Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 64 (11.8.1902)
- Date
- 1902-08-11
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2449795-2449854--56463-2519134- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
1364 heitsrücksichten in dem großen herrlichen Tempel der Natur, den Gott hier so wunderbar und majestätisch errichtet, bleibt, und die engen Räume mit ihren Beschwerden und Gefahren vermeidet. Ich sprach mit dem Besitzer der „Eintracht" und der Synagoge und fragte ihn, warum man denn nicht, wie überall, bei den Kurgästen Geld sammele und ein geräumiges Gotteshaus baue? Darauf antwortete er mir: Seit dreißig Jahren werde zu diesem Zwecke Geld gesammelt, er selber habe jährlich 35 Thaler dazu gegeben; aber die betr. Herren wollten das Geld noch nicht herausgeben. Er werde in den nächsten Tagen die Herren öffentlich auffordern, die gesammelten Gelder zur Erweiterung der Synagoge zur Verfügung zu stellen. Da die betreffenden Herren Ehrenmänner und .rs?v sind, hoffen wir, daß die Erweiterung des Tempels in „Eintracht" und Frieden vor sich gehen werde. rrnugsnachrichten und CorresponDenzerr. Deutschland. Berlin, 8. Aug. Die Frage der ruffischen Studentinnen gab den Antisemiten natürlich auch willkommenen Stoff, da nach ihrer Behauptung die Majorität derselben Jüdinnen seien, was aber durchaus nicht erwiesen ist. Unter diesen Umständen erscheint es von Interesse zu hören, wie sich zu dieser Frage die Generalversammlung des „Vereins studirender Frauen zu Berlin" gestellt hat. Trotzdem die offiziöse Ertlärung die in der Presse verbreitete Auslegung der ministeriellen Bestimmung dementirt hatte, hielt der Verein es doch für seine Pflicht, seine Stellung zu der Frage, die durch die offiziöse Erklärung nur nach einer Seite hin erledigt sei, noch einmal ausdrücklich auszusprechen. Der Verein nahm einstimmig folgende Resolution an: „Wir im Verein studirender Frauen vertretenen deutschen Studentinnen sind uns durchaus der Gefahr bewußt, die durch die wahllose Zulassung minderwerthig vorgebildetcr Ausländerinnen der Sache des Frauenstudiums drohen würde. Wir begrüßen jede Bestimmung, die der Vorbildung der weiblichen Studirenden ein möglichst hohes Niveau sichert. Wir wenden uns aber auf das Entschiedenste gegen die Auffassung dieser Bestimmung, als wolle man die russischen Studentinnen ihres „sittlichen Verhaltens" wegen von der Universität entfernen. Wir betonen, daß wir bei unserem gemeinsamen Studium mit den Russinnen keinerlei Erfahrungen gemacht haben, die für eine derartige Auslegung den geringsten Anlaß gäben. Wir würden es bedauern, wenn die Handhabung der neuen Ministerialbestimmung auch diejenigen Ausländerinnen von der Universität fern hielte, die thatfächlich eine der deutschen gleichartige Vorbildung Nachweisen konnten." Grünstadt, 7. Aug. Ein seltener Fall, nämlich, der Verkauf eines Gotteshauses, hat sich in dem nahegelegenen Dorfe Neu-Leiningen ereignet. Die dortige Synagoge ist jetzt käuflich in den Besitz der Gemeinde Neu-Leiningen übergegangen, die das Gotteshaus in ein Gemeindehaus umzuwandeln beabsichtigt. Der Verkauf wurde durch die neuerdings erfolgte Auslösung der ehemals ziemlich starken Neu-Leininger israelitischen Gemeinde hervorgerufen,, die in Folge der Uebersiedelung vieler Gemeindemitglieder nach größeren Orten im Laufe der Zeit auf nur eine Familie zusainmengcschmolzen ist. Da sich diese der Grünstadter israelit. Gemeinde angeschlossen hat, so ist letztere Rechtsnachfolgerin und gleichsam Erbin der aufgelösten Gemeinde geworden. Es wird daher nicht nur die erzielte Kaufsumme, sondern auch das vorhandene Mobiliar u. s. w. an sie übergehen. Das jetzt verkaufte Gotteshaus hat vor vielen Jahren schon einmal einen bedeutungsvollen Vesitzwechsel erfahren. Es war ursprünglich ein evangelisches Kirchlein und wurde erst nach Zerstreuung und Auflösung der damals in Neu-Leiningen bestandenen evangelischen Gemeinde von der israelitischen Gemeinde erworben. Ungarn. Grostwardcin, im Aug. (Ein „Ritual - m o r d" - M ä r ch e n.) In der Gemeinde Bihar zechten in der Branntweinschänke des Salamon Egri zwei Personen und beauftragten die achtjährige Jlonka Kiß, ihren Eltern Branntwein nach Hause zu tragen. Seither war die Kleine verschwunden. Gegen Abend verbreitete sich in der Gemeinde das Gerücht, daß das Mädchen von einem im Dorfe weilenden Klausenburger Juden abgeschlachtet worden sei, um sein Blut bei der im Bau befindlichen Klausenburger Synagoge zu verwenden. Durch dieses Gerücht wurden die Dorfbewohner in große Aufregung versetzt und eine Menge stürmte unter Drohungen das Geschäftslokal Egri's. Der Gendarmerie gelang es nur mit schwerer Mühe, die Menge zu zerstreuen. Am folgenden Tage wiederholte sich der Ansturm auf das Haus Egri's. Da meldete eine Bäuerin, daß die kleine Ilona Kiß sich verirrt habe und weinend im Hotter der Nachbargemeinde Kis- Szanto aufgefunden worden sei. Egri hat gegen die Aufwiegler die Strafanzeige erstattet. Holland. Amsterdam, 7. Aug. Mit dem Dampfschiff „König Willem I.", das voraussichtlich übermorgen aus Indien zurückkehrt, kommt auch M. Cohen, Wachtmeister der Kavallerie, geb. in Goes (Provinz Zeeland) wieder nach der H.eimath. Dieser wackere Unteroffizier war etwa sechs Jahre in indischem Dienst. Er wurde mit