zur Vermittlung von Stellen in Bureau, Laden oder Magazin hat wohl nicht nachgelassen, aber das andere Arbeitsfeld,- auf dem wir neben, dem eigentlichen „Schemiras Schabbos" auch sozial wirken konnten, wurde Hauptsache. Als Beispiel in welcher Weise wir arbeiten, sei angeführt, daß in den öffentlichen städtischen Schulen, in der hiesigen Judengegend, Plakate hängen, daß die Kinder, wenn sie die Schule verlassen, aus unser Bureau kommen sollen, um über die Wahl eines Berufes mit uns zu berathen. Auch die Direktoren der jüdischen Schulen arbeiten uns hier in die Hand, um den Zöglingen beim Verlassen der Schule denselben Rath zu geben. Dreimal wöchentlich ist unser Bureau offen und ist immer, außer dem angestellten Schriftführer, wenigstens ein.Vorstandsmitglied anwesend. So weit unsere Kasse es zuläßt, geben wir auch Lehrgeld und Zuschuß für den Ankauf von Handwerkszeug an Unbemittelte. Jeder Arbeitsuchende wird in unser Register eingetragen und falls wir ihm nicht bald eine Stelle besorgt haben, inseriren wir.für ihn . (gratis) während zwei Wochen in drei holländischen jüdischen Wochenblättern und im Allgemeinen Handelsblad je einmal. Um einige Zahley anzuführen, sei erwähnt, daß wir in einer sechsjährigen Thätigkeit in Amsterdam mehr als 1700 Arbeitssuchende in unser Register einge-' / schrieben haben/ Waren im ersten Jahre 1896 nur 133 ■?.’ Anfragen von Stellen suchenden, so stiegdieseZahl//' bereits auf 348 im letzten Vereinsjahre/d^^ /•/ ’ v Außer in Amsterdam, der Centralstelle' des Ver- ■ -- eins, haben wir noch Abtheilungen in Haag, Groningen,. - r ' / Arnheim, Hilversum und Zwolle, die jedoch E^die Pei>' hältnisse scheinen dies mit sich zu bringen-/ inkeinem: Vergleich wie die Centralstelle arbeiten können/'' \ V ,' Hiermit ist aber die Grenze der Ärbeitsthätigkeit / ' / des Vereins keineswegs erreicht. Wo es etwas im. In- ' teresse des wichtigen „Schemiras Schabbos" -' zu' thun.. gibt, treten wir auf. Es seien nur einige' Punlte. in , r dieser Hinsicht aus dem Programm deß letzten Jahres: verzeichnet. Zusammen mit zwei anderen: Vereinen .>• / wandten wir uns Anfangs vorigen Jahres an den holl/ . / Kriegsminister mit dem Ersuchen, Maßregeln? zu . ~ treffen, daß die jüdischen Soldaten, um zum Mannövers/- zu kommen, nicht am Samstag reisen müssen. - Wir./ hatten die Genugthuüng, ein günstiges Resultat zu er-/'. - zielen. — An der Errichtung einer Tohnbec-Halle.' in ./^: - der Judengegend nahm auch unser Verein.im Interesse.? der Sache, die ja selbstredend der Schemiras Schabbos?: , . auch zu Gute kommt, ge^ne theil.-? Als imvorigen Jahre die holländischen Rabbinen. zusammenträten, ': um über verschiedene Interessen ZN/ berathen, brachten wir es dahin, daß durch die Rabf V. bincn ein einheitlicher Beschluß gefaßt würbe, an weh/ ' chen -Tagen des jüdischen Kalenders.''judische-/KinbL?-.'^': . vom Schulbesuch zu befreien sind. Die Einführung des . Gesetzes vom Schulzwang machte eine uniforme Bcstim-./ mung für ganz Holland höchst wünschenswertst. .Da diese Bestimmungen jedoch nur für die Volksschule gel- > ten, gab es für uns in Amsterdam etwas neues zu thun.' - Eigentlich war uns die Abtheilung in Haag hierin . vorangegangen. Auf der dortigen Handwerkerschule ' . ■ werden einige Fächer nur am Samstag unterrichtet;-um . " den jüdischen Schülern, die am Samstag die Schule natürlich nicht besuchen, diese Lücke nicht . fühlbar zu / - machen, hat die Haager. Abtheilung, unter Gutfinden' der hiesigen Centralstelle, beschlossen, für. die jüdischen - Zöglinge Curse geben zu lassend in denen die am /. Samstag ausgefallenen Stunden. nachgeholt werden./ Als wir sahen, daß dies gut ging, haben auch, wir in V Amsterdam auf der. am meisten von jüdischen Schülernbesuchten höheren Realschule eine gleiche Probe gemacht/ :■. . Mit Unterstützung des Direktors konnten wir verflössencs Schuljahr Ausfiillungscürse für die unterste Klasse geben lassend Unsere. Erwartung wmde^ür^-das','Ä^.'^ sultat üvertroffen, / . .7.7 . Während früher verhältnißmäßigviele Schüler,? " ' die am Samstag nicht kamen, sitzen blieben, war es die- //?

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.