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Der Israelit · 1902-08-25 · Heft 68 (25.8.1902) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 68 (25.8.1902)
Date
1902-08-25
Page
– (sequence 12)
Language
German
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(Oberst Gabriel Steiner, Sektionsrath Moritz Szechy ' u, A.) gab und auch derzeit gibt. Was aber den Um-; stand betreffe, daß es in den Militärakademien keine Zöglinge israelitischer Konfession gäbe, so sei dies einfach, darauf zurückzuführen, daß solche sich um die Auf- ' nähine nicht beworben hatten. '; Das ist ein Muster der offiziösen Berichterstattung. In' jedem konkreten Falle wird der. Jude zurückgewiesen, .wenn sich . dann keine Juden zum Eintritt in die Kadetftnschule melden, wird dies mit Bedauern konstatirt. '; F r a n r reich. Paris/LI. Aug. Vor einigen Tagen habe ich eine ehrwürdige, alte, jüdische Dame getroffen, di; aus Rußland, stammt und schon seit einigen Jahren in Paris wohnt eine Frau, die stets das Gute will und auch stets, das Gute schafft. „Wie gefällt es Ihnen in Paris, gnädige Frau?" frage ich sie. Und darauf erhalte ich zur Antwort: „Paris ist sehr schön; wenn auch nur die Menschen schön wären!" -Und da beginnt sie, mir die unsäglichen Leiden zu erzählen, die sie in den Häusern unserer armen Glaubensgenossen, welche sie von Zeit zu-Znt besucht, zu sehen bekommt. In ihrer Stimme liegt jener Klang unerschütterlicher Ueberzeugung und Ehrlichkeit/und während sie spricht, sehe ich klar vor meinen Augen die bleichen und blassen Gesichter des jüdischen Viertels vorüberziehen. Und ich bewundere die Heldengestalt dieser edlen Frau, ihre schweigenden Opfer und ihr nur einem Gedanken geweihtes Leben. Und da denke ich an einige französische Matronen, die ich einige Male in einem Salon der Pariser besseren Gesellschaft getroffen habe, wo ich hingegangen bin, „der Roth gehorchend, nicht dem eignen Trieb." Da habe ich viel Luxus und auch viel Kunst gefunden, doch ach — wenn sie auch Herzen hätten! Aus allen Klatschereien, die man da zu hören bekommt, sprechen nur eine raffinirte Eitelkeit und eine absolute Indifferenz, gegen menschliche Leiden und menschliche Thränen. Und wenn.ich diese Damen mit der alten, ehrwürdigen, jüdischen Frau vergleiche, so muß ich mir unwillkürlich sagen: Wir sind doch bessere Menschen! Pi. ■ i '' ■* ~ E n g I a n d. * 23. Äug. Gelegentlich der Anwesenheit des Schah's Mussafer-Ed-Din von Persien, in hiesiger Habt, richtete das Comitee der Deputirten der englischen Juden, vertreten durch ihren Vorsitzenden Joseph . Sehä'g Montefiore. sowie die.englisch-jüdische Gesell- . WftM?J:' U-verteten.^dürch ihren .Präsidenten Cläude^G^Mvniefiore,' gemeinsam eine Adresse an Se. ' Majestät'Hn' Schahs in der um gleichmäßige Behandluäg'Hr^ Juden mit den übrigen Unterthanen des perstschen Heichrs höflichst ersucht^^wird. .? 30 Jahren werden die persischen Herrscher hei ihren Ausflügen in die westliche.Kultur mit der- ■ artigen Bitten bestürmt. Genützt haben aber solche bis heute leider noch nichts. Es erscheint kaum ein Bericht der „Alliance Jsraelite Universelle",/in der nicht von Verfolgungen unserer Brüder in jenem. Lande berichtet würde. Der Schah selbst mag ja vom guten Willen beseelt seip, aber seine Macht scheint nicht soweit zu reichen,, daß er uralte soziale Gebrechen heilen könnte. Am e r i ra.';'' Washington, int Aug. Eine Delegation Rewyorker Kongreßrepräsentanten, bestehend aus den Herren Ryan, Sulzer, Goldfogle und Wilson, stattete in Begleitung des Herrn Simon Wolf von hier, dem Präsidenten einen Besuch ab, um gegen die Bedrückungen zu protestiren, welche man in Rußland amerikanischen Bürgern jüdischer Religion gegenüber in Anwendung bringt. Die Delegation ersuchte den Präsidenten, dahin zu wirken, daß die Regierung des Czaren den aus Amerika kommenden Juden das Betreten Rußlands gestattet. Präsident Roosevelt versprach den Herren, mit Staatssekretär Hay bezüglich dieser Frage Rücksprache zu nehmen. Das Staatsdepartement hat sich verschiedentlich mit der russischen Regierung in Verbindung gesetzt, um eine Modifizirung der überaus strengen Ausschließungsgesetze für aus Amerika kommende Juden zu erlangen, doch waren alle bisherigen Anstrengungen vergeblich. Das Staatsdepartement ist fest entschlossen, in feinen Bemühungen, eine Abhilfe zu erzielen, nicht nachzulassen. (Bergl. auch Corr. Rewyork im Hauptbl.) Uerfonatten. Newhork, im Aug. Hochgeschätzt in allen Kreisen wegen seines lauteren Charakters und seines menschenfreundlichen Wesens, ist ' am 1. August Herr Heinrich Richter s. A., der langjährige Präsident der Congregation „Adas. Jisroel", der 57. Str., zu einem bessern Leben, zur ewigen Ruhe heimgegangen. Der Verblichene war ein wahrer Jehudi im echten Sinne des Wortes. Er hinterläßt eine trauernde Wittwe, drei wohlerzogene Söhne und eine Tochter. Der Verstorbene hatte sich durch sein liebenswürdiges und bescheidenes Benehmen im Geschäftsverkehr allgemeine Hochachtung erworben, wovon auch das am 3- August statrgehabte Leichenbegängniß, an dem sich zahlreiche Glaubensgenossen ketheiligten, beredtes Zeugniß ablegte. ...; - ../ Im Haufe gab Herr Rabbiner M a i s n e r in beredten Worten den Gefühlen der großen Trauer um den Verstorbenen Ausdruck: —- Möge Gott der trauernden edlen Wittwe und den Kindern lindernden Trost spenden ■ und sie in Seinen Schutz nehmen: Ph. Kraus. J VsieMstett der > I Auf oersch. Anfravn theilcn mit, daß unser Blatt in den Lesesälen ca.. 500 deutscher Badeorte u. Kuranstalten ausliegt

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