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Der Israelit · 1902-08-21 · Heft 67 (21.8.1902) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 67 (21.8.1902)
Date
1902-08-21
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Iungcn überdie Organisationen der jüdischen Gemeinde." Von bleibendem Werthe sind die pädagogischen .Schriften; zu diesen kommen diejenigen über Schule» Religionsunterricht u. s. w. Alle diese, zum Theil Gelegenheitsschriften, tragen den Stempel der Actuellität, denn Hirsches Bedeutung und Eigenart ist es. daß er auch in diesen Arbeiten sub specie acternitatis denkt. Was er auch schrei-' ben mag, der Standpunkt, von dem aus er es thut, ist der feste Blick auf Jsrael's ewige Bedeutung in der Weltgeschichte. Diese Schriften, welche vor 50 Jahren in den Monatsblättern erschienen, athmen auch heute noch eine.herzerfreuende Frische und Anmuth. Es liest sich dieser vorliegende Band mit Leichtigkeit, die immer. die bleibende Dauer des Verfassers ankündet. , Wir erwähnen noch einer, dritten Serie von Arbeiten, die zum Theil als Ergänzung zum Psalm- Kommentar des .Verfassers anzusehen — die „Briefe über Psalmen" — zum Theil anderen Themen gewidmet sind. So die köstlichen Erzählungen eines wandernden Juden, voller Zeitschilderung in religiöser und kultürieller Beziehung. Dieser kurze Ueberblick zeigt uns die geschmackvolle Zusammenstellung des ersten .• Bandes. Eine * schöne Einleitung zu einem Werke, das immer geeignet ist, erhöhte Kenninitz des. Judenthums anzuregen. Mehr -aber, als aus so manchem Buche, können wir aus diesem ahnen lernen, was „Wesen des Judenthums" im Geiste eines tiefen Denker- und unablässigen Forscherlebens — bedeutet. Es wird daher seinen Weg nehmen in die Hütten und Paläste des jüdischen Volkes und überall die Auferstehung künden, die Allem verheißen ist, was dem Dienste Gottes geweiht war. Diese Arbeit ist besonders' geeignet^ als Buch über die jüdische Lebens- und Weltanschauung aufklärend zu .wirken. Sie bildet eine instruktive Einführung in die Lektüre der Hirsch'schen Schriften. Die stilistische Feinheit, die Kraft.des Ausdruckes, neben der Uner- . schöpflichkeit des Gedankens, eignen dieses Buch sowohl als ernste Studie des Forschers — wie als angenehme Lektüre der weitesten Schichten unserer Jugend. Dieses ' insbesondere wegen der Kürze und Abgeschlossenheit der einzelnen Abhandlungen. Jede einzelne, ist eine Perle reinster Bildung , und eignet sich besonders für Jugend- ' bildner als Grundlage für weitere Entwickelung jüdischer Lebensanschaüungen. Tief innerliche Auffassung des Bibelwortes vermitteln diese Aufsätze in anmuthigster .'und schönster Form, ohne besondere Voraussetzungen für den weitesten Kreis unserer Jugend. Wie diese Arbeiten die.Mitte bilden in Samson Raphael Hirsch's litterärifcher Thätigkeit-, so können sie als das Beste seiner Feder geNpssen werden. Jeder Aufsatz ist in sich abgeschlossen und dennoch führt er zum Großen und Ganzen anregend hin. ' . Einer rntensiveren Beschäftigung mit Hirsch dient das vom Herausgeber verfaßte „Verzeichniß sinnverwandter' Stellen in anderen Werken des Verfassers." Eine Anregung zum selbstthätigen Ausbau erfolgreicher Lektüre. Herausgeber und Verleger haben das Beste geleistet, um den Nutzen des Buches zu erhöhen. ZeiLungZrrschrichLerr «rrd EorresporrDerrzen. D e u t s d) l ä r b . Mainz, 17. Aug. (Wodurch hat Ballin Carriere gemacht?) Dem Falle Löhning hat eine Schweizer Zeitung — dem Tone nach eine antisemitische Zeitung — eine neue Seite abgewonnen, indem sie ihn zu dem Fall Ballin, in Parallele stellt: „In Posen ist cs für den kommandirenden General und die Spitzen der Behörden unmöglich, mit einem hohen Beamten zu verkehren, dessen Schwiegervater einmal Feldwebel war- Im Berliner Stadtschloß ist sehr häufig ein Mann wohlgelittener Frühstücksgast der kaiserlichen Familie, dessen Vater ein kleiner jüdischer Auswanderungs-Agent in Hamburg war. Der Mann, der General-Direktor Vallin von der Hamburg-Amerika- Packetfahrt, hatte ursprünglich das kleine Geschäft des Vaters übernommen und kam dabei, eines Tages auf den klugen Gedanken, sich als Agent für koschere Auswandererschiffe aufzüthun. Das heißt, er sorgte dafür, daß die durch ihn expedirten russischen und. polnischen Juden, die bisher schlankweg die allgemeine Schiffsküche mit Speck und Schweinefleisch bekamen, fortan .koscher zubereitete Speisen erhielten. Dadurch gelangte schließlich das ganze jüdische Auswanderergeschäft in seine Hand. Tausende und Abertausende strenggläubiger Juden, die ganze Massenauswanderung, die eine Zeit lang aus dem Osten Europas losbrach, bediente sich seiner, und aus dem kleinen Agenten wurde so allmählich ein wichtiger Herr, eine Macht gegenüber den großen Redereien. Das war, so erzählen die Bremer, welche die Hamburger im Stillen nicht recht leiden können, der Anfang von Ballins Laufbahn, auf welcher er durch Thatkraft und Geschicklichkeit schließlich bis zum allgewaltigen Generaldirektor der Hamburg- Amerika-Packetgesellschast aufstkeg, die er zur größten der Welt machte." y Berlin, im Aug. Ueber Nikolaus Lenau's. Beziehungen zum Judenthum bemerkt sein langjähriger Freund Ludwig August Frankl in einem bisher ungedrnckten Briefe an einen Berliner Schriftsteller: „Lenau pflegte gern mit litterärisch gebildeten Juden Umgang, so mit dem Professor der Geschichte Romeo Seligmann — dem er den Stoff zu seinem schönen Gedichte verdankt, wo ein armes Mädchen ein erstes Frühlingsveil-

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