Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 65 (14.8.1902)
- Date
- 1902-08-14
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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43* Jahrgang r*rm?it MWMWiiilS kr Lsriitlitischkii klzichWzsl»>stl>lt Ulm. Das für die Aufnahme von Mädchen in Ahlem zu errichtende Gebäude ist nahezu vollendet und soll im Herbst dieses Jahres die ersten Kinder aufnehmen. Es möge daher gestattet sein, die Ziele, die dieser Mädchen- Abtheilung gesteckt find, hier in großen Umrissen zu kennzeichnen. Schon bei Errichtung der Anstalt bestand die.Absicht, den Mädchen unserer ärmeren Glaubensgenossen eine entsprechende Erziehung für das praktische Leben in ähnlicher Weise, wie den Knaben angedeihen zu lauen. Inzwischen haben die Zeitverhältnisse die Erst rebung dieses Zieles immer wichtiger erscheinen lasten. Äon allen Seiten hört man die Klage, daß so sehr wenig jüdische Mädchen Lust haben, als Köchinnen, Wirthschaftcrinnen etc. Stellungen anzunehmen, daß sie anscheinend Berufe vorziehen, die zwar geringere körperliche Anstrengung erfordern, aber der Gesundheit nachtheiliger sind. (Schneiderin, Putzmacherin, Ladnerin.) Bekanntlich sind die Löhne hierbei sehr gering, und da angemessene gute Kleidung verlangt wird, ist ohne entsprechende Zuschüsse in der Regel die Deckung der Bedürfnisse nicht zu erreichen. Bisher fehlte uns eine geeignete Anstalt, in der die jüdischen Mädchen sowohl den Unterricht einer guten Volksschule erhalten, . wie auch schon in frühem Alter, gleichsam spielend, 'an die Besorgung aller häuslichen Arbeiten und an ländliche Arbeiten, die für Frauen geeignet sind, wie Gemüsebau, Milchwirthschaft, Geflügelzucht u. s. w. gewöhnt werden und dadurch Lust zu der die Gesundheit fördernden körperlichen Arbeit erlangen. Auf solche Weise erzogene Mädchen können später nicht nur tüchtige Köchinnen und Wirthschafterinnen, sondern auch tüchtige Hausfrauen für Handwerker, Gärtner und Ackerbauern werden. Dem Mangel in letzterer Hinsicht ist hauptsächlich der Mißerfolg eines großen Theiles bisheriger jüdischer Ansiedelungen zuzuschreiben. Hier muß daher, der Hebel für den späteren Erfolg angesetzt werden. Es ist beabsichtigt, auch bereits erwachsene Mädchen aufzunehmen, um diese, ähnlich wie dies in anderen landwirthschaftlichen Haushaltungsschulen ^.geschieht, gründlich in. allen häuslichen und solchen land- .wirthschastlichen Arbeiten auszubilben, die dem..weiblichen Geschlecht angemessen sind. .Und gerade wie die Ahlemer Knabenanstalt bisher in ihrer Art die erste und einzige jüdische Anstalt Europas ist, in der Knaben von Kindheit an für die Berufe, erzögen werden, die vorzugsweise körperliche Thätigkeit erfordern, und wie die Anstalt als solche vorbildlich wirkt, so hoffen wir, wird auch diese Mäd-. chenanstalt auf ihrem Gebiete Pionierdienste verrichten. Es handelt sich bei den Mädchen wie bei den Knaben um die Entwickelung von geistigen, und körperlichen Anlagen, die unter der Ungunst der. Verhältnisse zu verkümmern drohen; was wir an solchen Fähigkeiten zur Entfaltung und zur Vethätigung bringen, das wird nicht nur.jenen Bedrängten zum Segen gereichen» .es wird auch uns selbst, unseren Kindern und Enkeln zu Gute kommen. - :v : . ■. Ahlem gewährt eine vorzügliche Oertlichkcit für ein derartiges Unternehmen. Das Grundstück, war vorhanden; in der bestehenden Knabenschule können die Mädchen bis zum 14. Lebensjahre, wie dies in den Volksschulen kleinerer Plätze der Falle ist, gemeinsam mit den Knaben unterrichtet werden. Die hierzu erforderliche Genehmigung der Königlichen Regierung ist bereits ertheilt worden. Der vorhandene Verwaltungsapparat tritt ohne weiteres in den Dienst der neuen Anstalt. . . Mit Freuden haben der Vorstand, das Curatorium und vor allem die Mitglieder des Damen-Komitees sich bereit erklärt, auch die Arbeiten für die Mädchen-Anstalt zu übernehmen, überzeugt, damit einen weiteren, notwendigen Schritt auf dem Wege zu thun, der zu der sozialen Neuordnung der wirtschaftlichen Verhältnisse unserer armen und bedrängten Glaubensgenossen . führt. — - / v: Das neue Gebäude ist bei Vermeidung jeden Luxus nach allen Regeln der Hygiene erbaut und nach dem Urtheil aller Sachverständigen äußerst praktisch eingerichtet. Der Bau ist einfach, aber dennoch geschmackvoll, und in Folge der erhöhten Lage bildet er eine Zierde der ganzen Gegend. Mit dem Haupthause durch einen verdeckten Gang verbunden, liegt das gräumige Waschhaus mit Trockenräumen etc., sowie Stallungen für Kühe, Hühner und Ziegen. Gemüse- und Obstgarten werden an einem Abhänge terrassenförmig angelegt. Wie schon erwähnt, wird das Haus im Herbst dieses Jahres eröffnet werden.. . . - :y.;- Anmeldungen von schulpflichtigen Mädchen für die nach den Feiertagen zu eröffnende Mädchenanstalt sind, unter Einsendung ärztlicher Atteste und Schulzeugnisse baldigst zu richten an die ^Israelitische Erziehungsanstalt Ahlem bei Hannover? - /-;'v<' . .Bei dieser Gelegenheit werden einige Mittheilungev über die jetzt, im zehnten' Jahre bestehendes Knaben- Abtheilung das Interesse unserer Leser finden.